„…den Entschluss zu fassen, die Freiheit zu denken“

Eine Hommage an Simone Weil

von Seepferd

Angeblich war sie das alles gleichzeitig: Anarchistin, Marxistin, scharfe Kritikerin von Marxismus und Anarchismus, politische Philosophin, Mittelschichtstochter, ungelernte Arbeiterin, Jüdin, Skeptikerin, katholische Mystikerin, Feministin, Pazifistin und militante Antifaschistin. Vermutlich konnte sie das alles sein – und zwar gleichzeitig –, weil sie nichts davon sein wollte. Nichts ausschließlich. Das muss man sich trauen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum so wenige mit ihr was anfangen können. Die KatholikInnen zerren sie auf ihre Seite, die AnarchistInnen beanspruchen sie für sich. Die einen meinen, irgendwo in ihrem recht kurzen Lebenslauf „Brüche“ ausmachen zu können, wo und aus welchen Gründen sie sich vom sozial-revolutionären Engagement in die religiöse Kontemplation zurückgezogen hätte; die anderen betonen vielmehr die „Kontinuitäten“: die Rückbesinnung auf christliche Ethik würde dem Engagement für alle Unterdrückten dieser Erde nicht widersprechen. Das Bildungsbürgertum gedenkt ihrer in periodischen Abständen: Es ist ja längst kein Tabu mehr, ein wenig (selbst)ironisch über tote Revolutionäre und andere Verrückte zu sprechen. (1) Man (ge)braucht sie, ähnlich wie Albert Camus, zur Selbstvergewisserung, ohne angeben zu können, wessen man sich eigentlich vergewissert und wie ernst es gemeint ist. (2) Eine Kuriosität also, „rote Jungfrau“, weiblicher Nietzsche, durchgeknallt und letztlich für nichts nütze. Ich persönlich trage das Interesse an der Person Weil schon lange mit mir herum, es hätte womöglich ein Vortrag in den Räumen am Josef-Stangl-Platz in Würzburg werden können, doch dazu kam es nicht. Und das ist vielleicht besser so. Nun scheint es mir abseits von runden Daten und irgendwelchen Jubiläen angebracht, bei einer dermaßen unpraktisch veranlagten Person nach gesellschaftlicher Praxis nachzufragen.

Jedes noch so dünnes Büchlein über sie bzw. von ihr ist, wie z.B. „Anmerkungen zur generellen Abschaffung der politischen Parteien“, mit einer kleinen biographischen Notiz versehen. Es ist also bei ausreichendem Interesse nicht schwer, Simone Weil historisch und ideengeschichtlich einzuordnen. In aller Kürze also, obwohl ich es nicht schaffe, das unterhaltsamer als Antje Schrupp 2009 (3) oder Heinz Abosch 1990.

Simone Weil wurde 1909 in einem guten bürgerlichen Haus in Paris geboren, hatte jüdische Wurzeln, genoss gute Ausbildung und wurde schließlich Lehrerin für Philosophie. Interessierte sich für Politik und soziale Kämpfe, zeigte sich solidarisch mit Arbeitern und Arbeitslosen, was ihr den Ruf der „roten Jungfrau“ einbrachte. Sie trat anarchistischen Zirkeln und revolutionär-syndikalistischen Gewerkschaften bei und las kommunistische Zeitungen, stritt sich mit Trotzki und de Beauvoir. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine revolutionäre Partei sich wohl, nach einer Formel von Marx, des bürokratischen und militärischen Apparats bemächtigen kann, aber sie kann diesen nicht brechen. Damit die Macht wirklich an die Arbeiter übergeht, müssen diese sich vereinigen, nicht nur entlang illusionärer Verbindungen, die von einer Ansammlung gleicher Meinungen ausgehen, sondern entlang wirklicher Verbindungen einer Gemeinschaft, die auf derselben Funktion im Produktionsprozess basiert“, schreibt sie Anfang 1930er gegen die Bestrebungen des Komintern, Gewerkschaften anzuführen. (zit. nach Jacquier 2006, S. 86) Gleichzeitig aber zutiefst individualistisch: „Denken wir daran, dass wir dem Individuum, nicht dem Kollektiv den höchsten Wert beimessen. (…) Nur im Menschen als Individuum finden wir Voraussicht und Willenskraft, die einzigen Quellen einer effizienten Aktion. Aber die Individuen können ihre Anstrengungen vereinigen, ohne dabei ihre Unabhängigkeit zu verlieren“. (zit. nach Jacquier 2006, S. 104) Continue reading “„…den Entschluss zu fassen, die Freiheit zu denken“”

Meinst du, der Feind meines Feindes ist mein Freund?

(in der Mai-Ausgabe des Conne Island Newsletters, CEEIEH #257 erschienen. – liberadio)

Buchrezension von Jörg Kronauers »Meinst du, die Russen wollen Krieg? Russland, der Westen und der zweite Kalte Krieg«

Eines der wenigen Dinge, an die ich mich, ehrlich gesagt, überhaupt noch aus meinem Studium der Politikwissenschaft erinnere, ist, dass es immer die Dümmsten waren, die nach morgendlicher Spiegel Online-Lektüre in den Seminaren zu den Internationalen Beziehungen am lautesten über die sog. Außenpolitik schwadronierten. Der Maßstab des Themas korrespondiert nicht unbedingt mit der Größe der Erkenntnis. Und wenn doch, dann meistens umgekehrt proportional. Es lässt sich bekanntlich am bequemsten – vorzugsweise von expertenhaften Gesichtsausdrücken und Gesten begleitet – fachmännisch, äquidistant, wissenschaftlich eben über das ›Weltwetter‹ schwadronieren, wenn man/frau eh nichts fürs ›Wetter‹ kann. Da sah man/frau beides bereits in ein und derselben Gestalt: Die politisch interessierten BürgerInnen am Frühstückstisch und den PolitikexpertInnen vom Frühstücksfernsehen, die sich beim Käffchen in die Rolle mal der einen, mal der anderen Regionalmacht unverbindlich einfühlen.

Dem konkret-Autoren und Redakteur von german-foreign-policy.com Jörg Kronauer wird man mit so was natürlich nicht gerecht. Trotz des pathetischen Jewtuschenko-Zitats im Titel und des Verweises auf einen angeblichen »Kalten Weltkrieg«, ist das Buch voll mit wertvollen Hinweisen rund um den Konflikt Russland vs. die NATO bzw. ›der Westen‹ gespickt.

Im Schnelldurchlauf und dennoch faktenreich skizziert er die historische Entwicklung und die Grundlinien der aktuellen Russlandpolitik Deutschlands und der USA. Alles wertvolle Hinweise, die öfters in der Debatte fehlen und die vorschnell zur Dämonisierung Russlands verleiten. Was die deutsche Ostpolitik angeht, fängt Kronauer merkwürdigerweise erst in der Weimarer Zeit an, als sich Teile der deutschen Bourgeoisie mit dem jungen sozialistischen Russland arrangieren mussten, weil ihnen ihre Geschäftsbeziehungen aus der Zarenzeit drohten flöten zu gehen. Das ist eben die Konfliktlinie zwischen verschiedenen Bourgeoisiefraktionen, die sich durch die gesamte Geschichte der deutschen Russlandbeziehungen zieht und manchmal abenteuerliche ideologische Formen annimmt: Mit dem ›Westen‹ zusammen den ›wilden Osten‹ kolonisieren, mit Russland gegen den verhassten Rest von Europa oder gar im Alleingang gegen den Rest der Welt Mist an allen Fronten bauen? Selbst nach dem desaströsen Ausgang des Zweiten Weltkrieges,, formierten sich mit der Gründung der BRD in den 1950er Jahren wirtschaftliche Interessengruppen im sog. Ost-Ausschuss, die Handelsbeziehungen mit dem sog.sozialistischen Ostblock anstrebten. Dabei unterstützte man immer gerne nationalistische Zentrifugalkräfte wie z.B. den ukrainischen Nationalismus bzw. die exilierten Überreste der »Ukrainischen Befreiungsarmee«, der faschistischen Kollaborateurentruppe OUN-UPA. Wie diese politische Unterstützung mit der Arbeit des Ost-Ausschusses konkret zusammenhing, verrät uns Kronauer nicht. Er schildert aber deutsche Versuche, die kollabierte wirtschaftliche und die geschwächte außenpolitische Lage der zerfallenen Sowjetunion auszunutzen und ehemalige Teile davon in den eigenen Einflussbereich hineinzuziehen – wie es z.B im Fall der Ukraine trotz florierender wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit Russland 2014 passierte. Continue reading “Meinst du, der Feind meines Feindes ist mein Freund?”

Aus: Simone Weil, “Über die Ursachen von Freiheit und gesellschaftlicher Unterdrückung”, Zürich, 2012

(Reflexions sur les causes de la liberte et de l’oppression sociale, 1934)

 

Tatsächlich erklärt Marx ausgezeichnet den Mechanismus kapitalistischer Unterdrückung; er erklärt ihn aber so gut, dass man sich kaum vorstellen kann, wie er aufhören könnte zu funktionieren. S. 12

Die Arbeiterbewegung konnte die Illusion der Macht erwecken, solange sie dazu beitrug, die Reste des Feudalismus zu beseitigen oder die kapitalistische Herrschaft zu errichten, sei es in Form des privaten Kapitalismus oder in der des Staatskapitalismus, wie dies in Russland geschah; jetzt wo sie auf diesem Gebiet ihre Funktion erfüllt hat und von der Krise vor das Problem der wirklichen Machtergreifung durch die Arbeitermassen gestellt wird, zerfällt sie mit einer Schnelligkeit, die alle, die an sie geglaubt hatten, mutlos macht. Auf ihren Trümmern spielen sich endlose Kontroversen ab, die sich nur durch die zweideutigen Formeln befrieden lassen, weil unter all denen, die immer noch von Revolution sprechen, kaum zwei mit diesem Begriff dasselbe verbinden. Revolution ist ein Wort, für das getötet wird, für das gestorben wird, für das die Volksmassen in den Tod geschickt werden, das aber keinen Inhalt hat. S 30f

Ganz allgemein haben die Blinden, die wir heute sind, kaum eine andere Wahl als die zwischen Abenteuern und Kapitulation. S. 38

Der Herr muss den Knecht gerade deshalb das Fürchten lehren, weil er von ihm gefürchtet wird, und umgekehrt; das gilt auch für rivalisierende Mächte. S 43 Continue reading “Aus: Simone Weil, “Über die Ursachen von Freiheit und gesellschaftlicher Unterdrückung”, Zürich, 2012″

Buchrezension: „The Colours of the Parallel World“ von Mikola Dziadok

von ndejra (erschienen in der April-Ausgabe der GaiDao)

Manchmal überkommt eine*n das Gefühl, linke Knastliteratur – Erinnerungen, Tagebücher, wissenschaftliche Abhandlungen und Ähnliches – hat wieder Konjunktur. Die Welt ist so anders geworden seit den Zeiten als Leute wie Peter Kropotkin, Alexander Bergman oder Wera Figner über ihr Leben hinter Gittern berichteten, als Warlam Schalamow und Alexander Solschenizyn die GULag-Hölle für kommende Generationen beschrieben haben. Natürlich hat der Staat, „ein unermesslicher Friedhof“, wie ihn Bakunin bezeichnete, nie aufgehört, mit seinem Repressionsapparat Leben und Körper der Delinquent*innen zuzurichten und zu zermalmen. Manchmal wird die alltägliche Repression nur spürbarer, manchmal gelingt es jemandem sie nur besonders eindrucksvoll zu schildern.

So gelang es z.B. dem belarusischen Anarchisten Mikola Dziadok in seinem kleinen Büchlein. Es ist nicht „brandneu“, es muss, wenn ich mich nicht täusche, bereits 2017 oder Anfang 2018 erschienen sein. Dziadoks Buch führt gewissermaßen die Erzählung fort, die mit dem Ihar Alinevichs Bericht aus dem Minsker Untersuchungshaft „Auf dem Weg nach Magadan“ begonnen wurde (siehe die Besprechung in GaiDao Nr. 82, Oktober 2017). Beide kamen 2010/2011 infolge der Wahlproteste unter die Räder der belarusischen Staatsmaschine, beide (und einige andere Anarchist*innenen und Liberale) haben nach Farce-Prozessen hohe Gefängnisstrafen bekommen. Ihar bekam damals 8 Jahre und Mikola 4,5 Jahre des „strengen Regimes“, dem Letzteren hat man die Strafe später um ein Jahr noch verlängert. Beide wurden frühzeitig entlassen. Wie Dziadok in einem Interview 2015 erklärte, das passierte nur, weil Belarus, das oft als die „letzte Diktatur Europas“ bezeichnet wird, immer noch die sowjetische Staatssymbolik beibehält und dessen Geheimdienst immer noch KGB heißt, versucht, auf den Spannungen zwischen der EU, den USA und Russland zu spielen und gewisse Liberalisierungen im Inneren demonstrieren musste. Continue reading “Buchrezension: „The Colours of the Parallel World“ von Mikola Dziadok”

Zwei Audiomitschnitte für zwischendurch

Der eine ist etwas älter: April 2016, ein Vortrag über Gustav Landauer und den Geist der Revolution beim Radio Corax aus Halle.

Hier ist der Ankündigungstext: “Es hat in Deutschland in der Zeit seiner größtem Gottferne einen Mann gegeben, der wie kein anderer Mensch dieses Landes und dieser Stunde zur Umkehr aufrief. Um einer kommenden Menschheit willen, die seine Seele schaute und begehrte, stritt er gegen die Unmenschheit, in der er leben musste“, – so schrieb der chassidische Philosoph Martin Buber 1919 über seinen Freund, Publizisten und Volksbeauftragten der Bayerischen Räterepublik Gustav Landauer (1870 – 1919). Dieser gilt als einer der bekanntesten deutschsprachigen Anarchisten. Der Vortrag versucht, nicht nur an den Menschen Landauer zu erinnern, sondern auch sein umfangreiches Werk kritisch zu würdigen. Diese Aufgabe nehmen wir außerdem zum Anlass, das theoretische und praktische Erbe des „klassischen“ (also „Vorkriegs“-) Anarchismus zu reflektieren”.

MP3 hier (59,09 Mb)

Der zweite ist eine ordentlich Portion “Russophobie”, 2018 ebenfalls in Halle gehalten. Der Ankündigungstext dazu beim Grossen Thier: “Die ukrainische Krise 2014 und der darauf folgende Krieg im Osten des Landes scheinen die europäische Linke nicht weniger zu überfordern als z.B. der Krieg in Syrien. Den Krieg in der Ukraine auf die Regiemekrise in Russland von 2011 zurückzuführen, würde einen viel radikaleren Begriff von der Politik erfordern, als linke Freunde des Politikmachens ihn haben könnten. In diesem Krieg würde – je nach dem Maß der Ignoranz linker Betrachter – entweder eine bedrängte antifaschistische Schutzmacht gegen die Vortrupps der NATO und der USA oder zwei gleichwertige Faschismen gegeneinander kämpfen. In Wirklichkeit vielmehr, kämpfen zwei verbrüderte Faschismen Seite an Seite gegen etwas, wovon der europäischen (und nicht nur dieser) Linken anscheinend der Begriff abhanden gekommen ist. (Damit ist nicht gesagt, dass das russische oder ukrainische Regime direkt faschistisch wären). Nicht nur wurden die Marionettenregimes der sog. Volksrepubliken etabliert, damit alles bleibe, wie es ist, auch im Inneren der Ukraine wirken Kräfte, die mehr mit Russland zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheinen kann”.

MP3 hier (110,8 Mb)

Золотые динары и реформизм исламизма

Не то, чтобы мне сильно хотелось пинать и без того дохлых собак, но перебирал давеча старые книги, нашёл эпическую «Освобождение ислама» Гейдара Джемаля (2004, Москва). Перелистал, похихикал и поставил книгу на улице в шкаф бук-кроссинга, с глаз долой. До сих пор не понимаю, как он мог произвести столь сильное впечатление не только на экзальтированых любителей «скрытых истин», но и на российских левых. (Пост-)Традиционалист или «новый правый», как принято говорить в Европе, и сооснователь «Левого фронта»… Но в связи с книгой возникли интересные ассоциации.

У Джемаля есть всё, что на самом деле так любо моему сердцу:

прикрывающийся «благородным антисионизмом» антисемитизм –

«Дело в том, что Израиль никакого отношения не имеет к иудаизму. Это на самом деле продолжение Иерусалимского королевства Болдуина. Что такое Израиль? Говорится, что это евреи. Но на самом деле это вторжение Запада, который вновь, как и в средневековье, влез туда и институционализировал захват Иерусалима. Только раньше это были крестоносцы, теперь же по технческим причинам это нельзя сделать в такой же форме, поэтому были использованы евреи. Но это не евреи, это представители Запада, и Израиль – это представители Запада. Израиль – это Иерусалимское королевство. Это восстановление средневековой западной оккупации. Израиль – это продолжение Рима, это не то, что иудаизм. Иудаизм же там подавлялся: если подлинные иудеи, протестующие против сионизма, выходят на демонстрации, их бьют по головам». С. 60

Теории заговора –

«Следует отдельно отметить так называемый проект Великая Хазария. Сегодня перед Россией стоит реальная угроза политического перерождения, превращения в некую структуру, котоая технологически с некоторых сторон напоминает государство, существовавшее в 6-10 веках на территории России, где, как вы знаете, иудейская элита правила тюркскими массами. Сегодня существует проект создать аналогичное госудасртво, где иудейская элита, замкнув эту империю на себя, будет управлять ею под национал-патриотическими великодержавными лозунгами. Для реализации этого проекта необходимо прежде всего исключить мусульман из политического поля России, физически вывести их за рубежи России». С. 319

Ленинизм (без филантропического марксизма) как истинно верное учение джихадизма – Continue reading “Золотые динары и реформизм исламизма”

Бог – истина кривды

 

Любитель пригрозить западному рассаднику либерализма и мужеложства термоядерной расправой, а русскому народу-богоносцу за просмотр легкомысленных фильмов — так и вообще Апокалипсисом, преподобный отец Всеволод Чаплин написал книгу с очень интересным названием. Она должна называться «Бог. Истина. Кривды. Размышления церковного дипломата» и расставить все точки над i в вопросах отношений с иными конфессиями. В глаза бросается неудачное дизайнерское решение на обложке, которое, с позволения сказать, вызывает совсем иные ассоциации.

Посмотрев на название книги, написанное без знаков препинания, поневоле задаёшься вопросом: что это вдруг с отцом Всеволодом, неужто взялся за ум? Отец Всеволод, конечно, как был, так и остался тем ультраправым мракобесом, каким мы его знаем и любим. Свинью ему подложил дизайнер издательства, который, наверное, и сам не ведает, насколько он прав, столь бесцеремонно обращаясь к нам и потенциальной чаплинской публике: «Бог — истина кривды». Но отставим в сторону этого Чаплина с его книгой и попробуем немного приблизиться к пониманию, почему же для социальной критики и атеизма бог — действительно истина кривды.

У часто цитируемого высказывания Маркса, что религия-де является опиумом народа, своеобразным обезболивающим, помогающим переносить земные лишения, взваленные на него земными же властями, есть ещё и социально-революционный контекст, часто и охотно забываемый вульгарными атеистами и материалистами.

«…религия, — пишет Маркс в знаменитом вступлении к «Критике Гегелевской философии права», — есть самосознание и самочувствование человека, который или ещё не обрёл себя, или уже снова себя потерял. Но человек — не абстрактное, где-то вне мира ютящееся существо. Человек — это мир человека, государство, общество. Это государство, это общество порождают религию, превратное мировоззрение, ибо сами они — превратный мир. Религия есть общая теория этого мира, его энциклопедический компендиум, его логика в популярной форме, его спиритуалистический point d’honneur [вопрос чести], его энтузиазм, его моральная санкция, его торжественное восполнение, его всеобщее основание для утешения и оправдания. Она претворяет в фантастическую действительность человеческую сущность, потому что человеческая сущность не обладает истинной действительностью. Следовательно, борьба против религии есть косвенно борьба против того мира, духовной усладой которого является религия. Религиозное убожество есть в одно и то же время выражение действительного убожества и протест против этого действительного убожества. Религия — это вздох угнетённой твари, сердце бессердечного мира, подобно тому как она — дух бездушных порядков. (…) Упразднение религии, как иллюзорного счастья народа, есть требование его действительного счастья. Требование отказа от иллюзий о своём положении есть требование отказа от такого положения, которое нуждается в иллюзиях. Критика религии есть, следовательно, в зародыше критика той юдоли плача, священным ореолом которой является религия. (…) Задача истории, следовательно, — с тех пор как исчезла правда потустороннего мира, — утвердить правду посюстороннего мира. (…) Критика неба превращается, таким образом, в критику земли, критика религии — в критику права, критика теологии — в критику политики».

Похожим образом эту идею сформулировал Михаил Бакунин в трактате «Бог и государство»:

«Сведенный в интеллектуальном и моральном, равно как и в материальном, отношении к минимуму человеческого существования, заключенный в условиях своей жизни, как узник в тюрьму без горизонта, без исхода, даже без будущего, если верить экономистам, народ должен был бы иметь чрезвычайно узкую душу и плоский инстинкт буржуа, чтобы не испытывать потребности выйти из этого положения. Но для этого у него есть лишь три средства, из коих два мнимых и одно действительное. Два первых — это кабак и церковь, разврат тела или разврат души. Третье — социальная революция».

Бог, религия вообще, таким образом, есть выражение бесчеловечности, неуютности этого общества. Это социальный иероглиф, выражающий не оправдываемую естественными причинами власть человека над человеком. Это выражение того состояния, когда общество предстаёт перед людьии как чуждая и репрессивная инстанция. Continue reading “Бог – истина кривды”

„We are a bit better organized than we used to be 4 years ago”

(An interview with Polish antifascist and anarcho-syndicalist Jacub Neumann. The German translation of it with some explanations will soon appear in the new paper issue and on the blog of das Grosse Thier. Behold! – liberadio)

* There have been some important changes in the Polish society since 2015 as the PiS come to power. I have some questions on that. Why did such social-democratic or social-liberal forces like Platforma Obywatelska (PO) lost the elections after the crisis? Where is the Solidarność in this mess now?

PO is not and was never neither social-democratic nor social-liberal force. It is typical conservative-liberal party connected strongly with CDU, Partido Popular or Fidesz. They were ruling very long but their power was built on fear. Most of their voters were anti-PiS voters. People who remembered terrible two years of rulling right-wing populist coalition of PiS-LPR-Samoobrona. They lost because they did not care about social cases and were sure that their conservative-liberal agenda is enough to win again. In Poland parties and voters of parties is not the same because people choose some party to vote against another party that they hate.

The political climate changed world-wide during the Ukrainian crisis and escalation of Syrian conflict. The hybrid war helped PiS very much. It should be noted that PiS became even more radical than it used to be anytime and rhetoric against Muslims was very similar to Nazi rhetoric against Jews. After reveals of Cambridge Analitica and Facebook scandal we also know who installed PiS government in Poland using massive propaganda in social medias.

The problem is that the liberal opposition is also right-wing. They do not criticize PiS politics in any position except neoliberal and during the voting of liberalization the abortion law they voted against. They also all voted for official praising the Narodowe Siły Zbrojne, far-right anticommunist and antisemitic guerrilla active during WW2 in opposition to leading anti-German resistance movement which was Armija Krajowa.

Solidarność is not a normal trade union. It is rather national-conservative anticommunist movement that sometimes supports some social cases. The former leader of the union Janusz Śniadek became PiS deputy later, the present one Piotr Duda claimed that under his control the union will be apolitical. But it is more pro-PiS than it ever was. Their cooperation with neofascist movement is separated topic that should be discussed by world-wide level. International trade unions who oppose far-right in their country have nothing against other union in other country that supports far-right government and neofascist organizations. In my opinion if they support such positions they should do such things in their country not legitimize such behaviors in Poland. Continue reading “„We are a bit better organized than we used to be 4 years ago””

Am Ende muss die Liebe obsiegen

Es muss ein Staatsakt sein – nicht minder als die Militärparade am Roten Platz am 9. Mai in Moskau. Es ist ein Staatsakt, davon hängt einiges auf dem internationalen Parkett ab, auch wenn die Angelegenheit rein symbolischer Natur zu sein scheint. Das orthodoxe Christentum ist wegen seiner Symphonie-Lehre und aus byzantinischer Tradition regionaler Verwaltung stark mit den jeweiligen Staatlichkeiten und nationalen Zugehörigkeitsgefühlen verwoben. So weit, so gut. Oder schlecht, whatever. Nun, zerfallen die Staaten, müssen – rein theoretisch zumindest – sich auch die Kirchen verwaltungstechnisch trennen.

Das 1030. Jubiläum der Christianisierung von Rus‘ ist daher sowohl in der Ukraine als auch in der Russländischen Föderation, wie gesagt, ein Staatsakt, dem eine ganz pragmatische Bedeutung zukommt. Obwohl es für die Ukraine erst mal bedeuten würde, dass eine offen staatsfeindliche Infrastruktur wie die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats aus dem Land verschwindet, ist es für den Präsidenten Petro Poroschnko der letzte Strohhalm, mit dem er seine Haut retten kann, nachdem er die demokratischen Hoffnungen von 2014er Maidan so kolossal enttäuscht hat. Für Russland wird es indes brenzlig: wird die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats autokephal, schafft sie ein Teil der OUK-MP und der jetzigen Ukrainischen Autokephalen Kirche (kanonisch nicht anerkannt) zu integrieren, wird sie zur größten orthodoxen Nationalkirche. Eine schwerwiegende Kränkung für die konservative Möchte-gern-Weltmacht, die „letzte Bastion des wahrhaftigen christlichen Glaubens“! Die Anhebung des Rentenalters, vorm Erreichen dessen die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung eh abkratzen wird, systematische Folter in russischen Gefängnissen, AIDS-Epidemie – alles muss verblassen vor dem Glanz der Herrschaft!

https://hooktube.com/watch?v=S2Upre0IYmc

(Die göttliche Lithurgie in Moskau)

Der „Erste unter den Gleichen“, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus stellt sich auf die Seite der Ukraine; der Vorsteher der Alexandrinischen Kirche (Ägypten) Theodor II. feiert mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill in Moskau und bezeichnet RussInnen und UkrainerInnen als ein Volk. Wer wird gewinnen? Ist es uns nicht bums? Während wir Mütterchen Russland vom ganzen Herzen eine weitere Demütigung wünschen, ist uns bewusst, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche aus dem gleichen Holz geschnitten ist, und hoffen, dass diese reaktionäre, mysogine, nationalistisch-staatstragende pseudo-christliche Buffonade zusammenkracht. Dann müssen sich auch Richard Spencer und Patrick Poppel vom Suworow-Institut nach anderen Sponsoren umschauen. Wer weiß, vielleicht doch der Suffi-Islam der Kadyria-Schule, hmmm?

Wie auch immer, am Ende muss die Liebe obsiegen. Denn „das orthodoxe Christentum ist Bartliebe“, wie Alexander Dugin sagt. Da können sich Männer wunderschöne Komplimente machen, ohne sich gleich schwul vorzukommen. Und das ist das Wichtigste. Die Liebe.

https://hooktube.com/watch?v=nhtu4fjoFpw

(Dugin über die Bartliebe)

Continue reading “Am Ende muss die Liebe obsiegen”

«Майн кампф» и реальность ложных проекций с историческими и актуальными примерами

[Внезапно обнаружил, что тут нет моей статьи двухгодичной давности. Пусть будет для коллекции. Поправил кое-что, опечатки, которые заметил (писал тогда, кажется, в онлайн трансляторе), ссылки. В общем, вот – liberadio]

Небезызвестный двухтомник «Майн Кампф» за авторством Адольфа Гитлера увидел свет в печатной форме в 1925-26-м годах. Гитлер надиктовал свой opus magnum своему верному соратнику Гессу, прибывая в довольно мягких условиях заключения после незадавшегося «пивного путча». Труд является отчасти пафосной автобиографией непризнанного художника, закалившегося в адском пекле Первой мировой войны и узревшего несправедливое устройство мира. Другая часть «Майн кампф» — собственно, и есть размышления на тему устройства и переустройства мира.

В январе 2016-го года министерство юстиции федеральной земли Бавария снова разрешило к публикации эту, скажем так, исторически значимую для самочувствия национального коллектива книгу. За два месяца с тех пор книга снова стала бестселлером и была продана в количестве примерно 24 тысяч экземпляров. Скандал? И да, и нет. Книга была издана исследовательским институтом, снабжена более чем тремя тысячами сносок, пояснений и комментариев, распухла до двух тысяч страниц и продаётся далеко не во всех книжных магазинах. А там, где продаётся, она продаётся по немаленькой цене в 59 евро.

Т.е. для национально сознательнных «карланов с заточками» книга просто стала нечитабельной и должна потерять в бесконечных критических комментариях всё своё «волшебство». По крайней мере, на это надеялись издатели. На самом же деле, хранить, читать и торговать «Библией гитлеризма» всё это время было вовсе не запрещено; рынок антиквариата был полон нелегальными фотокопиями и экземплярами, напечатанными до 1949-го года. А согласно решению суда, экземпляр «Майн кампф», изданный до провозглашения государства ФРГ её конституции противоречить не может. Continue reading “«Майн кампф» и реальность ложных проекций с историческими и актуальными примерами”