„We are a bit better organized than we used to be 4 years ago”

(An interview with Polish antifascist and anarcho-syndicalist Jacub Neumann. The German translation of it with some explanations will soon appear in the new paper issue and on the blog of das Grosse Thier. Behold! – liberadio)

* There have been some important changes in the Polish society since 2015 as the PiS come to power. I have some questions on that. Why did such social-democratic or social-liberal forces like Platforma Obywatelska (PO) lost the elections after the crisis? Where is the Solidarność in this mess now?

PO is not and was never neither social-democratic nor social-liberal force. It is typical conservative-liberal party connected strongly with CDU, Partido Popular or Fidesz. They were ruling very long but their power was built on fear. Most of their voters were anti-PiS voters. People who remembered terrible two years of rulling right-wing populist coalition of PiS-LPR-Samoobrona. They lost because they did not care about social cases and were sure that their conservative-liberal agenda is enough to win again. In Poland parties and voters of parties is not the same because people choose some party to vote against another party that they hate.

The political climate changed world-wide during the Ukrainian crisis and escalation of Syrian conflict. The hybrid war helped PiS very much. It should be noted that PiS became even more radical than it used to be anytime and rhetoric against Muslims was very similar to Nazi rhetoric against Jews. After reveals of Cambridge Analitica and Facebook scandal we also know who installed PiS government in Poland using massive propaganda in social medias.

The problem is that the liberal opposition is also right-wing. They do not criticize PiS politics in any position except neoliberal and during the voting of liberalization the abortion law they voted against. They also all voted for official praising the Narodowe Siły Zbrojne, far-right anticommunist and antisemitic guerrilla active during WW2 in opposition to leading anti-German resistance movement which was Armija Krajowa.

Solidarność is not a normal trade union. It is rather national-conservative anticommunist movement that sometimes supports some social cases. The former leader of the union Janusz Śniadek became PiS deputy later, the present one Piotr Duda claimed that under his control the union will be apolitical. But it is more pro-PiS than it ever was. Their cooperation with neofascist movement is separated topic that should be discussed by world-wide level. International trade unions who oppose far-right in their country have nothing against other union in other country that supports far-right government and neofascist organizations. In my opinion if they support such positions they should do such things in their country not legitimize such behaviors in Poland. Continue reading “„We are a bit better organized than we used to be 4 years ago””

Am Ende muss die Liebe obsiegen

Es muss ein Staatsakt sein – nicht minder als die Militärparade am Roten Platz am 9. Mai in Moskau. Es ist ein Staatsakt, davon hängt einiges auf dem internationalen Parkett ab, auch wenn die Angelegenheit rein symbolischer Natur zu sein scheint. Das orthodoxe Christentum ist wegen seiner Symphonie-Lehre und aus byzantinischer Tradition regionaler Verwaltung stark mit den jeweiligen Staatlichkeiten und nationalen Zugehörigkeitsgefühlen verwoben. So weit, so gut. Oder schlecht, whatever. Nun, zerfallen die Staaten, müssen – rein theoretisch zumindest – sich auch die Kirchen verwaltungstechnisch trennen.

Das 1030. Jubiläum der Christianisierung von Rus‘ ist daher sowohl in der Ukraine als auch in der Russländischen Föderation, wie gesagt, ein Staatsakt, dem eine ganz pragmatische Bedeutung zukommt. Obwohl es für die Ukraine erst mal bedeuten würde, dass eine offen staatsfeindliche Infrastruktur wie die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats aus dem Land verschwindet, ist es für den Präsidenten Petro Poroschnko der letzte Strohhalm, mit dem er seine Haut retten kann, nachdem er die demokratischen Hoffnungen von 2014er Maidan so kolossal enttäuscht hat. Für Russland wird es indes brenzlig: wird die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats autokephal, schafft sie ein Teil der OUK-MP und der jetzigen Ukrainischen Autokephalen Kirche (kanonisch nicht anerkannt) zu integrieren, wird sie zur größten orthodoxen Nationalkirche. Eine schwerwiegende Kränkung für die konservative Möchte-gern-Weltmacht, die „letzte Bastion des wahrhaftigen christlichen Glaubens“! Die Anhebung des Rentenalters, vorm Erreichen dessen die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung eh abkratzen wird, systematische Folter in russischen Gefängnissen, AIDS-Epidemie – alles muss verblassen vor dem Glanz der Herrschaft!

https://hooktube.com/watch?v=S2Upre0IYmc

(Die göttliche Lithurgie in Moskau)

Der „Erste unter den Gleichen“, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus stellt sich auf die Seite der Ukraine; der Vorsteher der Alexandrinischen Kirche (Ägypten) Theodor II. feiert mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill in Moskau und bezeichnet RussInnen und UkrainerInnen als ein Volk. Wer wird gewinnen? Ist es uns nicht bums? Während wir Mütterchen Russland vom ganzen Herzen eine weitere Demütigung wünschen, ist uns bewusst, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche aus dem gleichen Holz geschnitten ist, und hoffen, dass diese reaktionäre, mysogine, nationalistisch-staatstragende pseudo-christliche Buffonade zusammenkracht. Dann müssen sich auch Richard Spencer und Patrick Poppel vom Suworow-Institut nach anderen Sponsoren umschauen. Wer weiß, vielleicht doch der Suffi-Islam der Kadyria-Schule, hmmm?

Wie auch immer, am Ende muss die Liebe obsiegen. Denn „das orthodoxe Christentum ist Bartliebe“, wie Alexander Dugin sagt. Da können sich Männer wunderschöne Komplimente machen, ohne sich gleich schwul vorzukommen. Und das ist das Wichtigste. Die Liebe.

https://hooktube.com/watch?v=nhtu4fjoFpw

(Dugin über die Bartliebe)

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«Майн кампф» и реальность ложных проекций с историческими и актуальными примерами

[Внезапно обнаружил, что тут нет моей статьи двухгодичной давности. Пусть будет для коллекции. Поправил кое-что, опечатки, которые заметил (писал тогда, кажется, в онлайн трансляторе), ссылки. В общем, вот – liberadio]

Небезызвестный двухтомник «Майн Кампф» за авторством Адольфа Гитлера увидел свет в печатной форме в 1925-26-м годах. Гитлер надиктовал свой opus magnum своему верному соратнику Гессу, прибывая в довольно мягких условиях заключения после незадавшегося «пивного путча». Труд является отчасти пафосной автобиографией непризнанного художника, закалившегося в адском пекле Первой мировой войны и узревшего несправедливое устройство мира. Другая часть «Майн кампф» — собственно, и есть размышления на тему устройства и переустройства мира.

В январе 2016-го года министерство юстиции федеральной земли Бавария снова разрешило к публикации эту, скажем так, исторически значимую для самочувствия национального коллектива книгу. За два месяца с тех пор книга снова стала бестселлером и была продана в количестве примерно 24 тысяч экземпляров. Скандал? И да, и нет. Книга была издана исследовательским институтом, снабжена более чем тремя тысячами сносок, пояснений и комментариев, распухла до двух тысяч страниц и продаётся далеко не во всех книжных магазинах. А там, где продаётся, она продаётся по немаленькой цене в 59 евро.

Т.е. для национально сознательнных «карланов с заточками» книга просто стала нечитабельной и должна потерять в бесконечных критических комментариях всё своё «волшебство». По крайней мере, на это надеялись издатели. На самом же деле, хранить, читать и торговать «Библией гитлеризма» всё это время было вовсе не запрещено; рынок антиквариата был полон нелегальными фотокопиями и экземплярами, напечатанными до 1949-го года. А согласно решению суда, экземпляр «Майн кампф», изданный до провозглашения государства ФРГ её конституции противоречить не может. Continue reading “«Майн кампф» и реальность ложных проекций с историческими и актуальными примерами”

Ursprung des tschetschenischen Trauerspiels

von Seepferd

Im Sommer 2016 löste die russländische Öffentlichkeit eine schwierige Aufgabe mit Bravour – einem berühmten Mann zum 40-Jährigen etwas zu schenken, was er nicht hat. So bekam der Präsident der Tschetschenischen Teilrepublik Ramsan Kadyrow eine eigene reality show „Das Team Kadyrow“1, bei einem der staatlichen Sender. Er sei ein Krieger, kann Frieden und Stabilität schaffen, aber so richtig wirtschaften kann er eben nicht2. Aus diesem Grund braucht er einen Helfer oder sogar eine Helferin, die einen Wirtschaftsplan für die Region aufstellen, realisieren und die Republik somit wirtschaftlich aufpeppen könnte.

Die KandidatInnen meldeten sich angeblich fast von der ganzen Welt. Ausgesucht wurden 16 Leute, darunter ganze vier Frauen. Man kann sich vorstellen, dass die in zwei Teams aufgeteilten KandidatInnen nicht nur miteinander konkurrierten, sondern auch gegeneinander intrigierten was das Zeug hält. Es durfte ja nur einE gewinnen, um Kadyrows rechte Hand zu werden. „Der gescriptete Jahresmarkt der Eitelkeit und Niedertracht“ wäre vielleicht eine richtige Bezeichnung für die Show.

Ein Jahr später tue ich mir das an, Gefahr laufend, wieder für mindestens zwei Wochen dem Suff zu verfallen, und suche nach den Namen der GewinnerInnen (es waren am Ende tatsächlich mehrere) im tschetschenischen Regierungskabinett. Nope. Der junge Millionär aus Düsseldorf, der am Ende „gewonnen“ hatte, hat doch nicht so lange durchgehalten. So klar es war, dass die Show nur der Imageaufbesserung von Kadyrow und Co diente3, so widersinnig waren auch die meisten Aufgaben, denen sich die KandidatInnen stellen mussten. Continue reading “Ursprung des tschetschenischen Trauerspiels”

Emma Goldman: “A shrewd Asiatic, this Lenin…”

[Setzen wir doch unsere Zitirerei fort. Sie ist u.A. eine Art Ablage, und wird noch in woanders – wenn sich dafür Zeit und Kraft fänden – verwurstet. Solange aber sind das hier nur ein paar Auszüge aus einer der frühesten und eindrucksvollsten Bolschewismus-Kritiken, die jemals geschrieben wurden. Das hier nimmt einem oder einer die Beschäftigung mit dem Buch nicht ab, genauso wenig befreit es von der Auseinandersetzung mit Volins “Unbekannte Revolution”, mit Bettelheims “Die Klassenkämpfe in der UdSSR, Bd. 3-4”, mit Ciligas “Im land der verwirrenden Lüge”, mit Berkmanns, Makhnos, Serges und Arschinows Erinnerungen, mit Panekoeks, Weils und Rühles Kritiken und selbstverständlich auch nicht mit Lenin und Trotzky selbst und allen Märchen, welche sich Trotz-Kisten und andere Autoritären immer noch über die Revolution in Russland erzählen. – liberadio]

Excerpts from Emma Goldman’s, “My Desillusionment in Russia”, The C. W. Daniel Company, London 1925

(S. xii) By a strange coincidence a volume of letters written during the French Revolution, and compiled by the able German anarchist publicist, Gustav Landauer, came into my hands during the most critical period of my Russian experience. I was actually reading them while hearing the Bolshevik artillery begin the bombardment of the Kronstadt rebels. Those letters gave me a most vivid insight into the events of the French Revolution. As never before they brought home to me the realization that the Bolshevik regime in Russia was, on the whole, a significant replica of what had happened in France more than a century before.

(S. xv) The Russian Revolution is a miracle in more than one respect. Among other extraordinary paradoxes it presents the phenomenon of the Marxian Social Democrats, Lenin and Trotsky, adopting Anarchist revolutionary tactics, while the Anarchists Kropotkin, Tcherkessov, Tchaikovsky are denying these tactics and falling into Marxian reasoning, which they had all their lives repudiated as “German metaphysics”. The Bolsheviki of 1903, though revolutionists, adhered to the Marxian doctrine concerning the industrialization of Russia and the historic mission of the bourgeoisie as a necessary evolutionary process before the Russian masses could come into their own. The Bolsheviki of 1917 no longer believe in the predestined function of the bourgeoisie. They have been swept forward on the waves of the Revolution to the point of view held by the Anarchists since Bakunin; namely, that once the masses become conscious of their economic power, they make their own history and need not be bound by traditions and processes of a dead past which, like secret treaties, are made at a round table and are not dictated by the life itself.

(S. xxiv) My critic further charged me with believing that “had the Russians made the Revolution a la Bakunin instead of a la Marx” the result would have been different and more satisfactory. I plead guilty to the charge. In truth, I not only believe so; I am certain of it. The Russian Revolution – more correctly, Bolshevik methods – conclusively demonstrated how a revolution should not be made. The Russian experiment has proven the fatality of a political party usurping the functions of the revolutionary people, of an omnipotent State seeking to impose its will upon the country, of a dictatorship attempting to “organize” the new life. Continue reading “Emma Goldman: “A shrewd Asiatic, this Lenin…””

«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 2

Ӝ Ӝ

von Ndejra

Je älter die Ansichten und die sie predigenden Menschen

sind, desto näher liegen sie für ihn in der Zeit, wo die

Religion „geoffenbart“ wurde, desto zuverlässiger erscheinen

sie ihm also. Dazu kommt, dass der Mensch sich immer an etwas

Konkretes, Wahrnehmbares halten muss, weshalb er den

Respekt vor dem Göttlichen auch auf dessen Diener und

Stellvertreter aller Sorten ausdehnt. Da nun letztere

Seinesgleichen sind, so gerät er in den komischen Widerspruch,

seinesgleichen für gescheiter und vertrauenswerter zu

halten als sich selbst. So wuchert die Herrschaft des

Menschen über den Menschen, die Autorität in jeder Form

und damit die Grundbedingung aller Knechtschaft und

Vormundschaft empor! Aberglaube für die Ansichten der

Eltern, der Lehrer, der Pfaffen auf Kanzel und Katheder,

der Fürsten und der Beamten, das alles sind Früchte des

religiösen Giftbaumes! (…) Wie wäre es sonst möglich, dass

bei sogenannten Religionslosen noch Autoritätsglaube und

Staatskultus in Hülle und Fülle anzutreffen sind, obwohl solche

Narrheiten auf der Voraussetzung, dass es zwei Intelligenzen

in der belebten Welt gebe, beruhen, und daher nur im

religiösen Wahn ihre Existenzberechtigung suchen können?

Johann Most, „Früchte des Gottesglaubens“

Die Seele Russlands ist eine Christin,

das Volk aber ist Stalinist.

Alexander Prochanow1

 

Die orthodoxe Kirche, die weltweite christliche Orthodoxie ist eine Gemeinschaft von einzelnen Landeskirchen, die dem Glaubenssymbol von Nikäa anhängen und miteinander eucharistisch (d.h. Priester zweier verschiedener Kirchen können zusammen eine Messe abhalten) verkehren. Die christlichen Orthodoxen halten sich für die einzig wahren Nachfolgen der Kirche Jesu und somit für die einzig wahren Katholiken (und die Katholizität bedeutet nichts anderes, als dass die Kirche für sich eine räumliche und zeitliche Einheit beansprucht, d.h. es wird nicht nur eine weltweite Einheitlichkeit postuliert, sondern auch eine direkte Verbundenheit mit den historischen urchristlichen Gemeinden). Der größte und bedeutendste Verband der Kirchen, die sich um die Konstantinopeler Kirche gruppieren besteht z.Z aus 15 autokephalen Kirchen: Continue reading “«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 2”

«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 1

von Ndejra

Ӝ

Zeigt uns übrigens nicht die Geschichte, dass die Priester

aller Religionen, ausgenommen die der verfolgten Kulte,

immer die Verbündeten der Tyrannei waren? Und gewöhnten

nicht selbst die Letzteren, während sie die ihnen feindlichen

Mächte bekämpften und verfluchten, ihre eigenen Gläubigen

an Gehorsam gegenüber einer neuen Tyrannei? Die geistige

Sklaverei, welcher Natur sie auch sein mag, wird immer die

politische und soziale nach sich ziehen. Heute stellt das Christentum

in all seinen Erscheinungsformen mitsamt der doktrinären,

deistischen oder pantheistischen Metaphysik, die nichts anderes

ist als eine schlecht verbrämte Theologie, das größte Hindernis

für die Befreiung der Gesellschaft dar; der Beweis hierfür ist,

dass alle Regierungen, alle Staatsmänner, alle, die sich, offiziell

oder inoffiziell, als Hirten der Volkes betrachten und in ihrer

großen Mehrzahl heute zweifellos weder Christen noch Deisten,

sondern Agnostiker sind, die (…) weder an Gott noch an den

Teufel glauben, aber nichtsdestoweniger mit sichtlichem

Interesse alle Religionen förderten, vorausgesetzt, dass sie

Geduld, Entsagung und Unterwerfung predigten, was sie

übrigens alle tun.

Michail Bakunin, „Die philosophischen Betrachtungen…“

Der Kapitalismus hat sich – wie nicht allein am Calvinismus,

sondern auch an den übrigen orthodoxen christlichen Richtungen

zu erweisen sein muss – auf dem Christentum parasitär entwickelt,

dergestalt, dass zuletzt im wesentlichen seine Geschichte die

seines Parasiten, des Kapitalismus ist.

Walter Benjamin, „Kapitalismus als Religion“

Die Idee, mich näher mit dem östlichen Christentum und in erster Linie mit der Russischen Christlich-Orthodoxen Kirche (im Weiteren ROK genannt) auseinanderzusetzen, kam mir in den Sinn, ehrlich gesagt, erst im Zuge des russischen hybriden Kriegs im Osten der Ukraine. Wer das Geschehen in Russland über die Jahre verfolgt hat, wird schon längst die schleichende Klerikalisierung des Landes, die vielem Immobilien- und Korruptionsskandale, in die die größte Landeskirche verwickelt war, bemerkt haben. Dass aber der multiethnische und folglich multikonfessionelle Staat, der qua Verfassung ein säkularer ist und keine offizielle Religion hat, in der letzten Zeit den christlich-orthodoxen Glauben beim Export und der Verfestigung der politischen Reaktion im Inneren immer öfter ins Feld bringt, das ist eine relativ neue Entwicklung. Das geschieht natürlich zuallererst zur Legitimation solch militärischer Auslandseinsätze wie der Annexion der Krim, in der Ostukraine oder letztens in Syrien bei der eigenen Bevölkerung. Wir werden allerdings sehen, dass Russland die ROK auch im Ausland zu legitimatorischen, imageverbessernden und diplomatischen Zwecken einsetzt. Continue reading “«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 1”

16 тезисов о мировой революции

Пауль Поп

Египет, 2011

Когда я год назад писал “16 тезисов о мировой революции”, выбор названия не был лишён иронии. Но в январе 2011-го года в ходе “жасминовой революции” в Тунисе арабский мир был охвачен революционными волнениями, которые продолжаются по сей день. Пока ещё не ясно, достигнут ли перевороты в Тунисе и Египте чего-то большего, чем модернизации капитализма под руководством армии, или же силы Запада снова возьмут контроль над ситуацией в свои руки. По крайней мере, слово “революция” снова у всех на слуху, а народные массы кажутся (хотя бы на один момент) движущей силой истории. Национальное государство тоже, как кажется, не в силах остановить распространение революционной волны. Мы долго ждали революции и вот она пришла, только не к нам, да и традиционные левые не играют и в арабских странах никакой решающей роли. Объясняется это не только репрессиями арабского режима, но и крахом социализма в 20-м столетии, от которого левые до сих пор не оправились. Мы не можем сегодня больше пользоваться лозунгом “социализм или варварство”, ибо мы знаем, что социализм тоже может напрямую привести к варварству.

Когда мы задаёмся сегодня вопросом, как мы можем преодолеть капитализм и как нам следует организоваться, то нам не стоит игнорировать эти поражения. Из страха снова впасть в межфракционную грызню эта полная боли история редко является темой для сегодняшних левых. Центральное место заняли новые темы – такие как миграция, всеобщий базисный доход и политика тела. Но фактом является и то, что ни одно революционное движение, под каким флагом бы оно ни выступало, не смогло создать эмансипированную форму общества и преодолеть глобальный капитализм. В левых дебатах сегодня очень редко говорится о революции. Понятия сопротивления, субверсивности, исхода, неподчинения и перформативности любят куда больше. Конечно, в прошлом часто делали фетиш из рокового дня революции и искусственно делили жизнь на “до революции” и “после революции”. Как говорил Фридрих Энгельс, коммунизм – это движение, снимающее существующие порядки. Революция не имеет ни чётко определённого начала, ни определённого конца. Революция является как событием, так и процессом. Мне хотелось бы придерживаться этого понятия, т.к. капиталистическое устройство общества должно быть не только подточено и революционировано сопротивлением и субверсивностью, но и упразднено. Кроме того, многие люди всё ещё связывают с понятием “революция” позитивные вещи, иначе оно не использовалось бы так часто в рекламе или при смене элит (как например в “оранжевой революции” на Украине). В прошлом марксисты-ленинисты часто делали различие между политической (т.е. захватом власти пролетариатом или его партией) и социальной революцией (упразднением частной собственности на средства производства и почву). Ленинизм не мог помыслить последнего, а только первое, и всё больше становился учением о получении к власти и её удержания. Революционный переворот повседневности (семьи, воспитания детей, сексуальности, разделения труда и т.п.) почти во всех ленинистских государствах довольно быстро исчез из программ коммунистических партий, ориентировавшихся в последствии всё больше на мелкобуржуазные представления. Continue reading “16 тезисов о мировой революции”

К критике национального бреда и его недостаточной критики

национализм – прямое следствие “свободы, равенства и братства”

Часто товарищКи, придерживаются по национальному вопросу, как им самим кажется, равноудалённой и справедливой позиции «чума на оба (или больше) ваши дома», а на самом деле впадают просто в беззубую «антинациональную» абстракцию. Эта псевдо-радикальная абстракция мешает им замечать — хотя бы мысленно, если уже не в радикально-вербальных резолюциях — разницу между страной-аргессором и страной подвергшейся нападению, между более либеральным и пригодным для анархистской работы режимом и менее либеральным и, следовательно, менее благоприятным для анархистской деятельности. Можно назвать это сферическим антинационализмом в вакууме. В этой самой радикальной абстракции все кошки оказываются серы. По выражению Сэма Долгоффа, для некоторых его анархиствующих современников и современниц не было практически никакой разницы победили бы в Испании республиканцы или франкисты — капиталистами были и те и другие. (1) Оборотной стороной непонимания национального вопроса у другой категории радикалов является представление, что можно либо цинично мобилизировать априорно данные национальные чувства масс для достижения неких либертарных целей, либо просто наивное отмазывание своего национализма демагогией по схеме «любовь к родине – на национализм» и «у всех – своя идентичность и культура».

Дискуссии о нации, национализме, народе, этниях и прочей чепухе являются старинным спортивным развлечением в радикальной левой, и убедительно слезть с этого спортивно-дискурсивного туриника она так до сих пор и не смогла. Дискуссии о национализме структурно схожи с дискуссиями о государственной власти: они колеблются ориентировочно где-то между спором Густава Ландауэра, мол, государственность суть призрак в человеческих головах, и Эриха Мюзама, мол, да, конечно, призрак, но вооружённый до зубов и реально лишающий свободы и расстреливающий людей, и «реально-политической» позицией Фридриха Энгельса (и Ленина, а так же всех их верных последователей вплоть до Пауланцаса и Негри), мол, это – нейтральный надобщественный инструмент, которым могли бы однажды воспользоваться и хорошие парни и девчонки в общечеловеческих целях. Так же и с национальной идентичностью и «неотвратимым роком» этнической принадлежности: описания их колеблются от субъективного мнения и добрососедских отношений, выдуманной новыми жрецами религиозной идеи для порабощения трудящихся масс (2) до нейтрального антропологического фактора, попадающего под руку либо левым, либо правым политиканам.

Внесём же ясность в этот вопрос или хотя бы постараемся расчистить поле критики в более-менее тезисной форме. Личная или коллективная национальная (само)идентификация неразрывно связана с государственностью и товарно-рыночными отношениями. И то и другое обладает своей собственной динамикой: сказав А, придётся сказать и Б. (3)

Continue reading “К критике национального бреда и его недостаточной критики”

Vorläufiges und Verspätetes zur Ukraine

[Mittlerweile ein alter, aber immer noch lesenswerter Text: März – Mai 2014. Obwohl er auch damals ziemlich “vorläufig” und “verspätet” war. Lassen wir ihn hier einfach liegen, ok? via das Grosse Thier – liberadio]

von Seepferd

ZACHEDRYNSKIJ Und ich sage, das ist ein schlechtes Zeichen. Solange sie auf dem Weg waren, gab es ein Gleichgewicht in der Natur. Naja, vielleicht nicht in der Natur, aber in Russland. Sie wollten und wollten wegfahren, aber sie fuhren nicht weg. Aber jetzt, wo sie wegfahren, heißt es, dass irgendwas passiert.

TSCHELSOW Was?

ZACHEDRYNSKIJ Das ist es ja gerade, dass wir das nicht wissen. Aber es passiert ganz sicher was.

TSCHELSOW Steht was in der Zeitung?

ZACHEDRYNSKIJ Natürlich. In Australien hat man ein außergewöhnlich kleines Straußenei gefunden.

TSCHELSOW Das meine ich nicht, ich meine die Politik.

ZACHEDRYNSKIJ Auf dem Balkan ist es irgendwie ungewiss.

TSCHELSOW Und was ist mit diesem Kometen?

ZACHEDRYNSKIJ Sie meinen den Halley? Der kommt näher.

TSCHELSOW Das gefällt mir nicht.

 

„Liebe auf der Krim“, Sławomir Mrożek

1.

Was in der Ukraine zur Zeit passiert ist allgemein bekannt. Nur verstehen tut das niemand, nicht ein mal die Menschen, die mitten in dieser Ungewissheit und Unübersichtlichkeit doch noch weiter leben und handeln müssen. Noch im Herbst 2013 konnte man mit Sicherheit sagen, die Lage sei gespannt, die Wirtschaft am Arsch, die Politik – selten so deutlich wie in der Ukraine damals – ein Zirkus, der von der Bevölkerung nur noch mit genervter Apathie wahrgenommen wird. Aber mehr nicht. Bekanntlich krachte es dann im November in Kiew nach dem bereits erprobten Muster der „Orangenen Revolution“, nur mit deutlich aggressiveren, nationalistischen Untertönen. Die friedlichen, eben in der glorreichen ukrainischen Tradition der Masseninszenierungen auf dem Maidan, sich eher auf die symbolische Politik beschränkenden Proteste hätten vermutlich eher früher als später allmählich aufgehört, hätte die Spezialeinheit der Polizei „Berkut“ die Versammlung am 30. November nicht brutal angegriffen – um die Aufstellung eines Tannenbaums für den Silvester zu ermöglichen. Das war tatsächlich der Punkt, wo es nicht nur für den militanten Arm der Nationalisten – diese hatten sich lange davor noch auf eine Konfrontation vorbereitet – an der Zeit war, sich zu Wort zu melden, sondern auch für alle Demokratiebewegten, die der postsowjetischen Misere überdrüssig waren, die Selbstdiskreditierung der Regierung Janukowitsch zu nutzen und die Machtfrage zu stellen.

Die Schilderung der nachfolgender Geschehnisse ersparen wir uns, darüber wurde zur Genüge berichtet. Man wusste aber nicht – oder andererseits, wusste man unwissenderweise sehr wohl – wie man auf jenen makabren Zusammenschluss von Demokraten und Neonazis zu reagieren hätte, vor allen unter den erklärten Feinden des Bestehenden. So richtig es war, dass die Neonazis auf dem Kiewer Maidan als stärkste und am meisten organisierte Kraft die führende Rolle übernahmen und hohe und wohlwollende Aufmerksamkeit – vor allem auch westlicher – Medien genossen, so richtig ist es ebenfalls, dass es woanders, z.B. in Charkow oder im Osten des Landes durchaus anders war. Ebenfalls richtig war es auch, dass auch in Kiew die progressiven / linken (wenn auch die gemäßigten, sozial-demokratischen) Kräfte präsent waren und den Neonazis ihre Hegemonie strittig gemacht haben. (1) Die notwendig ideologische Beschränktheit der Proteste lässt sich nicht leugnen – sie ist in der Geschichte des Landes, im daraus resultierenden verkrüppelten Zustand ukrainischer Linken begründet. Es stimmt wohl, die meisten Menschen gingen auf die Straße nach einem langen, zwangsverordneten lethargischen Schlaf, für – nicht mehr und nicht weniger – einfach ein gutes Leben. Dass dieses Leben in einer postsojewitscher, chronisch krisenhaften Gesellschaft sich immer noch auf eine „gut funktionierende Marktwirtschaft“ und „einen demokratischen Staat“ reimen soll, dürfte doch bekannt sein – das wäre zumindest anzunehmen. Aber anscheinend doch nicht. Dies hier soll kein Plädoyer für eine Querfront-Politik sein. Wie schnell jedoch die deutschen „Radikalen“ die progressiven Kräfte in diesem tragischen Schlamassel aufgegeben haben, ist bezeichnend. (2) Ja, der Kommunismus wird das nicht so schnell, die kleinen Lenins dürfen ihre Köfferchen wieder auspacken und abwarten, wann sie endlich mit Triumph ins Land einreisen dürfen.

2.

Das Krim-Referendum vom 17. März 2014 erschwerte die Lage in vielfacher Sicht. Die Halbinsel Krim, nicht weniger multinational als der Rest der Ukraine, wurde vorsichtshalber von russischen Streitkräften, die die ominösen Selbstverteidigungsmilizen der russischen Bevölkerung in der Region gespielt haben unter Beteiligung der zu dem Zeitpunkt in der (West-)Ukraine bereits aufgelösten Berkut-Einheiten, annektiert. (3) Selbstverständlich, hatte die Annexion nichts mit dem Schutz der russischsprachigen Bevölkerung zu tun, die Militärbase hätte Russland auch so behalten dürfen (außerdem nützt sie aus weltpolitischer Sicht nicht viel, weil die Türkei am Bosporus sitzt). Warum also der Kreml sich auf dieses mittelfristig wirtschaftlich und politisch ruinöses Abenteuer eingelassen hat, ist nicht ersichtlich. (21) Die Halbinsel ist größtenteils finanziell wie infrastrukturell von der Ukraine abhängig, sollte der Konflikt weiter auf dem Rücken der Krimbevölkerung ausgetragen werden, kann man sich sicher sein, das Tourismusgeschäft wird der Krim nachhaltig vermasselt. Man kann natürlich eine Pipeline und eine Brücke von Sotschi zur Krim bauen, sprich noch so eine ertragreiche „Umverteilung“ des staatlichen Budgets wie der Bau der Einrichtungen für die Olympischen Spiele anstoßen. Deswegen lässt man jedoch so dreist die Waffen nicht klirren. Die Diskussionen, wann und wem und vom wem die Krim „geschenkt“ wurde, sind schlicht Unfug. Continue reading “Vorläufiges und Verspätetes zur Ukraine”