Zwei Audiomitschnitte für zwischendurch

Der eine ist etwas älter: April 2016, ein Vortrag über Gustav Landauer und den Geist der Revolution beim Radio Corax aus Halle.

Hier ist der Ankündigungstext: “Es hat in Deutschland in der Zeit seiner größtem Gottferne einen Mann gegeben, der wie kein anderer Mensch dieses Landes und dieser Stunde zur Umkehr aufrief. Um einer kommenden Menschheit willen, die seine Seele schaute und begehrte, stritt er gegen die Unmenschheit, in der er leben musste“, – so schrieb der chassidische Philosoph Martin Buber 1919 über seinen Freund, Publizisten und Volksbeauftragten der Bayerischen Räterepublik Gustav Landauer (1870 – 1919). Dieser gilt als einer der bekanntesten deutschsprachigen Anarchisten. Der Vortrag versucht, nicht nur an den Menschen Landauer zu erinnern, sondern auch sein umfangreiches Werk kritisch zu würdigen. Diese Aufgabe nehmen wir außerdem zum Anlass, das theoretische und praktische Erbe des „klassischen“ (also „Vorkriegs“-) Anarchismus zu reflektieren”.

MP3 hier (59,09 Mb)

Der zweite ist eine ordentlich Portion “Russophobie”, 2018 ebenfalls in Halle gehalten. Der Ankündigungstext dazu beim Grossen Thier: “Die ukrainische Krise 2014 und der darauf folgende Krieg im Osten des Landes scheinen die europäische Linke nicht weniger zu überfordern als z.B. der Krieg in Syrien. Den Krieg in der Ukraine auf die Regiemekrise in Russland von 2011 zurückzuführen, würde einen viel radikaleren Begriff von der Politik erfordern, als linke Freunde des Politikmachens ihn haben könnten. In diesem Krieg würde – je nach dem Maß der Ignoranz linker Betrachter – entweder eine bedrängte antifaschistische Schutzmacht gegen die Vortrupps der NATO und der USA oder zwei gleichwertige Faschismen gegeneinander kämpfen. In Wirklichkeit vielmehr, kämpfen zwei verbrüderte Faschismen Seite an Seite gegen etwas, wovon der europäischen (und nicht nur dieser) Linken anscheinend der Begriff abhanden gekommen ist. (Damit ist nicht gesagt, dass das russische oder ukrainische Regime direkt faschistisch wären). Nicht nur wurden die Marionettenregimes der sog. Volksrepubliken etabliert, damit alles bleibe, wie es ist, auch im Inneren der Ukraine wirken Kräfte, die mehr mit Russland zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheinen kann”.

MP3 hier (110,8 Mb)

„We are a bit better organized than we used to be 4 years ago”

(An interview with Polish antifascist and anarcho-syndicalist Jacub Neumann. The German translation of it with some explanations will soon appear in the new paper issue and on the blog of das Grosse Thier. Behold! – liberadio)

* There have been some important changes in the Polish society since 2015 as the PiS come to power. I have some questions on that. Why did such social-democratic or social-liberal forces like Platforma Obywatelska (PO) lost the elections after the crisis? Where is the Solidarność in this mess now?

PO is not and was never neither social-democratic nor social-liberal force. It is typical conservative-liberal party connected strongly with CDU, Partido Popular or Fidesz. They were ruling very long but their power was built on fear. Most of their voters were anti-PiS voters. People who remembered terrible two years of rulling right-wing populist coalition of PiS-LPR-Samoobrona. They lost because they did not care about social cases and were sure that their conservative-liberal agenda is enough to win again. In Poland parties and voters of parties is not the same because people choose some party to vote against another party that they hate.

The political climate changed world-wide during the Ukrainian crisis and escalation of Syrian conflict. The hybrid war helped PiS very much. It should be noted that PiS became even more radical than it used to be anytime and rhetoric against Muslims was very similar to Nazi rhetoric against Jews. After reveals of Cambridge Analitica and Facebook scandal we also know who installed PiS government in Poland using massive propaganda in social medias.

The problem is that the liberal opposition is also right-wing. They do not criticize PiS politics in any position except neoliberal and during the voting of liberalization the abortion law they voted against. They also all voted for official praising the Narodowe Siły Zbrojne, far-right anticommunist and antisemitic guerrilla active during WW2 in opposition to leading anti-German resistance movement which was Armija Krajowa.

Solidarność is not a normal trade union. It is rather national-conservative anticommunist movement that sometimes supports some social cases. The former leader of the union Janusz Śniadek became PiS deputy later, the present one Piotr Duda claimed that under his control the union will be apolitical. But it is more pro-PiS than it ever was. Their cooperation with neofascist movement is separated topic that should be discussed by world-wide level. International trade unions who oppose far-right in their country have nothing against other union in other country that supports far-right government and neofascist organizations. In my opinion if they support such positions they should do such things in their country not legitimize such behaviors in Poland. Continue reading “„We are a bit better organized than we used to be 4 years ago””

Am Ende muss die Liebe obsiegen

Es muss ein Staatsakt sein – nicht minder als die Militärparade am Roten Platz am 9. Mai in Moskau. Es ist ein Staatsakt, davon hängt einiges auf dem internationalen Parkett ab, auch wenn die Angelegenheit rein symbolischer Natur zu sein scheint. Das orthodoxe Christentum ist wegen seiner Symphonie-Lehre und aus byzantinischer Tradition regionaler Verwaltung stark mit den jeweiligen Staatlichkeiten und nationalen Zugehörigkeitsgefühlen verwoben. So weit, so gut. Oder schlecht, whatever. Nun, zerfallen die Staaten, müssen – rein theoretisch zumindest – sich auch die Kirchen verwaltungstechnisch trennen.

Das 1030. Jubiläum der Christianisierung von Rus‘ ist daher sowohl in der Ukraine als auch in der Russländischen Föderation, wie gesagt, ein Staatsakt, dem eine ganz pragmatische Bedeutung zukommt. Obwohl es für die Ukraine erst mal bedeuten würde, dass eine offen staatsfeindliche Infrastruktur wie die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats aus dem Land verschwindet, ist es für den Präsidenten Petro Poroschnko der letzte Strohhalm, mit dem er seine Haut retten kann, nachdem er die demokratischen Hoffnungen von 2014er Maidan so kolossal enttäuscht hat. Für Russland wird es indes brenzlig: wird die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats autokephal, schafft sie ein Teil der OUK-MP und der jetzigen Ukrainischen Autokephalen Kirche (kanonisch nicht anerkannt) zu integrieren, wird sie zur größten orthodoxen Nationalkirche. Eine schwerwiegende Kränkung für die konservative Möchte-gern-Weltmacht, die „letzte Bastion des wahrhaftigen christlichen Glaubens“! Die Anhebung des Rentenalters, vorm Erreichen dessen die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung eh abkratzen wird, systematische Folter in russischen Gefängnissen, AIDS-Epidemie – alles muss verblassen vor dem Glanz der Herrschaft!

https://hooktube.com/watch?v=S2Upre0IYmc

(Die göttliche Lithurgie in Moskau)

Der „Erste unter den Gleichen“, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus stellt sich auf die Seite der Ukraine; der Vorsteher der Alexandrinischen Kirche (Ägypten) Theodor II. feiert mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill in Moskau und bezeichnet RussInnen und UkrainerInnen als ein Volk. Wer wird gewinnen? Ist es uns nicht bums? Während wir Mütterchen Russland vom ganzen Herzen eine weitere Demütigung wünschen, ist uns bewusst, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche aus dem gleichen Holz geschnitten ist, und hoffen, dass diese reaktionäre, mysogine, nationalistisch-staatstragende pseudo-christliche Buffonade zusammenkracht. Dann müssen sich auch Richard Spencer und Patrick Poppel vom Suworow-Institut nach anderen Sponsoren umschauen. Wer weiß, vielleicht doch der Suffi-Islam der Kadyria-Schule, hmmm?

Wie auch immer, am Ende muss die Liebe obsiegen. Denn „das orthodoxe Christentum ist Bartliebe“, wie Alexander Dugin sagt. Da können sich Männer wunderschöne Komplimente machen, ohne sich gleich schwul vorzukommen. Und das ist das Wichtigste. Die Liebe.

https://hooktube.com/watch?v=nhtu4fjoFpw

(Dugin über die Bartliebe)

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«Майн кампф» и реальность ложных проекций с историческими и актуальными примерами

[Внезапно обнаружил, что тут нет моей статьи двухгодичной давности. Пусть будет для коллекции. Поправил кое-что, опечатки, которые заметил (писал тогда, кажется, в онлайн трансляторе), ссылки. В общем, вот – liberadio]

Небезызвестный двухтомник «Майн Кампф» за авторством Адольфа Гитлера увидел свет в печатной форме в 1925-26-м годах. Гитлер надиктовал свой opus magnum своему верному соратнику Гессу, прибывая в довольно мягких условиях заключения после незадавшегося «пивного путча». Труд является отчасти пафосной автобиографией непризнанного художника, закалившегося в адском пекле Первой мировой войны и узревшего несправедливое устройство мира. Другая часть «Майн кампф» — собственно, и есть размышления на тему устройства и переустройства мира.

В январе 2016-го года министерство юстиции федеральной земли Бавария снова разрешило к публикации эту, скажем так, исторически значимую для самочувствия национального коллектива книгу. За два месяца с тех пор книга снова стала бестселлером и была продана в количестве примерно 24 тысяч экземпляров. Скандал? И да, и нет. Книга была издана исследовательским институтом, снабжена более чем тремя тысячами сносок, пояснений и комментариев, распухла до двух тысяч страниц и продаётся далеко не во всех книжных магазинах. А там, где продаётся, она продаётся по немаленькой цене в 59 евро.

Т.е. для национально сознательнных «карланов с заточками» книга просто стала нечитабельной и должна потерять в бесконечных критических комментариях всё своё «волшебство». По крайней мере, на это надеялись издатели. На самом же деле, хранить, читать и торговать «Библией гитлеризма» всё это время было вовсе не запрещено; рынок антиквариата был полон нелегальными фотокопиями и экземплярами, напечатанными до 1949-го года. А согласно решению суда, экземпляр «Майн кампф», изданный до провозглашения государства ФРГ её конституции противоречить не может. Continue reading “«Майн кампф» и реальность ложных проекций с историческими и актуальными примерами”

Ursprung des tschetschenischen Trauerspiels

von Seepferd

Im Sommer 2016 löste die russländische Öffentlichkeit eine schwierige Aufgabe mit Bravour – einem berühmten Mann zum 40-Jährigen etwas zu schenken, was er nicht hat. So bekam der Präsident der Tschetschenischen Teilrepublik Ramsan Kadyrow eine eigene reality show „Das Team Kadyrow“1, bei einem der staatlichen Sender. Er sei ein Krieger, kann Frieden und Stabilität schaffen, aber so richtig wirtschaften kann er eben nicht2. Aus diesem Grund braucht er einen Helfer oder sogar eine Helferin, die einen Wirtschaftsplan für die Region aufstellen, realisieren und die Republik somit wirtschaftlich aufpeppen könnte.

Die KandidatInnen meldeten sich angeblich fast von der ganzen Welt. Ausgesucht wurden 16 Leute, darunter ganze vier Frauen. Man kann sich vorstellen, dass die in zwei Teams aufgeteilten KandidatInnen nicht nur miteinander konkurrierten, sondern auch gegeneinander intrigierten was das Zeug hält. Es durfte ja nur einE gewinnen, um Kadyrows rechte Hand zu werden. „Der gescriptete Jahresmarkt der Eitelkeit und Niedertracht“ wäre vielleicht eine richtige Bezeichnung für die Show.

Ein Jahr später tue ich mir das an, Gefahr laufend, wieder für mindestens zwei Wochen dem Suff zu verfallen, und suche nach den Namen der GewinnerInnen (es waren am Ende tatsächlich mehrere) im tschetschenischen Regierungskabinett. Nope. Der junge Millionär aus Düsseldorf, der am Ende „gewonnen“ hatte, hat doch nicht so lange durchgehalten. So klar es war, dass die Show nur der Imageaufbesserung von Kadyrow und Co diente3, so widersinnig waren auch die meisten Aufgaben, denen sich die KandidatInnen stellen mussten. Continue reading “Ursprung des tschetschenischen Trauerspiels”

Emma Goldman: “A shrewd Asiatic, this Lenin…”

[Setzen wir doch unsere Zitirerei fort. Sie ist u.A. eine Art Ablage, und wird noch in woanders – wenn sich dafür Zeit und Kraft fänden – verwurstet. Solange aber sind das hier nur ein paar Auszüge aus einer der frühesten und eindrucksvollsten Bolschewismus-Kritiken, die jemals geschrieben wurden. Das hier nimmt einem oder einer die Beschäftigung mit dem Buch nicht ab, genauso wenig befreit es von der Auseinandersetzung mit Volins “Unbekannte Revolution”, mit Bettelheims “Die Klassenkämpfe in der UdSSR, Bd. 3-4”, mit Ciligas “Im land der verwirrenden Lüge”, mit Berkmanns, Makhnos, Serges und Arschinows Erinnerungen, mit Panekoeks, Weils und Rühles Kritiken und selbstverständlich auch nicht mit Lenin und Trotzky selbst und allen Märchen, welche sich Trotz-Kisten und andere Autoritären immer noch über die Revolution in Russland erzählen. – liberadio]

Excerpts from Emma Goldman’s, “My Desillusionment in Russia”, The C. W. Daniel Company, London 1925

(S. xii) By a strange coincidence a volume of letters written during the French Revolution, and compiled by the able German anarchist publicist, Gustav Landauer, came into my hands during the most critical period of my Russian experience. I was actually reading them while hearing the Bolshevik artillery begin the bombardment of the Kronstadt rebels. Those letters gave me a most vivid insight into the events of the French Revolution. As never before they brought home to me the realization that the Bolshevik regime in Russia was, on the whole, a significant replica of what had happened in France more than a century before.

(S. xv) The Russian Revolution is a miracle in more than one respect. Among other extraordinary paradoxes it presents the phenomenon of the Marxian Social Democrats, Lenin and Trotsky, adopting Anarchist revolutionary tactics, while the Anarchists Kropotkin, Tcherkessov, Tchaikovsky are denying these tactics and falling into Marxian reasoning, which they had all their lives repudiated as “German metaphysics”. The Bolsheviki of 1903, though revolutionists, adhered to the Marxian doctrine concerning the industrialization of Russia and the historic mission of the bourgeoisie as a necessary evolutionary process before the Russian masses could come into their own. The Bolsheviki of 1917 no longer believe in the predestined function of the bourgeoisie. They have been swept forward on the waves of the Revolution to the point of view held by the Anarchists since Bakunin; namely, that once the masses become conscious of their economic power, they make their own history and need not be bound by traditions and processes of a dead past which, like secret treaties, are made at a round table and are not dictated by the life itself.

(S. xxiv) My critic further charged me with believing that “had the Russians made the Revolution a la Bakunin instead of a la Marx” the result would have been different and more satisfactory. I plead guilty to the charge. In truth, I not only believe so; I am certain of it. The Russian Revolution – more correctly, Bolshevik methods – conclusively demonstrated how a revolution should not be made. The Russian experiment has proven the fatality of a political party usurping the functions of the revolutionary people, of an omnipotent State seeking to impose its will upon the country, of a dictatorship attempting to “organize” the new life. Continue reading “Emma Goldman: “A shrewd Asiatic, this Lenin…””

«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 2

Ӝ Ӝ

von Ndejra

Je älter die Ansichten und die sie predigenden Menschen

sind, desto näher liegen sie für ihn in der Zeit, wo die

Religion „geoffenbart“ wurde, desto zuverlässiger erscheinen

sie ihm also. Dazu kommt, dass der Mensch sich immer an etwas

Konkretes, Wahrnehmbares halten muss, weshalb er den

Respekt vor dem Göttlichen auch auf dessen Diener und

Stellvertreter aller Sorten ausdehnt. Da nun letztere

Seinesgleichen sind, so gerät er in den komischen Widerspruch,

seinesgleichen für gescheiter und vertrauenswerter zu

halten als sich selbst. So wuchert die Herrschaft des

Menschen über den Menschen, die Autorität in jeder Form

und damit die Grundbedingung aller Knechtschaft und

Vormundschaft empor! Aberglaube für die Ansichten der

Eltern, der Lehrer, der Pfaffen auf Kanzel und Katheder,

der Fürsten und der Beamten, das alles sind Früchte des

religiösen Giftbaumes! (…) Wie wäre es sonst möglich, dass

bei sogenannten Religionslosen noch Autoritätsglaube und

Staatskultus in Hülle und Fülle anzutreffen sind, obwohl solche

Narrheiten auf der Voraussetzung, dass es zwei Intelligenzen

in der belebten Welt gebe, beruhen, und daher nur im

religiösen Wahn ihre Existenzberechtigung suchen können?

Johann Most, „Früchte des Gottesglaubens“

Die Seele Russlands ist eine Christin,

das Volk aber ist Stalinist.

Alexander Prochanow1

 

Die orthodoxe Kirche, die weltweite christliche Orthodoxie ist eine Gemeinschaft von einzelnen Landeskirchen, die dem Glaubenssymbol von Nikäa anhängen und miteinander eucharistisch (d.h. Priester zweier verschiedener Kirchen können zusammen eine Messe abhalten) verkehren. Die christlichen Orthodoxen halten sich für die einzig wahren Nachfolgen der Kirche Jesu und somit für die einzig wahren Katholiken (und die Katholizität bedeutet nichts anderes, als dass die Kirche für sich eine räumliche und zeitliche Einheit beansprucht, d.h. es wird nicht nur eine weltweite Einheitlichkeit postuliert, sondern auch eine direkte Verbundenheit mit den historischen urchristlichen Gemeinden). Der größte und bedeutendste Verband der Kirchen, die sich um die Konstantinopeler Kirche gruppieren besteht z.Z aus 15 autokephalen Kirchen: Continue reading “«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 2”

«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 1

von Ndejra

Ӝ

Zeigt uns übrigens nicht die Geschichte, dass die Priester

aller Religionen, ausgenommen die der verfolgten Kulte,

immer die Verbündeten der Tyrannei waren? Und gewöhnten

nicht selbst die Letzteren, während sie die ihnen feindlichen

Mächte bekämpften und verfluchten, ihre eigenen Gläubigen

an Gehorsam gegenüber einer neuen Tyrannei? Die geistige

Sklaverei, welcher Natur sie auch sein mag, wird immer die

politische und soziale nach sich ziehen. Heute stellt das Christentum

in all seinen Erscheinungsformen mitsamt der doktrinären,

deistischen oder pantheistischen Metaphysik, die nichts anderes

ist als eine schlecht verbrämte Theologie, das größte Hindernis

für die Befreiung der Gesellschaft dar; der Beweis hierfür ist,

dass alle Regierungen, alle Staatsmänner, alle, die sich, offiziell

oder inoffiziell, als Hirten der Volkes betrachten und in ihrer

großen Mehrzahl heute zweifellos weder Christen noch Deisten,

sondern Agnostiker sind, die (…) weder an Gott noch an den

Teufel glauben, aber nichtsdestoweniger mit sichtlichem

Interesse alle Religionen förderten, vorausgesetzt, dass sie

Geduld, Entsagung und Unterwerfung predigten, was sie

übrigens alle tun.

Michail Bakunin, „Die philosophischen Betrachtungen…“

Der Kapitalismus hat sich – wie nicht allein am Calvinismus,

sondern auch an den übrigen orthodoxen christlichen Richtungen

zu erweisen sein muss – auf dem Christentum parasitär entwickelt,

dergestalt, dass zuletzt im wesentlichen seine Geschichte die

seines Parasiten, des Kapitalismus ist.

Walter Benjamin, „Kapitalismus als Religion“

Die Idee, mich näher mit dem östlichen Christentum und in erster Linie mit der Russischen Christlich-Orthodoxen Kirche (im Weiteren ROK genannt) auseinanderzusetzen, kam mir in den Sinn, ehrlich gesagt, erst im Zuge des russischen hybriden Kriegs im Osten der Ukraine. Wer das Geschehen in Russland über die Jahre verfolgt hat, wird schon längst die schleichende Klerikalisierung des Landes, die vielem Immobilien- und Korruptionsskandale, in die die größte Landeskirche verwickelt war, bemerkt haben. Dass aber der multiethnische und folglich multikonfessionelle Staat, der qua Verfassung ein säkularer ist und keine offizielle Religion hat, in der letzten Zeit den christlich-orthodoxen Glauben beim Export und der Verfestigung der politischen Reaktion im Inneren immer öfter ins Feld bringt, das ist eine relativ neue Entwicklung. Das geschieht natürlich zuallererst zur Legitimation solch militärischer Auslandseinsätze wie der Annexion der Krim, in der Ostukraine oder letztens in Syrien bei der eigenen Bevölkerung. Wir werden allerdings sehen, dass Russland die ROK auch im Ausland zu legitimatorischen, imageverbessernden und diplomatischen Zwecken einsetzt. Continue reading “«Wir sind Russen, Gott ist mit uns», Teil 1”

16 тезисов о мировой революции

Пауль Поп

Египет, 2011

Когда я год назад писал “16 тезисов о мировой революции”, выбор названия не был лишён иронии. Но в январе 2011-го года в ходе “жасминовой революции” в Тунисе арабский мир был охвачен революционными волнениями, которые продолжаются по сей день. Пока ещё не ясно, достигнут ли перевороты в Тунисе и Египте чего-то большего, чем модернизации капитализма под руководством армии, или же силы Запада снова возьмут контроль над ситуацией в свои руки. По крайней мере, слово “революция” снова у всех на слуху, а народные массы кажутся (хотя бы на один момент) движущей силой истории. Национальное государство тоже, как кажется, не в силах остановить распространение революционной волны. Мы долго ждали революции и вот она пришла, только не к нам, да и традиционные левые не играют и в арабских странах никакой решающей роли. Объясняется это не только репрессиями арабского режима, но и крахом социализма в 20-м столетии, от которого левые до сих пор не оправились. Мы не можем сегодня больше пользоваться лозунгом “социализм или варварство”, ибо мы знаем, что социализм тоже может напрямую привести к варварству.

Когда мы задаёмся сегодня вопросом, как мы можем преодолеть капитализм и как нам следует организоваться, то нам не стоит игнорировать эти поражения. Из страха снова впасть в межфракционную грызню эта полная боли история редко является темой для сегодняшних левых. Центральное место заняли новые темы – такие как миграция, всеобщий базисный доход и политика тела. Но фактом является и то, что ни одно революционное движение, под каким флагом бы оно ни выступало, не смогло создать эмансипированную форму общества и преодолеть глобальный капитализм. В левых дебатах сегодня очень редко говорится о революции. Понятия сопротивления, субверсивности, исхода, неподчинения и перформативности любят куда больше. Конечно, в прошлом часто делали фетиш из рокового дня революции и искусственно делили жизнь на “до революции” и “после революции”. Как говорил Фридрих Энгельс, коммунизм – это движение, снимающее существующие порядки. Революция не имеет ни чётко определённого начала, ни определённого конца. Революция является как событием, так и процессом. Мне хотелось бы придерживаться этого понятия, т.к. капиталистическое устройство общества должно быть не только подточено и революционировано сопротивлением и субверсивностью, но и упразднено. Кроме того, многие люди всё ещё связывают с понятием “революция” позитивные вещи, иначе оно не использовалось бы так часто в рекламе или при смене элит (как например в “оранжевой революции” на Украине). В прошлом марксисты-ленинисты часто делали различие между политической (т.е. захватом власти пролетариатом или его партией) и социальной революцией (упразднением частной собственности на средства производства и почву). Ленинизм не мог помыслить последнего, а только первое, и всё больше становился учением о получении к власти и её удержания. Революционный переворот повседневности (семьи, воспитания детей, сексуальности, разделения труда и т.п.) почти во всех ленинистских государствах довольно быстро исчез из программ коммунистических партий, ориентировавшихся в последствии всё больше на мелкобуржуазные представления. Continue reading “16 тезисов о мировой революции”

К критике национального бреда и его недостаточной критики

национализм – прямое следствие “свободы, равенства и братства”

Часто товарищКи, придерживаются по национальному вопросу, как им самим кажется, равноудалённой и справедливой позиции «чума на оба (или больше) ваши дома», а на самом деле впадают просто в беззубую «антинациональную» абстракцию. Эта псевдо-радикальная абстракция мешает им замечать — хотя бы мысленно, если уже не в радикально-вербальных резолюциях — разницу между страной-аргессором и страной подвергшейся нападению, между более либеральным и пригодным для анархистской работы режимом и менее либеральным и, следовательно, менее благоприятным для анархистской деятельности. Можно назвать это сферическим антинационализмом в вакууме. В этой самой радикальной абстракции все кошки оказываются серы. По выражению Сэма Долгоффа, для некоторых его анархиствующих современников и современниц не было практически никакой разницы победили бы в Испании республиканцы или франкисты — капиталистами были и те и другие. (1) Оборотной стороной непонимания национального вопроса у другой категории радикалов является представление, что можно либо цинично мобилизировать априорно данные национальные чувства масс для достижения неких либертарных целей, либо просто наивное отмазывание своего национализма демагогией по схеме «любовь к родине – на национализм» и «у всех – своя идентичность и культура».

Дискуссии о нации, национализме, народе, этниях и прочей чепухе являются старинным спортивным развлечением в радикальной левой, и убедительно слезть с этого спортивно-дискурсивного туриника она так до сих пор и не смогла. Дискуссии о национализме структурно схожи с дискуссиями о государственной власти: они колеблются ориентировочно где-то между спором Густава Ландауэра, мол, государственность суть призрак в человеческих головах, и Эриха Мюзама, мол, да, конечно, призрак, но вооружённый до зубов и реально лишающий свободы и расстреливающий людей, и «реально-политической» позицией Фридриха Энгельса (и Ленина, а так же всех их верных последователей вплоть до Пауланцаса и Негри), мол, это – нейтральный надобщественный инструмент, которым могли бы однажды воспользоваться и хорошие парни и девчонки в общечеловеческих целях. Так же и с национальной идентичностью и «неотвратимым роком» этнической принадлежности: описания их колеблются от субъективного мнения и добрососедских отношений, выдуманной новыми жрецами религиозной идеи для порабощения трудящихся масс (2) до нейтрального антропологического фактора, попадающего под руку либо левым, либо правым политиканам.

Внесём же ясность в этот вопрос или хотя бы постараемся расчистить поле критики в более-менее тезисной форме. Личная или коллективная национальная (само)идентификация неразрывно связана с государственностью и товарно-рыночными отношениями. И то и другое обладает своей собственной динамикой: сказав А, придётся сказать и Б. (3)

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