Враги понарошку

Исламисты и новые правые следуют идеям одних и тех же мыслителей

Марк Тёрнер

 

спиздил на klarmann.blogsport.de/

Новые правые утверждают, что защищают западные ценности от политического ислама. Оба движения ссылаются на одних и тех же мыслителей. «Политический ислам — это шариат. Это — собрание законов, определяющих и обосновывающих государственные структуры, права женщин, демократическое общество, а это совершенно несовместимо с нашей системой ценностей». Каждый раз, когда Александр Гауланд (партия «Альтернатива для Германии») высказывает такие вещи, он ссылается на одного широко известного деятеля — предводителя иранской революции Хомейни. Разве тот сам не определил курс своим высказыванием: «Ислам либо политичен, либо его нет»?

В своей речи старейшина АдГ рисует мрачную картину расширяющейся религии. Страны, заранее подчинившейся и отказавшейся от себя. Её важнейшие представители всё ещё шокированы Освенцимом и не решаются защищать свои кровные интересы. Этим и пользуются мусульмане, пытаясь захватить страну. Исламисты вроде Эрдогана даже перестали скрывать, что намерены захватить Европу при помощи демократических институций. Когда речь заходит о предполагаемых причинах нарастающей популярности ислама, Гауланд следует тезисам своего любимого писателя Эрнста Юнгера, с которым он и сам частенько лично общался. Юнгер, по словам Гауланда, верно описывает закат, порождающий общество, в котором больше нет «живой духовности».

Свидетели Запада

Будь то мыслители вроде немецкого писателя и фронтовика Юнгера, философ Мартин Хайдеггер или юрист Карл Шмитт — консервативные авторы 1920-1930 годов снова пользуются большой популярностью у новых правых. И не только в Германии. Накануне последних французских выборов на конференции, посвящённой образованию, педагоги, близкие правонациональной кандидатке Марин Ле Пен, предупреждали об «исламизации» в школах и университетах. В качестве средства для выживания Франции они предлагали концепцию элитизма, создания новой меритократии, ориентированной на идеи Алексиса Карреля, умершего в 1944 году французского медика, популяризатора науки и сторонника коллаборационистского режима Виши. Continue reading “Враги понарошку”

Aus: Simone Weil, “Unterdrückung und Freiheit. Politische Schriften”, 1975, Berlin

Ganz allgemein kann man die Welt, in der wir leben, nur dann als gesetzmäßig betrachten, wenn man annimmt, dass jedes Phänomen darin begrenzt ist. Und dies gilt auch für das Phänomen der Macht, wie Plato es erkannt hatte. Will man die Macht als ein verständliches Phänomen ansehen, dann muss man danken, dass sie die Grundlagen, auf denen die beruht, nur bis zu einem gewissen Punkt ausdehnen kann. Danach stößt sie gegen eine unüberwindliche Mauer. Dennoch vermag sie nicht stehen zu bleiben; der Stachel der Rivalität zwingt sie, immer wieder vorzudringen, d.h. über die Grenzen hinaus, innerhalb derer sie effektiv wirken kann. Sie verbreitet sich jenseits dessen, was sie zu kontrollieren vermag; sie befiehlt jenseits dessen, was sie aufzuerlegen mag; sie verschwendet jenseits ihrer eigenen Ressourcen. Das ist der innere Widerspruch, den jedes repressive Regime als tödlichen Keim in sich trägt. Er entsteht durch den Gegensatz zwischen dem notwendig begrenzten Charakter der materiellen Machtgrundlagen und dem notwendig unbegrenzten Charakter des Machtkampfes als einer zwischenmenschlichen Beziehung. … So besiegelte das römische Heer, das zuerst den Reichtum Roms geschaffen hatte, seinen Untergang. So verwüsteten schließlich die mittelalterlichen Ritter, deren Kämpfe zuerst den Bauern eine relative Sicherheit gegen Raubüberfälle gaben, die Landwirtschaft, die sie ernährte. Und auch der Kapitalismus scheint eine Phase solcher Art zu durchqueren. … So bildet allein die Natur der Dinge jene von den Griechen unter dem Namen Nemesis verehrte Gottheit, die Maßlosigkeit bestraft. (S. 190f) Continue reading “Aus: Simone Weil, “Unterdrückung und Freiheit. Politische Schriften”, 1975, Berlin”

Aus: Simone Weil, “Über die Ursachen von Freiheit und gesellschaftlicher Unterdrückung”, Zürich, 2012

(Reflexions sur les causes de la liberte et de l’oppression sociale, 1934)

 

Tatsächlich erklärt Marx ausgezeichnet den Mechanismus kapitalistischer Unterdrückung; er erklärt ihn aber so gut, dass man sich kaum vorstellen kann, wie er aufhören könnte zu funktionieren. S. 12

Die Arbeiterbewegung konnte die Illusion der Macht erwecken, solange sie dazu beitrug, die Reste des Feudalismus zu beseitigen oder die kapitalistische Herrschaft zu errichten, sei es in Form des privaten Kapitalismus oder in der des Staatskapitalismus, wie dies in Russland geschah; jetzt wo sie auf diesem Gebiet ihre Funktion erfüllt hat und von der Krise vor das Problem der wirklichen Machtergreifung durch die Arbeitermassen gestellt wird, zerfällt sie mit einer Schnelligkeit, die alle, die an sie geglaubt hatten, mutlos macht. Auf ihren Trümmern spielen sich endlose Kontroversen ab, die sich nur durch die zweideutigen Formeln befrieden lassen, weil unter all denen, die immer noch von Revolution sprechen, kaum zwei mit diesem Begriff dasselbe verbinden. Revolution ist ein Wort, für das getötet wird, für das gestorben wird, für das die Volksmassen in den Tod geschickt werden, das aber keinen Inhalt hat. S 30f

Ganz allgemein haben die Blinden, die wir heute sind, kaum eine andere Wahl als die zwischen Abenteuern und Kapitulation. S. 38

Der Herr muss den Knecht gerade deshalb das Fürchten lehren, weil er von ihm gefürchtet wird, und umgekehrt; das gilt auch für rivalisierende Mächte. S 43 Continue reading “Aus: Simone Weil, “Über die Ursachen von Freiheit und gesellschaftlicher Unterdrückung”, Zürich, 2012″

Aus: Simone Weil, “Die Verwurzelung. Vorspiel zu einer Erklärung der Pflichten dem Menschen gegenüber”, 2011 Zürich

(Ich hab’s endlich hingekriegt, was ich seit Jahren vorhatte und mich nicht so richtig rangetraut habe: über Simone Weil geschrieben. Es hat sich da so einiges in den Notizen angesammelt, vieles davon habe ich schließlich nicht verwendet. Es ist auch nicht einfach, Weil zu lesen, deswegen haue ich das ganze Geroll raus – vielleicht stolpert jemand darüber und lässt sich doch noch zur Lektüre inspirieren oder hat nach dem Zitat gesucht und weiß nicht mehr, wo es war. Hier, übrigens, waren die Exerpte aus ihrem Fabriktagebuch. Wie auch immer, enjoy! – liberadio)

„Die Pflicht besteht nur zwischen einzelnen Menschen“. (S.8.)

„Diese Pflicht beruht auf keiner Übereinkunft. Denn all Übereinkünfte können nach dem Willen der Vertragspartner geändert werden, während an dieser Pflicht keinerlei Änderung eines menschen Willens auch nur irgendwas ändern könnte. Diese Pflicht ist ewig. Sie entspricht dem ewigen Geschick des Menschen. Nur der Mensch hat ein ewiges Geschick. Die Gemeinwesen haben es nicht. Auch bestehen ihnen gegenüber keine direkten Verpflichtungen, die ewig wären. Einzig und allein ewig ist die Pflicht dem Menschen als solchen gegenüber. Diese Pflicht ist nicht an Bedingungen geknüpft. Wenn sie auf etwas gegründet ist, gehört dieses Etwas nicht unserer Welt an. In unserer Welt ist sie auf nichts gegründet. Dies ist die einzige Pflicht, die sich auf die menschlichen Dinge bezieht, aber keiner Bedingung unterworfen ist“. (S. 9)

„Die französische Arbeiterbewegung, die aus der Revolution hervorging, war im Wesentlichen ein Schrei, nicht der Revolte, sondern des Protests gegen die erbarmungslose Härte des Schicksals aller Unterdrückten. (…) Sie endete 1914; seitdem ist nur noch ein Nachhall geblieben (…) Das konkrete Verzeichnis der Schmerzen der Arbeiter liefert die Liste der Dinge, die geändert werden müssen“. (S. 53) „Nur die JOC (Jeunesse Ouvrière Chrétienne) hat sich mit dem Leid der jungen Arbeiter befasst; dass es diese Organisation gibt, ist vielleicht das einzige sichere Zeichen dafür, dass das Christentum bei uns noch nicht ganz gestorben ist“. (S. 62)

„Auf jeden Fall wäre eine solche soziale Lebensweise weder kapitalistisch noch sozialistisch. Der Proletarierstand würde abgeschafft, anstatt auf alle Menschen ausgedehnt zu werden, wozu der sogenannte Sozialismus tendiert“. (S. 74)

„Er wird keine gesunde Arbeiterbewegung geben, wenn sie nicht über eine Lehre verfügt, die dem Begriff des Vaterlands einen bestimmten Platz zuweist, das heißt einen beschränkten Platz“. (S. 97) Continue reading “Aus: Simone Weil, “Die Verwurzelung. Vorspiel zu einer Erklärung der Pflichten dem Menschen gegenüber”, 2011 Zürich”

Zwei Audiomitschnitte für zwischendurch

Der eine ist etwas älter: April 2016, ein Vortrag über Gustav Landauer und den Geist der Revolution beim Radio Corax aus Halle.

Hier ist der Ankündigungstext: “Es hat in Deutschland in der Zeit seiner größtem Gottferne einen Mann gegeben, der wie kein anderer Mensch dieses Landes und dieser Stunde zur Umkehr aufrief. Um einer kommenden Menschheit willen, die seine Seele schaute und begehrte, stritt er gegen die Unmenschheit, in der er leben musste“, – so schrieb der chassidische Philosoph Martin Buber 1919 über seinen Freund, Publizisten und Volksbeauftragten der Bayerischen Räterepublik Gustav Landauer (1870 – 1919). Dieser gilt als einer der bekanntesten deutschsprachigen Anarchisten. Der Vortrag versucht, nicht nur an den Menschen Landauer zu erinnern, sondern auch sein umfangreiches Werk kritisch zu würdigen. Diese Aufgabe nehmen wir außerdem zum Anlass, das theoretische und praktische Erbe des „klassischen“ (also „Vorkriegs“-) Anarchismus zu reflektieren”.

MP3 hier (59,09 Mb)

Der zweite ist eine ordentlich Portion “Russophobie”, 2018 ebenfalls in Halle gehalten. Der Ankündigungstext dazu beim Grossen Thier: “Die ukrainische Krise 2014 und der darauf folgende Krieg im Osten des Landes scheinen die europäische Linke nicht weniger zu überfordern als z.B. der Krieg in Syrien. Den Krieg in der Ukraine auf die Regiemekrise in Russland von 2011 zurückzuführen, würde einen viel radikaleren Begriff von der Politik erfordern, als linke Freunde des Politikmachens ihn haben könnten. In diesem Krieg würde – je nach dem Maß der Ignoranz linker Betrachter – entweder eine bedrängte antifaschistische Schutzmacht gegen die Vortrupps der NATO und der USA oder zwei gleichwertige Faschismen gegeneinander kämpfen. In Wirklichkeit vielmehr, kämpfen zwei verbrüderte Faschismen Seite an Seite gegen etwas, wovon der europäischen (und nicht nur dieser) Linken anscheinend der Begriff abhanden gekommen ist. (Damit ist nicht gesagt, dass das russische oder ukrainische Regime direkt faschistisch wären). Nicht nur wurden die Marionettenregimes der sog. Volksrepubliken etabliert, damit alles bleibe, wie es ist, auch im Inneren der Ukraine wirken Kräfte, die mehr mit Russland zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheinen kann”.

MP3 hier (110,8 Mb)

Золотые динары и реформизм исламизма

Не то, чтобы мне сильно хотелось пинать и без того дохлых собак, но перебирал давеча старые книги, нашёл эпическую «Освобождение ислама» Гейдара Джемаля (2004, Москва). Перелистал, похихикал и поставил книгу на улице в шкаф бук-кроссинга, с глаз долой. До сих пор не понимаю, как он мог произвести столь сильное впечатление не только на экзальтированых любителей «скрытых истин», но и на российских левых. (Пост-)Традиционалист или «новый правый», как принято говорить в Европе, и сооснователь «Левого фронта»… Но в связи с книгой возникли интересные ассоциации.

У Джемаля есть всё, что на самом деле так любо моему сердцу:

прикрывающийся «благородным антисионизмом» антисемитизм –

«Дело в том, что Израиль никакого отношения не имеет к иудаизму. Это на самом деле продолжение Иерусалимского королевства Болдуина. Что такое Израиль? Говорится, что это евреи. Но на самом деле это вторжение Запада, который вновь, как и в средневековье, влез туда и институционализировал захват Иерусалима. Только раньше это были крестоносцы, теперь же по технческим причинам это нельзя сделать в такой же форме, поэтому были использованы евреи. Но это не евреи, это представители Запада, и Израиль – это представители Запада. Израиль – это Иерусалимское королевство. Это восстановление средневековой западной оккупации. Израиль – это продолжение Рима, это не то, что иудаизм. Иудаизм же там подавлялся: если подлинные иудеи, протестующие против сионизма, выходят на демонстрации, их бьют по головам». С. 60

Теории заговора –

«Следует отдельно отметить так называемый проект Великая Хазария. Сегодня перед Россией стоит реальная угроза политического перерождения, превращения в некую структуру, котоая технологически с некоторых сторон напоминает государство, существовавшее в 6-10 веках на территории России, где, как вы знаете, иудейская элита правила тюркскими массами. Сегодня существует проект создать аналогичное госудасртво, где иудейская элита, замкнув эту империю на себя, будет управлять ею под национал-патриотическими великодержавными лозунгами. Для реализации этого проекта необходимо прежде всего исключить мусульман из политического поля России, физически вывести их за рубежи России». С. 319

Ленинизм (без филантропического марксизма) как истинно верное учение джихадизма – Continue reading “Золотые динары и реформизм исламизма”

Happy omelette day with Erich Mühsam

Was für Bedenken kann man denn noch haben, wenn’s anscheinend genau solche Leute waren, wie wir?

“Die ‘Neue Gemeinschaft’ ließ den sprühenden Glanz ihres Heiligenscheins rasch matt werden. Weihe in Permanenz schafft Narren, Zeloten und Spekulanten. Die Wohnung in der Uhlandstraße diente uns Jungen immerhin in den weihefreien Stunden als Klubraum zur Selbstbeköstigung. Zuerst hatten Gustav Landauer und ich uns die Erlaubnis erwirkt, dort zu kochen. Mir wurde die Erlaubnis dazu allerdings von Landauer bald entzogen, und er, der damals keine Familie hatte, übernahm die Bereitung der Mahlzeiten allein, nachdem ich einmal zur Herstellung von Omeletten alle Milch- und Eiervorräte verrührt hatte, ohne dass die Eierkuchen aufhörten zu zerbröckeln; ich hatte nämlich eine falsche Tüte genommen und statt Mehl Gips erwischt”.

Erich Mühsam, “Unpolitische Erinnerungen”, S. 22, Berlin 2003

ISF: Staatskapitalismus – das Trauma der Revolution

[An dieser stelle dokumentieren wir einen alten Text des ISF aus Freiburg, der in gedruckter Form kaum mehr erhältlich ist. Es schmeißen sich alle z.Z. wie verrückt an das Thema „Oktoberrevolution“ und dieser Text ist ein guter Beitrag dazu. – liberadio]

Initiative Sozialistisches Forum

l.

Was die französische Revolution für das Bürgertum, das ist die russische für die Linke: Ideal und Schreckbild zugleich. Für die einen ist sie der verwirklichte Traum von einer erfolgreichen sozialistischen Eroberung der Macht, für die anderen zeigt sich in ihr der praktisch vollzogene Verlust des Willens zur Emanzipation. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Das revolutionäre Rußland proklamierte gegen diese abstrakten Menschenrechte der Besitzbürger die praktischen Rechte der Produzenten: Land, Brot, Arbeit, Frieden. Und wollte auf diesem Wege die unerfüllt gebliebenen Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft erst noch wirklich einlösen.

Wie jede bloß politische Revolution erlag auch die russische der fatalen Dialektik der Macht. Schon der Jakobinismus war genötigt, die Humanität der Parole von ,Liberté, Egalité, Fraternité’ in den Zynismus von Infanterie, Kavallerie und Artillerie zu übersetzen. Dies nicht aus purer Böswilligkeit: In Politik transformiert und als Staatlichkeit auf den Begriff gebracht, naturalisiert nicht nur das humanistische Ideal von einer natürlich gegebenen Gleichheit den konkreten Menschen zwangsläufig zum bloßen Material und Rohstoff für Herrschaft – jedes abstrakte Ideal ist die Währung für das, was in der Münze konkreter Repression in Umlauf gebracht wird. Und so haben weder die französische, noch die russische Revolution das Individuum befreit: Sie haben die Menschen vielmehr in Staatsbürger umgeformt.

In der auf die modernen ,Großen Revolutionen’ folgenden terroristischen Gleichschaltung offenbart sich die gesellschaftliche Wahrheit jeder Utopie von allgemeiner Gleichheit (egal, ob nun die auf dem Markt, die vor dem Gesetz, oder eine vor der Natur gemeint sein soll): Allgemeine Gleichheit kann immer nur gelten ,ohne Ansehen der Person’. Und wie das Ideal allgemeiner Gleichheit sich nur in Form von Gleich-Schaltung politisch verwirklichen (und staatlich garantieren) läßt, so kann aus der praktischen Realisierung der Forderung nach allgemeinen Freiheitsrechten nicht die Freiheit des einzelnen Menschen resultieren. Schon im Schicksal der Forderung nach Gewerbefreiheit zeigt sich, daß mit ihr nicht das gemeint gewesen sein kann, was sich die Massenbasis der Revolution unter ihr vorstellen mußte: Die Revolution brachte eben nicht die Freiheit vom Zwang zum Gewerbe. Vielmehr ist durch die bürgerlichen Revolutionen hindurch die kapitalistische Warenwirtschaft zum gesellschaftlich organisierten Schicksal geworden. Was als Freiheit vom Gewerbe eingeklagt wurde, erwies sich sehr schnell als der in der Folge der bürgerlichen Revolutionen institutionalisierte Zwang, überhaupt ein Gewerbe, und gleichgültig welches, ausüben zu müssen. Gesellschaftlich dechiffriert liest sich die Erklärung der Menschenrechte als die gewaltsam garantierte Verpflichtung zur kapitalistischen Produktion.

Die Revolution war liquidiert, als die Revolutionäre an die Macht kamen. Wie Robespierre und St. Just in Frankreich, so erging es Lenin und Trotzki in Rußland. Die Revolution gegen den Staat transformierte sich in eine bloße Regierungsübernahme; angetreten, Souveränität zu zerstören, konnten die Bolschewiki sich nur behaupten, indem sie Souveränität intensivierten. Unter dem historischen Zwang, die Einheit der staatlichen Gewalt erhalten, oder aber die eroberte Macht an die Weißen abgeben zu müssen, organisierte die Sowjetmacht nicht die Befreiung von der Arbeit, sondern den Arbeitszwang. Das sozialistische Ideal der gesellschaftlichen Gleichheit aller vor dem naturgegebenen Zwang, sein Leben reproduzieren zu müssen, erwies sich, zur Politik erhoben, als die Naturalisierung des Menschen zum lebendigen Behälter von Arbeitskraft. „Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen“ – die sozialistische Kritik am Lotterleben und Müßiggang, am erpreßten Zinseszinsleben der parasitären Kapitalisten erwies sich im Gefolge der russischen Revolution als Fortsetzung des Kapitalismus mit anderen Mitteln. Continue reading “ISF: Staatskapitalismus – das Trauma der Revolution”