“Es erinnert mich an Februar in Libyen…”

[Wie es aussieht, müssen wir das alte Interview doch noch hierher rüberretten, auf der Seite der FdA ist es verschwunden, der BiKri-Blog wurde von blogsport gelöscht, damit ging auch ein Teil wenn nicht Bewegunggeschichte, dann wenigstens einer Geschichte der Unruhe in Würzburg. Das Interview hat zwar nichts mit Würzburg zu tun, wir haben’s damals eher gemacht, weil schon abzusehen war, dass wir gegen die dummen StudentInnen dieser Stadt verlieren, da zog man sich zurück aufs Philosophenstübchen und befasste sich virtuell mit der weiten Welt. Andererseits ausgerechnet 2011 haben sich an vielen Orten der Welt Dinge aufgemacht, die man auch in der deutschen Provinz nicht mehr hätte ignorieren können. Hier ist ein Stück der neueren Geschichte der Unruhe in Russland. Schließelich um die Zeit warb die Stadt Würzburg für sich mit dem Motto “Provinz auf Weltvineau”. Und da waren wir halt. Unser Dank fürs Aufbewahren geht somit an den Syndikalismus.tk-Blog, vielen Dank Leute! Und ja, fuck KRAS-IAA! – liberadio, Sept. 2023]

 

 

(Einleitung von Syndikalismus.tk) Leider wissen wir viel zu wenig über die anarchistische Bewegung Russlands. Dieses Interview versucht ein wenig Licht in das Dunkel unserer Unwissenheit zu bringen. Das Interview wurde mit jmd. aus der „Anarchistischen Gruppe der Moskauer Region (PGA)“ geführt. Bis zu einem Konflikt in der „Assoziation der Bewegungen der AnarchistInnen (ADA)“ war sie dort Mitglied. Zur PGA, dem Konflikt in der ADA, zur aktuelle ökonomische und politische Situation in Russland, zur Situation in der libertären / anarchistischen Bewegung Russlands, zuraktuelle Lage der Proteste nach den Wahlen, zur Sozialstruktur der Wahl-Protesten in Russland und welche Hilfe aus dem europäischen Ausland von den Bewegungen kommen könnte, gibt das interview ausführliche und tiefe Einblicke. –

„Es erinnert mich an Februar in Libyen…“ Interview mit einem Anarchisten aus Russland

Lass uns damit beginnen, dass du dich selbst kurz vorstellst und über deine Gruppe erzählst.

Hallo erst ein mal. Ich repräsentiere Anarchistische Gruppe aus Moskauer Region (PGA), die, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, seit 2008 existiert. Bis vor kurzem waren wir Mitglied in der Assoziation der Bewegungen der AnarchistInnen (ADA), aber aufgrund von Konflikten waren wir gezwungen, die Mitarbeit in dieser Organisation aufzukündigen (obwohl einige von uns da immer noch sind). Unsere ideologische Zugehörigkeit ist schwer zu beschreiben, ich kann nur eines sicher sagen – dass alle GenossInnen sich selbst als AnhängerInnen des sozialen Anarchismus ansehen, seien es Syndikalisten, Kommunisten oder Individualisten. Wir treten immer für direkte Demokratie und soziale Gerechtigkeit ein und stehen für antiimperialistische Positionen (denn Russland scheint uns ein viel gefährlicheres Imperium als die USA). Die Gruppe leistet seit Jahren agitatorisch-propagandistische Arbeit, gibt Flugblätter und Zeitungen mit geringer Auflage heraus. Insgesamt handeln wir nicht so wie die Mehrheit russischer AnarchistInnen – schlecht besuchten Kundgebungen mit Elementen von Punk-Konzerten haben wir schon immer Treffen mit streikenden Arbeitern oder Einwohnern, die für den Erhalt von Parks und Wäldern kämpfen (ein sehr brisantes Thema in Russland), vorgezogen; Aktionen gegen den Krieg in Tschetschenien, landesweite Kampagnen für Arbeiterrechte (die von Mitgliedern der Konföderation Revolutionärer Anarcho-SyndikalistInnen – IAA z.B. vernachlässigt und in Grund und Boden kritisiert werden). So ungefähr.

Könntest du die aktuelle ökonomische und politische Situation in Russland beschreiben? Anders gesagt, wie sehen die Anarchisten der PGA das heutige Russland?

Naja, es ist ziemlich einfach – wir sind der Meinung, dass wir ein ziemlich offen autoritäres staatskapitalistisches Regime haben. Große Konzerne sind so stark in den Machtapparat eingebunden, dass nicht einmal klar ist, was zuerst da war – entweder hat der Staat sich Anteile in diesen Unternehmen unter die Nägel gerissen, oder haben die Unternehmen eigene Leute in führende Posten gesetzt. Medwedjew z.B. war eine Weile lang in der Führungsebene von „Gasprom“, des mächtigsten Konzerns in Russland. Und fast jeder Direktor eines Industrie- oder landwirtschaftlichen Betriebs oder einer Bildungseinrichtung ist Mitglied der Partei „Einiges Russland“. Sieht der UdSSR ähnlich, die die Planwirtschaft gegen etwas anderes eingetauscht hat (als freien Markt kann man unsere Wirtschaft wohl nicht bezeichnen).

Hinsichtlich der politischen Freiheit ist es im Prinzip genau so schlimm: für das Anbringen von Flugblättern kann man einfach 5 Tage Arrest bekommen, Druckereien sind für das Drucken von politisch heikler Literatur unzugänglich, das Internet wird in Bildungseinrichtungen oder mancherorts sogar in privater Nutzung zensiert. Aber seit Dezember dieses Jahres wackelt die Macht und ist gezwungen worden, sich unter dem Druck von großen Demonstrationen zurück zu ziehen. Außerdem möchte ich anmerken, dass bereits seit 10 Jahren in den südlichen Regionen ein bewaffneter Konflikt entlang der Linie Polizeieinheiten / Partisanen von Kaukasus andauert. Wir neigen nicht dazu, dies für Aktivitäten einer mysteriösen Al-Qaida zu halten, daran ist in erster Linie die brutale und zynische Politik der Machthaber schuld. Was die soziale Lage angeht – damit ein durchschnittlicher russischer Bürger sich z.B. ein modernes Fernsehgerät kaufen kann, muss er 2-3 Monate was vom Lohn zurücklegen, häufiger ein halbes Jahr lang. Um eine Wohnung zu kaufen, muss man entweder Jahrzehnte lang sparen, oder einen Kredit bei einer Bank aufnehmen. Damit will ich keine Statistiken auspacken, sondern am Beispiel zu zeigen, was und wie bei uns passiert.

Wie ist die Situation in der libertären / anarchistischen Bewegung Russlands (oder der ehemaligen UdSSR)?

Lass mich über Russland erzählen. Die Situation ist in der Tat katastrophal. Die Bewegung kann man in vier Tendenzen aufteilen. Continue reading

Много женщин и один бог

В Ливии всё ещё действует шариат

Ханна Веттиг

Воинственные исламитсы, убийства из мести и строгая трактовка шариата — новости из освобождённой Ливии пугают. То, что в Ливии есть воинственные исламисты, просочилось в общественное сознание, самое позднее, с освобождением Триполи. Бывшие бойцы из Афганистана захватили, якобы, ливийскую столицу. Национальный переходный совет ещё до того утвердил шариат как источник права в своём проекте конституции. Для секулярно мыслящих людей это не было добрым сигналом, но не было и причиной для паники. Шариат является в большинстве арабских стран источником права. Конкретная трактовка, однако, сильно различается.

В Ливии трактовка кажется, скорее, регрессивной. Через три дня после смерти Муаммара аль-Каддафи Переходный совет объявил Ливию свободной страной. Презседатель Национального переходного совета, Мустафа Абд аль-Джалиль, заявил перед десятками тысяч человек в Бенгази, что шариат будет фундаментом всех законов, а действующие законы, находящиеся в противоречии с исламом, будут аннулированы. Он высказался за создание новых банков, которые будут соответствовать исламскому праву. Т. е. они не смогут взимать проценты. «Бог бдил над революцией и её победой», заявил он.

Аль-Джалиль уже давно пользуется религиозной риторикой, которой пользуются только исламистские политики региона. Но он не исламист, а был министром правосудия при Каддафи. Али аль-Салаби, один из главных исламистов Ливии, ещё в сентябре поставил притязания аль-Джалиля на лидерство под вопрос и упрекнул его и других видных мирских политиков из Переходного совета в коррупции. Continue reading

Лики бунта

С глобальным кризисом учащаются восстания и бунты: но что за этим скрывается?

Торстен Беверниц

Когда актуальный кризисный цикл достиг своего пика в 2007 / 2008-м году, эмансипаторные силы дивились отсутствию протестов. И только те, кто занимался экономическими процессами, с ожиданием смотрели на Китай и Индию. И в самом деле: число забастовок в Китае стремительно росло. Актуального пика волна стачек достигла летом 2010-го. Менее ожидаемым было большое количество бунтов в Магребе и в арабских странах. СМИ проявили себя вне-историческими и объяснили эти, якобы, спонтанные восстания возросшим влиянием Facebook, Twitter, Skype и Ко, а не предыдущими конфликтами и социальными условиями. С протестами в Греции, Испании и Португалии закончилась и эта неопределённость: связь между Программами Приспособления Структур (SAPs) Международного Валютного Фонда (МВФ), Европейского Центрального Банка (ЕЦБ) и Евросоюза и протестами стала слишком очевидной.

Война как средство от кризиса

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Анархизм и политика ressentiment´a

СОЛ НЬЮМЭН

(Anarchism and the Politics of Ressentiment by Saul Newman)

«Говоря на ухо психологам, в случае если им будет охота изучить однажды ressentiment с близкого расстояния, – это растение процветает нынче лучшим образом среди анархистов и антисемитов, как, впрочем, оно и цвело всегда, в укромном месте, подобно фиалке, хотя и с другим запахом» (Ф.Ницше, К генеалогии морали. Полемическое сочинение).

1. Изо всех политических движений девятнадцатого столетия, на которые клевещет Ницше – от социализма до либерализма – он оставляет самые ядовитые слова для анархистов. Он называет их «анархистскими псами», которые бродят по улицам европейской культуры, портретом «морали стадных животных», который характеризует современную демократическую политику. Ницше видит анархизм отравленным в самом корне чумным семенем ressentiment – злобная политика слабых и ничтожных, мораль рабов. Высказывает ли Ницше здесь просто своё консервативное отвращение к радикальной политике, или он диагностицирует реальную болезнь, которая идейно заразила нашу радикальную политику? Несмотря на очевидные предрассудки Ницше относительно радикальной политики, это эссе отнесётся серьёзно к его обвинениям в сторону анархизма. Оно исследует эту хитрую логику ressentiment относительно радикальной политики и анархизма, в частности. Оно попытается сорвать маски со скрытых производных ressentiment в манихейской политике у классических анархистов вроде Бакунина, Кропоткина и Прудона. Это не делается с целью отказаться от анархизма как от политической теории. Напротив, можно утверждать, что анархизм стал бы более актуальным в современной политической борьбе, если бы был предупреждён о логике ressentiment в своём собственном дискурсе, в частности в эссенциалистских идентичностях и структурах, которые он содержит.

Рабская мораль и ressentiment

2. Ressentiment диагностицирован Ницше как состояние нашей современности. Чтобы понять ressentiment, как бы то ни было, нужно понять отношения между моралью хозяев и моралью рабов, из которых и возник ressentiment. Труд Ницше «Генеалогия морали» – это исследование о происхождении моральности. Для Ницше тот способ, которым мы интерпретируем и привносим ценности в мир обладает историей – его происхождение зачастую связанно с жестокостью и далеко от ценностей, которые оно производит. Ценность «добра», к примеру, была изобретена аристократами и высокопоставленными людьми, чтобы льстить себе, в отличие от обычных, низкопоставленных людей и плебеев. Это было чертой хозяев – «хороший», и противопоставлялась ей черта рабов – «плохой». Так что, согласно Ницше, в этом пафосе дистанции между высоко-рождёнными и низко-рождёнными, в этом абсолютном чувстве превосходства и были рождены ценности.

Как бы то ни было, уравнение хорошего и аристократического стало подтачиваться бунтом рабов в ценностях. Это рабское восстание, согласно Ницше, началось у евреев, которые учинили переоценку ценностей:

3. «Именно евреи рискнули с ужасающей последовательностью вывернуть наизнанку аристократическое уравнение ценности (хороший = знатный = могущественный = прекрасный = счастливый = боговозлюбленный) – и вцепились в это зубами бездонной ненависти (ненависти бессилия), именно: “только одни отверженные являются хорошими; только бедные, бессильные, незнатные являются хорошими; только страждущие, терпящие лишения, больные, уродливые суть единственно благочестивые, единственно набожные, им только и принадлежит блаженство, – вы же, знатные и могущественные, вы, на веки вечные злые, жестокие, похотливые, ненасытные, безбожные, и вы до скончания времен будете злосчастными, проклятыми и осужденными!”» (Ф.Ницше, К генеалогии морали. Полемическое сочинение) Continue reading

Buchrezension: Begegnungen feindlicher Brüder

«Begegnungen feindlicher Brüder. Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung»

Philippe Kellermann (Hg.)

Unrast Verlag, 2011, ISBN 978-3-89771-505-9, 14 Euro

Seitdem es eben diese „feindlichen Brüder“ gibt, wurde praktisch permanent etwas zu ihrem komplizierten Verhältnis untereinander geschrieben. Beide Seiten produzierten fleißig Schmähschriften, etwas weniger fleißig waren leider diejenigen, die sich ernsthaft darum bemühten, zwischen den scheinbar unversöhnlichen Positionen zu vermitteln, damit sie sich wenn nicht in einer Synthese vereinen, dann wenigstens gegenseitig bereichern. Solche Schriften sind auch unterschiedlich ausgefallen, manche waren zwar gut gemeint, blieben aber eher oberflächlich, andere – und du solchen zähle ich das von Phillippe Kellermann herausgegebene Buch – versuchen tiefer zu bohren. Es wäre natürlich nur ein Anfang, oder eher die Fortsetzung der Debatte, denn es ist schier unmöglich, alle Aspekte und Einzelheiten des Streits zwischen Marxismus und Anarchismus in einem dünnen Buch zu beleuchten. Wie vielfältig die Aspekte sein können – davon zeugen die im Buch versammelten Aufsätze. So kommen z.B. Wolfgang Eckhard und Karl Reiter in ihren Beiträgen zum selben Thema, zum Konflikt zwischen Marx und Bakunin bezüglich der Staatlichkeit, zu diametral entgegengesetzten Schlüssen. Antje Schrupp schafft aber im darauf folgenden Beitrag diese Konfliktlinien zu relativieren, indem sie andere aufmacht – nämlich wie widersprüchlich die Frage nach der Emanzipation der Frau in der Ersten Internationale diskutiert wurde. Kellermanns Auseinandersetzung mit Sorel, sich vermeintlich auf Marx, in der Tat aber auf den irrationalistischen Philosophen Henri Bergson beziehenden Syndikalisten, macht richtig Lust sich Sorels Ideen, die sich eher für Rechte als für Linke als nützlich erwiesen haben, näher anzuschauen. Dasselbe gilt auch für Jens Kastners Aufsatz über Antonio Gramsci, dabei sei angemerkt, dass die Auseinandersetzung noch vor Jahren begonnen wurde (siehe GWR 293, 2004), und in ihrer aktuellen Form (logischerweise) viel mehr Sinn macht.

Auch ein angespanntes Verhältnis zwischen der rätekommunistischen Strömung und Anarchismus kommt an mehreren Stellen zur Sprache, was hoffentlich viele LeserInnen animieren wird, weiter in die Richtung nachzuforschen. Trotz des positiven Bezugs Robert Foltins auf die neuere Sozialdemokratie, die in erster Linie durch Hardt und Negri gehypet wird, was m.E. einfach eine falsche Alternative ist, ist wegen seiner schonungslosen, aber solidarischen Kritik an anarchistischer Begriffslosigkeit gerade was den Erzfeind des Anarchismus, den Staat angeht, interessant. Zu dieser Begriffslosigkeit hat sowohl der berühmt-berüchtigte Umstand beigetragen, dass die Geschichte die abstrakte Staatskritik „klassischer“ AnarchistInnen bestätigte und ihre Aktualisierung oft vernachlässigt wurde, als auch die explizite Weigerung vieler AnarchistInnen, sich mit der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie zu befassen, ohne die das Erfassen der modernen Staatlichkeit kaum möglich sein wird.

Hoffen wir also, dass die Erkenntnis für beide Seiten des Konflikts (der keiner sein sollte) wichtiger ist, als das Verharren in historisch längst überholten Identitäten und zahnlosen jugendlichen Subkulturen. Hoffen wir auch, dass diese durchaus gelungene Aufsatzsammlung zur Erkenntnis beiträgt.

Ndejra

[erschienen in der Oktober-Ausgabe von Gai Dao, der Zeitung der FdA]

«Den Krieg wollen nur die Politiker»

Pjotr Rausch

[Ein etwas älterer Text eines russischen Anarchisten zum Tschetschenischen Krieg, der vielleicht an manchen Stellen etwas skurill scheinen mag – es wird ja schließlich u.A. Partei für “islamistische Terroristen” ergriefen, ansonsten aber sehr interessante Gedanken zur Staatlichkeit und zum Krieg enthält.]

Das ist beinahe eine der Hauptlosungen der endlich beginnenden Antikriegskampagne. Und sie scheint nicht gut gewählt zu sein. Eigentlich ist es ein Problem bei fast allen Losungen. Wenn mensch im Wort „noch“ („ещё“ – A.d.Ü.) fünf Fehler machen kann, so wundert mensch sich, wenn sich nicht deutlich mehr Fehler in sechs Wörtern finden. Was ist das aber, was uns als Fehler scheint?

Auf den ersten Fehler haben wir bereits hingewiesen – wenn jemand kapiert hat, dass die Kriegsproblematik ihn oder sie betrifft, wäre es nicht schlecht, wenn er oder sie auch kapieren würde, dass das ein politisches Problem ist. Nehmen Sie an einer Aktion, die eine bestimmte Einstellung gegenüber dem Krieg demonstriert, oder unmittelbar an kriegerischen Auseinandersetzungen teil, mischen Sie sich in politische Ereignisse ein. Ihre aktive und bewusste Teilnahme bedeutet, dass Sie einE PolitikerIn sind. Die Losung aber, um das Wort im negativen Kontext zu benutzen, zielt darauf ab, dass es angeblich eine Kaste geben soll, die sich mit solchen Fragen professionell beschäftigt und gleichzeitig vollkommen pervertierte Interessen hat, die fatalerweise mit den Interessen der Mehrheit nicht übereinstimmen. Das heißt dann, dass die große Mehrheit der Bevölkerung aus apolitischen humanistischen Pazifisten besteht, die aus absolut unerklärlichen Gründen einer Clique blutrünstiger Kannibale erlauben, etwas mit sich zu machen, was den Menschen gar nicht gefällt. Leider ist es in Wahrheit noch wesentlich schlimmer. Continue reading

Russland: Land unter Füssen

(Dieser mittlerweile ein Jahr alte Text ist ein Kommentar des russischen anarchistischen Autors Herbert Maridze, der sich mit der Reaktion des russischen Premiers Vladimir Putin auf die Brände, der gegenwärtigen Lage in Rußland und mit der Kampagne der Behörden gegen AntifaschistInnen und UmweltschützerInnen befaßt. Wurde hier nur “umformatiert” und etwas leserlicher gemacht.)

Ja, da haben wir es – Rußlands wichtigstes Nachrichtenthema ist der Wetterbericht. Darauf haben wir lange warten müssen, und wir werden es überleben. Wären wir religiöser, würde ich jetzt sicher darauf hinweisen, daß diese mittägliche Dunkelheit in Moskau und das Zähneknirschen uns zeigen soll, was den Tyrannen und ihren Helfershelfern noch bevorsteht. Oder wenigstens bevorstehen sollte… Es ist nämlich so, daß die – jedenfalls die Klügsten und Gefährlichsten von denen – genau wissen, was sie zu erwarten haben. Sie haben bereits eine Ahnung, was es heißt, wenn das Land plötzlich anfängt zu brennen – in großer Tiefe, wo keine Macht hinreicht. Das ist so doll metaphysisch, Alter, da steigst du in jedes Flugzeug, nicht nur eins zur Feuerbekämpfung. Laß sich doch das ganze Internet über dich lustig machen, laß doch ruhig alle wütend werden, das öffentliche Gewissen wird das Image eines Mannes genau registrieren, der sich nicht hinter den Rücken von Robocops versteckt, falls die Nieten in Ryazan mal wieder alles vermasseln, sondern der das gottverdammte Land zur Not auch noch selbst wässert und sich daran selbst aufgeilt – aber so, daß auch nicht das leiseste Rauchwölkchen zu bemerken ist. Also gibts nur Wasser und Sumpf. Also gibts nicht mal Gras, sondern nur die Kameras von CCTV.

In was für einer Gesellschaft leben wir denn? Einige werden sicher die Gesellschaft des Spektakels erwähnen, wenn sie in die Glotze schauen, einige werden es plötzlich eine Konsumgesellschaft nennen. Aber hier ein typisches Beispiel. Zwischen den Hauptstädten einiger Länder wird eine mautpflichtige Autobahn gebaut. Aufgrund direkter Anordnungen des Premierministers wurde eine der wenigen verbliebenen Waldflächen der Hauptstadt für diese Autobahn geopfert. Es kommt zu andauernden merkwürdigen Angriffen auf die VerteidigerInnen dieses Waldstücks, die innerhalb der Legalität agieren – und die Polizei ist offenbar absolut unfähig, diese aufzuklären. Eine ausländische Firma hat den Bau übernommen, aber die Baustelle wrd von ultra-rechten Fußballfans bewacht. Alle diese Zutaten mischen sich willig zu einer Mahlzeit mit ganz einfachem Geschmack – große Firmen, repressive Staatsorgane und marginale faschistische Gruppen verbinden sich ganz natürlich zur Unterstützung von Spitzenbeamten und in Opposition gegen AnwohnerInnen und UmweltschützerInnen. Continue reading

Шанс для Ближнего Востока

Томас фон дер Остен-Закен в Jungle World Nr. 35, 01. 09.2011

Всё началось в начале февраля в нечёткого видео: там были несколько людей, протестовавших в Мисрате против слишком высоких цен на жильё. Несколько дней спустя была провозглашена «ливийская революция». Тогда никто не хотел воспринимать это всерьёз. Кто знал хоть что-то о Ливии, кроме того, что там больше 40 лет парвит Муаммар аль-Каддафи? Затем, к изумлению большинства арабов действительно началось восстание против «брата-предводителя», и впервые за десятилетия Ливия находилась в центре мировой общественности. Ливийские повстанцы создали при этом не только свою собственную эстетику где-то между «Mad Max» и испанской гражданской войной, сопровождаемую революционным рэпом, но им удался и трюк, которым они поставили как НАТО, так и Арабскую Лигу на свою сторону.

Шесть месяцев спустя Баб Завия, штаб клана Каддафи, пал, Триполи — большей частью под контролем оппозиции. Фотографии, однако, напоминают менее массовые демонстрации в Тунисе и Египте, чем падение Багдада. По разрушенным и сожжённым в боях улицам жители стремились теперь как к дворцам и виллам правящей клики, так и к пыточным камерам центрального здания тайной полиции. Ливийский Абу Граиб называется Абу Салим, резиденции семьи Каддафи в их безвкусной помпе были похожи на дворцы семейства Саддама Хуссейна.

Однозначно судьба этого типа особенно жестокого и страдающего манией величия арабского диктатора была решена, когда первая телекамера снимала невероятно дорогой китч, дурное искусство и позолоченные ванны в жилищах правящего клана, а затем ужас и нищету казнимых и пытаемых в непосредственно близких зданиях тайной полиции. Continue reading

Interview mit einem bulgarischen Anarchisten

Solange Gai Dao ein weiteres Presseorgan der Bewegungslinken, die nicht mehr so ganz genau weiß, warum und wie sie sich eigentlich bewegt, spielt, verweist liberadio das dankbare Publikum auf ein interessantes Interview mit einem bulgarischen Genossen. Da kann mensch so einiges finden zum Zustand des Anarchismus in Bulgarien und Anarchismus im allgemeinen, hauptsache mensch stellt sich die richtigen Fragen. Und liberadio tut das nicht ohne Grund (soweit dieser Blog hier eh so was wie ein Selbstprofilierungsprojekt ist und hier keine größeren Texte einfach so erscheinen).

Also, die erste Quelle: Post-Post-Prä-Post-BiKri,

und der Crosspost auf Syndikalismus.tk.

 

Zum wohl!  ;)

Беспокойство в Гольфклубе

Оливер М. Пиха

Это были всего лишь несколько сотен людей, которые устроили однажды в пятницу в середине июля демонстрацию в Аммане, столице королевства Иордания, по крайней мере, официально. И к тому же ещё и двумя группами: с одной стороны – движение за реформы, с другой стороны – приверженцы правительства. Официально было лишь дюжина раненых, и хотя среди них было подозрительно много журналистов, но по меркам «Арабской весны» и пред лицом продолжающейся бойни в Сирии иорданские уличные столкновения, как бы ни выглядел их результат, были довольно сдержанным протестом.

Правительство Саудовсской Аравии в Эр-Рияде всё же обеспокоилось. Оно опасается при каждом сообщении о беспорядках в арабских столицах приближения своего краха. Все, что отдалённо напоминает изменения, может быть только угрозой. Continue reading