Von falscher Dekonstruktion und postmoderner Unvernunft

Einige Anmerkungen zu „Postmoderne-Veganismus-Anarchismus“ von Bernd-Udo Rinas. In der April-Ausgabe der GaiDao erschienen.

Nordsächsischer Bund der Satano-Kommunist*innen / Leipzig

David Alfaro Siqueiros, Our present image, 1947

Dieser Beitrag ist keine direkte Antwort auf die Vortragsankündigung von Bernd-Udo Rinas, die in der 6. Sonderausgabe der GaiDao „Zeit für Plan A“ abgedruckt wurde. Es macht nicht viel Sinn auf eine Ankündigung zu antworten. Sagen wir mal, dieser Beitrag wurde dadurch „inspiriert“. So weit wir wissen, fand der Vortrag „Postmoderne-Veganismus-Anarchismus“ und die Diskussion um seine Thesen in Witten während der Kampagne der AFRR nicht statt, dennoch ist es möglich sich mit ihnen auseinander zu setzen: so weit wir beurteilen können, lassen sich die Thesen, etwas ausführlicher dargestellt, im Buch „Anarchismus in der Postmoderne“ (2005) finden. Der Autor wünschte sich eine „anarchistische“ Auseinandersetzung mit dem Begriff Postmoderne und mit der veganen Lebensweise. Diese sollte unserer Meinung nach tatsächlich stattfinden, die hoffentlich weiter führen wird als die, die 2009 in der Graswurzelrevolution unter dem Titel „Anti-Speziezismus? Schmeckt mir nicht!“ stattfand. (1) Denn zum Einen bringt der Autor die drei oben genannten Begriffe (2) zusammen auf eine Weise, und stellt dazu Thesen auf, die uns höchst umstritten scheinen. Zum Anderen scheint es uns sehr besorgniserregend, dass solche Beiträge in der Gai Dao unkommentiert oder unwidersprochen erscheinen und sich die postmoderne Konfusion in der anarchistischen Szene breitmacht. (3)

Wir vernahmen allerdings kritische Stimmen, die mit den von Rinas aufgestellten Thesen nicht zufrieden waren. Den meisten ging es jedoch um die Verknüpfung von Anarchismus und Veganismus, die von Rinas als unabdingbar dargestellt wird: „Mensch muss Veganer_in geworden sein, um wirklich anarchistisch zu sein!“ (4) Die Behauptung scheint uns sogar berechtigt, diskutabel wäre sie auf jeden Fall. Problematischer finden wir einerseits die postmoderne (postmodernistische?) Fundierung des Veganismus und andererseits seine wiederum postmodern fundierte Verbindung mit edm Anarchismus. Doch – der Reihe nach.

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Einführendes zur Grossman-Roschtschins Kritik an Kropotkin

[Wir wurden gebeten, eine Art Erklärung zu dieser Kritik an Kropotkin zu schreiben, denn sie sei ohne Weiteres nicht zu verstehen. Was wohl stimmt. Hiermit ist’s geschehen und in der Februarausgabe der GaiDao erschienen. – liberadio]

Es wohl werden einige erklärenden Worte nötig sein, um die Gorssman-Roschtschins Kritik an P. A. Kropotkins Begründung des Anarchismus einzuordnen. Es scheint mir nicht besonders sinnvoll, darauf eine „Antwort“ oder eine „Entgegnung“ zu schreiben. Es macht keinen Sinn, gegen einen längst Verstorbenen zu polemisieren. Jedoch eine eine Erklärung oder Deutung dieses durchaus interessanten Dokuments scheint mir angebracht.

Es handelt sich nämlich um eine Art kritische Würdigung von Kropotkins Werk, obwohl es dem Autor deutlich daran liegt, eine scharfe Kritik an Kropotkins umstrittener „patriotischer“ Wende im 1. Weltkrieg zu formulieren und sie eben aus dessen Theorie abzuleiten. Continue reading “Einführendes zur Grossman-Roschtschins Kritik an Kropotkin”

Anarchismus und die nationale Frage

Herbert Maridze

[Wir dokumentieren weiterhin Bemerkenswertes aus den Diskussionen, die mensch in der anarchistischen Bewegung Russlands führte, besonders weil es wieder mal mit Tschetschenien zu tun hat. Viel klüger wird mensch daraus nicht und, zugegeben, es könnte einem/r angesichts der Tatsache gruseln, wie viel Verständnis die ansonsten sehr individualistisch geprägte ADA für die «Völker» aufbringen konnte. Desweiteren erinnern wir gerne an ähnliche Beiträge: «Anarchismus in Russland nach dem Zerfall der Sojewtunion», «Russland: Land unter Füßen» und «Den Krieg wollen nur Politiker» – liberadio]

Während der gesamten Menschheitsgeschichte ging die Existenz des Staates mit der Unterdrückung nicht nur des eigenen Volkes, sondern auch anderer Völker einher und gründete öfters darauf auf. Kein Wunder also, dass sozial-revolutionäre Bewegungen von den Ideen nationaler Befreiung nicht zu trennen sind. Das 20. Jahrhundert war in diesem Sinne keine Ausnahme. Es genügt, an die nicht zu widerlegende Tatsache zu erinnern, dass der Zusammenbruch der Zarenherrschaft in Russland und der Zerfall der UdSSR von einer Reihe von Aufständen gegen nationale Unterjochung begleitet waren. Es ist gut möglich, dass das Regime der Russländischen Föderation (RF) nach ähnlichem Muster vonstatten geht. Die Frage der Befreiung der versklavten Völker ist traditionell eine Überlebensfrage für den russischen Staat und von daher von besonderer Aktualität für russische AnarchistInnen.

Es scheint, die nationale Frage als theoretisches Problem würde sich der anarchistischen Bewegung nicht stellen. Anarchismus ist gemäß der Definition eine international(istisch)e Lehre. Immer mit den Unterdrückten gegen die UnterdrückerInnen! – mit diesem Ausruf von Makhno legte der Anarchismus seine Position zum Problem der Nationalitäten fest, sobald es zum Objekt theoretischer Überlegungen wurde. Umso aktueller stellt sich die Frage der praktischen Anwendung der internationalistischen Prinzipien in der alltäglicher Politik.

AnarchistInnen stehen nach wie vor an der vordersten Front im Kampf gegen Faschismus und Nationalismus. Es vergeht kaum eine Woche ohne neue Nachrichten über Auseinandersetzungen mit Nazis, Verteidigung von Versammlungen und Konzerten, Graffiti-Attacken. Ob mensch solche Arbeit braucht, ist eine rhetorische Frage. Sie ist unabdingbar! JedeR AnarchistIn soll nach Kräften im Straßenkampf gegen Neonazismus und mit allen Mitteln seine/ihre GenossInnen unterstützen, die diesen Kampf führen. Ist solcher Kampf ausreichend? Nein! Wenn wir nicht zu einem militanten Flügel irgendeiner liberalen oder kommunistischen Partei werden wollen, müssen wir unsere eigene nationale Politik betreiben, die auf anarchistischen Prinzipien basiert. Aber es genügt ein Blick, um zu sehen, wie langsam sich die anarchistische Bewegung an den „nationalen Rändern“ entwickelt; dass bis jetzt fast keine Arbeit mit Minderheiten organisiert wurde; und schließlich, dass die Einstellung vieler AnarchistInnen zum Krieg im Kaukasus sich gänzlich auf Antimilitarismus beschränkt. Da sieht mensch, dass die nationale Frage nicht nur nicht gelöst ist, sondern von der modernen anarchistischen Bewegung nicht ein mal gestellt wurde. Continue reading “Anarchismus und die nationale Frage”

Макс Штирнер и материализм

Очерк по истории идей освобождения

Йорг Финкенбергер

Марксистское течение преподносит свои идеи, среди которых, помимо нескольких верных, есть и много неправильных, в систематически упорядоченной форме, и поэтому обладает неким, пусть и неверным, сознанием своей истории. Анархистские течения зачастую не имеют такой разработанной системы; но у них есть история, а она постоянно и роковым образом скрещивалась и переплеталась с историей марксизма, т.к. они вместе с ним возникают из общей истории новейшего времени, начинающегося в 1789-м — а там, конкретней, во время до 1848-го года.

1.

Лишь вместе с Французской революцией развивается принцип современного общества и его государства. Все предыдущие общества строились согласно некоторому количеству совершенно определённых принципов: отдельные власти с соответствующими ограниченными правами владения вещами и людьми, сословное или сегментированное общество с соответственно разграниченными правовыми сферами. О государстве тут говорить можно столь же мало, как и об обществе. Крестьяне одной деревни, возможно, составляют друг с другом или с крестьянами того же властителя одно общество; но и в деревнях есть слуги, бесправные жители, а с другой стороны — свободные крестьяне и землевладельцы, находящиеся в совершенно разных правовых положениях. Правовое же положение крестьян, в свою очередь, зависит от земельного права их представительств при дворе, а на них ориентируются услуги, которые крестьяне должны оказывать различным хозяевам. О равенстве нет и речи, равно как и о какой-либо неограниченной власти — пусть даже государства, ни о собственности в современном смысле.

Эти отношения сходны, более или менее, по всему миру и пронизывают всю структуру общества. Так, ремесленники одной гильдии, в лучшем случае, составляют друг с другом своё общество, но не с клерикалами, которые, в свою очередь, принадлежат обособленному обществу. На самом верху находятся короли, чьи права так же ограниченны, как и у всех прочих. Вся конструкция статична, не являясь стабильной, и существует примерно с тех пор, как существуют земледелие и скотоводство. После 1789-го года она рушится, не будучи способной к какому-либо серьёзному сопротивлению. Современное государство как суверен и собственность со свободой заключения договоров губят этот мир тем, что бросают его элементы в раскручивающийся водоворот капиталистических производственных отношений. С тех пор они в снятом виде существуют в капиталистическом обществе в форме рэкета, своячества, кастового общества, а также в продолжении первой формы власти — в неравенстве полов.

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Иоганн Мост: Марксизм

(Der Marxismus.  Опубликовано впервые в Freiheit, 1902/03 г. Продолжаем обкиыдвать калом классическое рабочее дивжение и его специфический марксизм. Мост, кстати, и сам был частью этого движения, поэтому если каловые массы и попадают в цель, то лишь случайно. И дабы не забылось, да и в тему: Эрих Мюзам, “Революционная мораль”– liberadio)

Подобно тому как иудей поклоняется Талмуду, христианин Библии и магометанин Корану, так, для самых современных социал-теологов (первоначально возникших под названием социал-демократии, позднее — разнесённый и по другим странам подвид рабоче-двигательных растений) «Капитал» Маркса считается фундаментальным и угловым камнем всяческой разнопланово-великолепной, неопровержимой, пирамидальной, доселе неведомой и непревзойдённой мировой мудрости. Кроме того, они веруют в некоторый род катехизиса, собственно, в выпущенный Марксом и Энгельсом в 1847-ом году «Коммунистический манифест». Конечно, читали они, в большинстве случаев, лишь последнее, ибо «Капитал» более-менее понятен лишь для тех, кто достиг чина кардинала (депутатского мандата), в то время как остальные рассматривают его как книгу за семью печатями, и если они действительно её купили, то они нарушают её покой в библиотеке лишь, когда они показывают её с учёными минами каким-нибудь посетителям.
Этот «Манифест» был и во время, когда он появился, разумеется, весьма доступной агитационной брошюрой — сегодня он абсолютно устарел и промахивается в виду произошедших социальных и политических изменений мимо кассы. Тем не менее, он как и прежде рассматривается и указывается как божественное «Откровение». Прежде всего, социал-демократические отцы церкви и странствующие проповедники (капеланы агитации) считают его, как минимум, истинным порождением высшей оригинальности. Если бы они признали, что за горами тоже живут люди, либо что по ту сторону партийных стен тоже производится достойное чтиво, и могли бы они заставить себя читать и такие книги и журналы, которые не были произведены не в их литературных монастырях, то у них нехило открылись бы глаза при чтении книги Черкезова, которая недавно вышла под заглавием «Pages of Socialist History»*, т.к. они смогли бы выяснить из неё, что этот хвалёный манифест — не более, чем плагиат. Continue reading “Иоганн Мост: Марксизм”

Zur Kritik der Grundlagen der Lehre P. A. Kropotkins

Jehuda Solomonowitsch Grossman-Roschtschin

[In der Kropotkin-Kritik von Grossman-Roschtschin (1883-1934) spürt mensch deutlich die theoretische Position, die Grossman ab 1921-22 eingenommen hat. Vor allem das ganze Gerede vom Weltproletariat, das unter wissenschaftlicher Anleitung der Partei alles richtig macht… In der ersten Russischen Revolution stand er noch auf anarchistischen Positionen, machte bei Gruppen „Brot und Freiheit“ in Genf und „Der schwarze Banner“ in Kiew mit. Später wendete er sich dem revolutionären Syndikalismus zu, 1919 kämpfte er auf der Seite der Makhno-Armee. Nach seiner Wendung zum Bolschewismus arbeitete er bei RAPP (Russländische Assoziation proletarischer Schriftsteller) und verfasste mehrere Bücher über die sog. proletarische Literatur und Kunst im Allgemeinen. – liberadio]

Kropotkin wurde zu seiner Zeit viel diskutiert, aber wenig studiert. Die russischsprachige Literatur über Kropotkin ist äußerst dürftig. Natürlich kann man auf die Wiedergabe der Theorie bei Elzbacher verweisen, oder bei Zoccoli, aber diese Wiedergabe ist eher ein photographisches Abbild als ein Portrait; dieses fleißige Zitieren hat nichts zu tun mit dem tiefen Begreifen und selbständigen Durcharbeiten des Kropotkinismus. Einmal hat Herr Dioneo fleißig, obschon sehr fade, auf den Seiten des „Russkoje Bogatstwo“ über das Buch „Gegenseitige Hilfe“ referiert. G. Karejew hat auch das wahrlich großartige, die Aufmerksamkeit der ganzen sozialistischen Welt genießende Buch „Die französische Revolution“ wiedergegeben und teilweise kritisiert (nicht ganz gelungen, wie er selbst später zugab). Der Soziologe De Roberty schrieb einen kleinen Essay über Kropotkin, zudem hat auch Basarow in seiner Broschüre nebenher einige Anmerkungen zur naturwissenschaftlichen Methode gemacht. Und das ist alles. Ich lasse die neulich im Verlag „Golos truda“ erschienene Aufsatzsammlung „P. A. Kropotkin“ unter der Redaktion von Genossen Borowoj und Lebedjew beiseite. Diese Aufsatzsammlung bringt etwas Wesentliches in die Literatur über Kropotkin.

Ich persönlich musste relativ viel über Kropotkin schreiben.

Merkwürdig: Ich war nie ein Kropotkin-Anhänger, habe den Kropotkinismus in Vorträgen und Referaten bekämpft; aber über Kropotkin schreiben musste ich eher dogmatisch – ich fühlte, dass man erst ein tieferes Verständnis und Urteil über das System liefern sollte, bevor man zur fruchtbaren Kritik übergehen könnte. Nur in meinen Artikeln, die dem Kampf gegen pro-imperialistische Positionen Kropotkins während des imperialistischen Krieges gewidmet sind, kritisiere ich Kropotkin, wo ich die Selbstwidersprüche Kropotkins offenlege. (Interessierte verweise ich auf die Broschüre „Eine Charakterisierung des Werks von P. A. Kropotkin“, „Gedanken über Kropotkins Werk“ in der bereits erwähnten Aufsatzsammlung im Verlag „Golos truda“, „Rede am Grab Kropotkins“ ebenda und „Die Zweideutigkeit der Position Kropotkins in „Zhisn’ dlja wsech“ 1918).

Betrachten wir die Hauptvoraussetzungen der Lehre von Pjotr Aleksejewitsch Kropotkin. Continue reading “Zur Kritik der Grundlagen der Lehre P. A. Kropotkins”

Как возникают народы

Индивид и общность в анархистской теории 20-го столетия
Магнус Клауэ

В то время, когда христианско-демократическая канцлерша самостоятельно обязывает себя на государственный социализм, десятки тысяч, большей частью понимающих себя как левых, демонстрантов под лозунгами «Мы не платим за ваш кризис» призывают к охоте на (финансовую) саранчу, а народное большинство, агрессивно как никогда, тоскует по тёплому чувству коллективных лишений, тогда, наконец-то, можно было бы подумать, и настало время анархизма — будь то из-за его скептицизма относительно любого рода государственной благотворительности, будь то из-за его отрицания социалистического трудового фетишизма или его воззвания к наслаждению собой и удовольствию. Но о ренессансе анархизма, ни как жизненной практики, ни как теории, не может быть и речи. Юрген Мюмкен, участник проходившего недавно в Берлине конгресса «Анархизм в 21-м столетии», хотя и высказался в интервью для Jungle World (15/09) об «анархизме как идее в состоянии кризиса» критически по отношению к обобщающей критике государства в анархизме («Если властные отношения преодолеваются, исчезает и государство, но если преодолевается государство, то властные отношения ещё не исчезают полностью»), но не мог назвать в виде примеров анархистской практики что-то, кроме протестов против транспортировки атомных отходов или пожелания, «изменить условия таким образом, чтобы человек мог жить в свободном обществе».

Но не агитируют ли те же самые люди, которые прежде всего перевели бы всё частое хозяйствование в государственную собственность, под лозунгом «гражданского общества» во имя «человека», против государства? Не участвуют ли уже давно политики про-государственных партий в экологически корректных блокадах железнодорожных путей? И не стало ли, благодаря «дигитальной богеме», проживание в коммуналках или в витринах уже давно образом жизни радостных нестандартно занятых людей свободных профессий? Может быть, все мы — беспомощные анархисты? В последующем будет, неизбежно схематично и фрагментарно, сформулировано предположение, что закат анархизма в 20-м столетии совпал с победным маршем его обманчивого двойника, появление которого было заложено ещё в большинстве ранних анархистских теорий, но который обретает себя лишь в беспонятийном безумии постструктурализма, наиболее аутентично проявляющегося в языковых и мыслительных формах «Тысячи плато» Делёза и Гваттари. Если противоречивость ранней анархистской теории объясняется её оборонческой, беспомощной против условий позицией, то успех её постмодернистского двойника объясняется тем фактом, что беспомощность и дезинтеграция давно уже перестали быть маргинальным, и стали всеобщим опытом. В эпоху постмодерна беспомощность переходит в наступление и становится потенциально убийственной, в то время как анархизм, вопреки своим лучшим способностям, угрожает упразднить сам себя.

«Государство» и «народы»

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Igor Olinewitsch: Die Korporation Belarus

 [Übersetzung aus dem Russischen: Ndejra. Vorwort d. Ü.: Da sich gerade eine Gruppe zusammenfindet, die sich mit der Übersetzung des Buches „Ich fahre nach Magadan“ von Igor Olinewitsch beschäftigen wird, sind alle, die mitwirken wollen, herzlich eingeladen, sich bei innerself(at)subvertising(punkt)org zu melden.]

magadan-coverBelarus ist ein Familienunternehmen mit Jahreseinkommen von einigen zehn Milliarden Dollar (zum Vergleich: der jährliche Gewinn von Intel – 15 Mrd., von Apple – 45 Mrd. US-Dollar). An der Spitze steht der Direktorenrat, bestehend aus Minister*innen und Ausschussvorsitzenden im Ministerrat. Das sind keine Eigentümer*innen, das sind nur die Top-Manager*innen. Jede*r von ihnen kann morgen wieder niemand werden. Der echte Eigentümer ist nur einer – die Familie. Der mittleren Etage des korporativen Managements (die Etage der Projektmanager) gehören ca. 1.000 Menschen an. Das sind Menschen, in deren Händen immerhin eine bestimmte Macht liegt. Die unterste Etage – das ausführende Personal, d.h. diejenigen, die die Politik der Korporation vor Ort umsetzen – das ist die eigentliche politische Klasse des Landes.

Der Apparat soll die zwei wichtigsten Aufgaben der Korporation erledigen:

  1. inventarisieren, kontrollieren, Abgaben vom gesamten Wirtschaftsleben im Lande eintreiben;

  2. für Sicherheit der Korporation und gesellschaftliche Unterdrückung sorgen.

Die ertragsreichsten Branchen der Korporation sind Verarbeitung und Weiterverkauf russischen Öls und von Ölprodukten, kaliumhaltigen Düngers, Produkte des Maschinenbaus und der Fleisch- und Milchwirtschaft, Produkte der Chemieindustrie. 80% alles Eigentums gehört dem Staat, 20% dem privaten Sektor. Der private Business ist effektiver als die Staatsunternehmen, aber die Familie hindert sein Wachstum mit allen Mitteln. Erstens, aus dem Staatseigentum ist einfacher zu klauen. Die größten Stücke kriegt direkt die Familie. Zweitens, der Apparat der Korporation hat seine Interessen. Außer der korporativen Ermäßigungen und Privilegien möchte das administrative Personal im Gegenzug für seine Loyalität ein Teil des Profits bekommen. Gebrauch wird vom legalen und illegalen Raub, Schmierereien, Unteraufträgen, Seilschaften usw. gemacht. Die Familie muss das in Kauf nehmen. Drittens, obschon Privatisierung blitzschnelle Profite verspricht, führt sie zum Anwachsen des Bürgertums, d.h. privater Rechtspersonen und individueller Unternehmer*innen. Die Gefahr liegt darin, dass die Bourgeoisie (ihrem Wesen nach) mit niemand teilen und deswegen notwendigerweise den Joch der Familienkorporation abstreifen will. Wenn sie zahlreich ist, über Möglichkeiten, über Willen und Mittel verfügt, versucht die Bourgeoisie sich mit liberalen politischen Bewegungen und/oder einem Teil des Apparats zu verbandeln. Das Ziel ist – die Familie zu stürzen und ein kollegiales Regierungssystem für den Apparat, sprich das Parlament, zu installieren. Den privaten Sektor abschaffen, kann die Familie nicht, denn der Kommerz ist ihr Arbeitstier, mit dem Löcher in der Wirtschaftsbilanz gestopft werden. Continue reading “Igor Olinewitsch: Die Korporation Belarus”

Ещё (не)много Р. Рокера

Не уверен, но кажется, что это если не последние его статьи, то из последних, ревизионистских. В довесок к «Открытым текстом» – «Революционная мифология и революционная действительность» (часть раз, часть два) и «Опасности революции» (часть раз, часть два и часть три). Висит на сайте nihilist.li, за что и благодарствуем. Короче, enjoy!

Вообще, было бы интересно посмотреть, как старую революционную гвардию от анархистов перекосоёбило после Второй мировой войны. Об этом, может быть, позже. ;)

Kommunismus für Negerkinder

Im ansonsten recht lustig-polemischen Aufsatz „Staat und Kommunismus“ (1899) von Johann Most geht es um die „Nationalisierung“ aller wirtschaftlichen Einrichtungen der Gesellschaft. Most argumentiert natürlich, dass so was unmöglich zum freiheitlichen Kommunismus führen kann. Nur findet sich im Aufsatz eine interessante Floskel:

Der Staat würde auf solche Art zu einem Riesenpolypen gemacht, welcher seine Saugrüssel gewissermaßen an den Adern aller sitzen hätte und dessen Fangarme eines jeden Hals umschlängen. Ein solches Verhältnis Kommunismus nennen zu wollen, dazu gehört wahrlich die Naivität eines Negerkindes.

So ist es also? Warum denn auch nicht eines „Frauenzimmers“? LMAO