Simone Weil: „…ein wenig Wärme auf dem Metall“

aus «Fabriktagebuch und andere Schriften zum Industriesystem» von Simone Weil, edition suhrkamp, FfM, 1978

Simone Weil (3.2.1909 – 24.8.1943) war französische Philosophin, Syndikalistin, die 1935/36 sich “unters Volk” gemischt hat, in den spanischen Bürgerkrieg gezogen ist, während des 2. Weltkrieges für die französische Exil-Regierung gearbeitet hat. Dem breiten Publikum ist sie aber eher als christliche Mystikerin bekannt, was nicht für das breite Publikum spricht. – Anm. liberadio

(S. 25f) Offen gesagt, dieses Leben ist für mich ziemlich schwer. Um so mehr, als die Kopfschmerzen nicht die Freundlichkeit hatten, mich zu verlassen, um das Experiment zu erleichtern – und an Maschinen mit Kopfschmerzen zu arbeiten, ist qualvoll. Nur Samstagnachmittag und Sonntag atme ich auf, finde ich mich selbst wieder, erwerbe ich von neuem die Fähigkeit, in meinem Geist Ideenstücke zu bewegen. Die schmerzliche Versuchung, der man in einem solchen Leben sich widersetzen muss, ist vor allem die, nicht mehr zu denken. Man fühlt, dass es das einzige Mittel ist, nicht mehr zu leiden. Zunächst nicht mehr moralisch zu leiden. Denn diese Situation löscht automatisch Revoltegefühle aus: seine Arbeit mit Ärger tun hieße, sie schlecht auszuführen und sich zum Hungertod zu verurteilen; und außer Arbeit gibt es niemanden, den man beschuldigen könnte. Chefs gegenüber kann man sich nicht erlauben, dreist zu sein, und überdies geben sie dazu häufig nicht einmal Anlass. So bleibt vor dem eigenen Los kein anderes Gefühl als Trauer. Man ist versucht, ganz einfach aus dem Bewusstsein alles zu verbannen, was nicht zum vulgären und täglichen Kleinkram gehört. Außerhalb der Arbeitsstunden auch physisch in einen Halbschlaf zu versinken, ist eine große Verlockung. Für die Arbeiter, denen es gelingt, Kultur zu erwerben, empfinde ich eminente Achtung. Oft sind sie stark, das ist richtig. Immerhin müssen sie eine Menge auf dem Kasten haben. So wird es mit dem Voranschreiten der Rationalisierung immer seltener. Ich frage mich, ob man dies auch bei den Angelernten findet.

Trotz allem halte ich aus. Und ich bedauere keine Minute, mich in dieses Experiment gestürzt zu haben. Ganz im Gegenteil, ich bin unendlich glücklich, wenn ich daran denke. Aber, komisch genug, ich denke nur selten daran. Ich habe eine fast unbegrenzte Anpassungsfähigkeit, die mir zu vergessen erlaubt, dass ich eine in der Arbeiterklasse herumreisende Studienrätin bin, so dass ich mein jetziges Leben führen kann, als wäre ich seit je dafür bestimmt (und in einem gewissen Sinn trifft das sogar zu), als müsste es immer dauern, als wäre es mir durch eine unmenschliche Notwendigkeit auferlegt und nicht durch meinen freien Entschluss. Continue reading “Simone Weil: „…ein wenig Wärme auf dem Metall“”

Судьбоносный шелест эмансипации

Феликс Клопотек

Спор между марксистами и анархистами — с точки зрения истории идей самое роковое, далеко выходившее за границы своего непосредственного контекста событие в рабочем движении 19-го столетия — существенно ослабел. Нет, более того, он полностью прекратился.

Вместе с (анти-академическим) ренессансом Критической теории в 90-е годы люди всё более и более занимались субверсивными эстетическими стратегиями, которые постоянно предполагали осознающего свою потенциальную автономию индивида, в марксизме началось восхищение одиночками, диссидентами и уклонистами. Анархистское подозрение, что в каком бы то ни было независимом марксизме сохраняется остаток тоталитарной мысли, т.к. он упрямо исходит от класса, а не от индивида, сегодня кажется необоснованным.

Напротив, ни одного марксиста больше нельзя спровоцировать намеренной простотой анархистских теорий. Лёгкость, с которой анархисты отказывались от специфической критики демократии или конституции, чтобы напрямую воззвать к генеральному наступлению на все виды авторитаризма; их нежелание признавать исторические стадии развития и их желание вместо этого тут же заняться революцией; отказ принимать во внимание Марксову критику стоимости, которая показывает как в процессе производства эксплуатация происходит в форме свободы, т.к. для анархистов принуждение — это принуждение, не важно, нарушает ли оно закон стоимости или совместимо с ним — всё это больше не провоцирует ни одного марксиста. Это было провокацией только тогда, когда марксисты и анархисты боролись друг с другом и пытались повлиять на рабочее движение. Эти времена прошли. «Желание разыграть Маркса против Бакунина доказывает лишь, что критик ещё действует ниже уровня условий, которые ему хотелось бы преодолеть. Упорствование в Бакунине как в альтернативе ‘авторитарному социализму’ — этап революционной романтики», подытоживает утихание этого спора Йоахим Брун в своих «Тезисах об отношении анархистской и марксистской критики государства». (1)

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