Vorläufiges und Verspätetes zur Ukraine

Oft hört man Somali-Vergleiche. Ich bin der Meinung, Somali wird das nicht, aber sehr wohl Jugoslawien. Ist das in der Ost-Ukraine noch eine groß angelegte polizeiliche Aktion oder ist es schon Krieg? Damals wollte man auch nicht glauben, dass ein multiethnischer Staat sich mitten in Europa jahrelang hätte zerfleischen können, nur damit es am Ende allen Beteiligten wirtschaftlich noch schlechter ginge. Wie Andrej Nikoloaidis in The Guardian schrieb: “The people in Bosnia were so full of optimism during the first days, even months, of war. Neighbours were saying that the west would never allow it to happen because ‘we are Europe’. My aunt went to Belgrade, but refused to take her money from a Sarajevo bank. It will be over in a week; we’ll be back soon, she said. President Izetbegovic, in his TV address to the people, said: ‘Sleep peacefully: there will be no war.’ Well, we woke up after a four-year nightmare“. (28)

So unlogisch das klingt, die Situation für soziale Kämpfe in der Ukraine ist so günstig wie nur selten. Nur wer vergreift sich an der schwächelnden Heimat in ihren schweren Stunden? Andersrum: wer trägt den Krieg nach Russland zurück? Es ist momentan niemand in Sicht, der dazu auch nur willig wäre. Der „Friedensmarsch“ am 15. März in Moskau mit etwa 40-50 Tausend Menschen mag vielleicht ein Zeichen sein, dass die Opposition am Bolotnaja Platz (der Name steht inzwischen für den „russischen Maidan“) immer noch sehr präsent ist und trotz Repression nicht aufgegeben hat. Aber es heißt auch nicht mehr als das.

via Das grosse Thier

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