{"id":603,"date":"2011-10-03T18:31:55","date_gmt":"2011-10-03T16:31:55","guid":{"rendered":"http:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=603"},"modified":"2023-01-22T15:39:50","modified_gmt":"2023-01-22T14:39:50","slug":"603","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=603","title":{"rendered":"Buchrezension: Begegnungen feindlicher Br\u00fcder"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?attachment_id=2786\" rel=\"attachment wp-att-2786\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2786\" src=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/10\/OIP_brueder-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/10\/OIP_brueder-207x300.jpg 207w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/10\/OIP_brueder.jpg 474w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\"><strong><span lang=\"ru-RU\">\u00ab<\/span>Begegnungen feindlicher Br\u00fcder. Zum Verh\u00e4ltnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung<span lang=\"ru-RU\">\u00bb<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\"><strong>Philippe Kellermann (Hg.)<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\"><strong>Unrast Verlag, 2011, ISBN 978-3-89771-505-9, 14 Euro<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\">Seitdem es eben diese \u201efeindlichen Br\u00fcder\u201c gibt, wurde praktisch permanent etwas zu ihrem komplizierten Verh\u00e4ltnis untereinander geschrieben. Beide Seiten produzierten flei\u00dfig Schm\u00e4hschriften, etwas weniger flei\u00dfig waren leider diejenigen, die sich ernsthaft darum bem\u00fchten, zwischen den scheinbar unvers\u00f6hnlichen Positionen zu vermitteln, damit sie sich wenn nicht in einer Synthese vereinen, dann wenigstens gegenseitig bereichern. Solche Schriften sind auch unterschiedlich ausgefallen, manche waren zwar gut gemeint, blieben aber eher oberfl\u00e4chlich, andere \u2013 und du solchen z\u00e4hle ich das von Phillippe Kellermann herausgegebene Buch \u2013 versuchen tiefer zu bohren. Es w\u00e4re nat\u00fcrlich nur ein Anfang, oder eher die Fortsetzung der Debatte, denn es ist schier unm\u00f6glich, alle Aspekte und Einzelheiten des Streits zwischen Marxismus und Anarchismus in einem d\u00fcnnen Buch zu beleuchten. Wie vielf\u00e4ltig die Aspekte sein k\u00f6nnen \u2013 davon zeugen die im Buch versammelten Aufs\u00e4tze. So kommen z.B. Wolfgang Eckhard und Karl Reiter in ihren Beitr\u00e4gen zum selben Thema, zum Konflikt zwischen Marx und Bakunin bez\u00fcglich der Staatlichkeit, zu diametral entgegengesetzten Schl\u00fcssen. Antje Schrupp schafft aber im darauf folgenden Beitrag diese Konfliktlinien zu relativieren, indem sie andere aufmacht \u2013 n\u00e4mlich wie widerspr\u00fcchlich die Frage nach der Emanzipation der Frau in der Ersten Internationale diskutiert wurde. Kellermanns Auseinandersetzung mit Sorel, sich vermeintlich auf Marx, in der Tat aber auf den irrationalistischen Philosophen Henri Bergson beziehenden Syndikalisten, macht richtig Lust sich Sorels Ideen, die sich eher f\u00fcr Rechte als f\u00fcr Linke als n\u00fctzlich erwiesen haben, n\u00e4her anzuschauen. Dasselbe gilt auch f\u00fcr Jens Kastners Aufsatz \u00fcber Antonio Gramsci, dabei sei angemerkt, dass die Auseinandersetzung noch vor Jahren begonnen wurde (siehe GWR 293, 2004), und in ihrer aktuellen Form (logischerweise) viel mehr Sinn macht.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\">Auch ein angespanntes Verh\u00e4ltnis zwischen der r\u00e4tekommunistischen Str\u00f6mung und Anarchismus kommt an mehreren Stellen zur Sprache, was hoffentlich viele LeserInnen animieren wird, weiter in die Richtung nachzuforschen. Trotz des positiven Bezugs Robert Foltins auf die neuere Sozialdemokratie, die in erster Linie durch Hardt und Negri gehypet wird, was m.E. einfach eine falsche Alternative ist, ist wegen seiner schonungslosen, aber solidarischen Kritik an anarchistischer Begriffslosigkeit gerade was den Erzfeind des Anarchismus, den Staat angeht, interessant. Zu dieser Begriffslosigkeit hat sowohl der ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Umstand beigetragen, dass die Geschichte die abstrakte Staatskritik \u201eklassischer\u201c AnarchistInnen best\u00e4tigte und ihre Aktualisierung oft vernachl\u00e4ssigt wurde, als auch die explizite Weigerung vieler AnarchistInnen, sich mit der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie zu befassen, ohne die das Erfassen der modernen Staatlichkeit kaum m\u00f6glich sein wird.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\">Hoffen wir also, dass die Erkenntnis f\u00fcr beide Seiten des Konflikts (der keiner sein sollte) wichtiger ist, als das Verharren in historisch l\u00e4ngst \u00fcberholten Identit\u00e4ten und zahnlosen jugendlichen Subkulturen. Hoffen wir auch, dass diese durchaus gelungene Aufsatzsammlung zur Erkenntnis beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\">Ndejra<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;text-align: justify\"><em>[erschienen in der Oktober-Ausgabe von <a href=\"http:\/\/gaidao.blogsport.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gai Dao<\/a>, der Zeitung der FdA] <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abBegegnungen feindlicher Br\u00fcder. Zum Verh\u00e4ltnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung\u00bb Philippe Kellermann (Hg.) 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