{"id":232,"date":"2011-01-23T18:23:49","date_gmt":"2011-01-23T17:23:49","guid":{"rendered":"http:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=232"},"modified":"2018-09-08T00:57:04","modified_gmt":"2018-09-07T22:57:04","slug":"das-schlachten-beenden-und-den-bock-zum-gartner-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=232","title":{"rendered":"Das Schlachten beenden! Und den Bock zum G\u00e4rtner machen?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?attachment_id=1850\" rel=\"attachment wp-att-1850\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1850 size-medium\" src=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/01\/schlachten-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/01\/schlachten-193x300.jpg 193w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/01\/schlachten-768x1196.jpg 768w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/01\/schlachten-658x1024.jpg 658w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2011\/01\/schlachten.jpg 898w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a><em>Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, feministische, pazifistische und linkssozialistische Traditionen<\/em><\/p>\n<p><em>Verlag Graswurzelrevolution, 2010<\/em><\/p>\n<p><em>192 Seiten, 14,90 Euro<\/em><\/p>\n<p><em>ISBN 978-3-939045-13-7<\/em><\/p>\n<p>Der anarcho-pazifistische Verlag hat uns 2010 ein seltsames Buch vorgelegt. Der Zweck der Publikation war es, anzudeuten, dass Diskussionen und K\u00e4mpfe f\u00fcr das w\u00fcrdevolle Dasein der Tiere nicht die Sache der b\u00fcrgerlichen gutbetuchten Mittelschichten gewesen sind, und das auch nicht erst seit Peter Singer. Es ist in der Tat m\u00f6glich, zu zeigen, dass politisch praktizierte vegane oder vegetarische Lebensweise durchaus in der k\u00e4mpferischen proletarischen Tradition ihre Wurzel hat, dass sie dort seit jeher mitgedacht und praktiziert wurde. Es mag sogar gar nicht so falsch sein, dass die im Buch abgedruckten historischen Texte alle vor dem 2. Weltkrieg und vor der Shoa (ein Liebligsvergleich der militanten VeganerInnen f\u00fcr industrielle Massentierhaltung) geschrieben wurden, das Buch ist ja immerhin als \u201ehistorische Spurensuche\u201c gemeint. Insofern ist es vollkommen OK, Widerspr\u00fcche einer \u00e4u\u00dferst widerspr\u00fcchlichen Bewegung zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Ob Renate Brucker sich etwas anderes vorgestellt hat, schwer zu sagen \u2013 sie stellt sich aber in der Einf\u00fchrung auf die Seite der Argumentation f\u00fcr die Tierrechte. Anscheinend waren die Tierrechte Programm dieser Aufsatzsammlung. Gemeint ist somit nicht so sehr ein allgemein anerkanntes &#8220;Naturrecht&#8221;, sondern letzten Endes auch in irgendeiner Form im positiven Recht verankerte Feststellung, dass das Tier eben das Recht auf sein Leben und darauf, vor Grausamkeit gesch\u00fctzt zu werden, unmittelbar erh\u00e4lt, weil es ein Tier ist.<\/p>\n<p>Inhaltlich bietet das Buch spannende und weniger spannende Beitr\u00e4ge zum Thema, von diversen AutorInnen aus dem Umfeld der GWR kommentiert. So appelliert z.B. der inbr\u00fcnstige Christ Leo Tolstoj an das Mitgef\u00fchl der Menschen mit geschundenen Tieren, der menschlichen Seele, sprich der seelischen Integrit\u00e4t wegen. Der anschlie\u00dfende Exkurs \u00fcber die Sekte der Duchoborzen mag theoretisch mit dem Thema nicht viel zu tun zu haben, kann aber ein Beispiel f\u00fcr ein gro\u00dfes Kollektiv geben, das sein Leben nach gewaltfreien und kommunistischen Prinzipien gestaltete. (Au\u00dferdem bin ich pers\u00f6nlich von solch religi\u00f6sen feurigen Wahn immer wieder fasziniert, lese also gerne solche Sachen). Eben so verf\u00e4hrt auch einer der anarcho-kommunistischen \u201eKlassiker\u201c &#8211; Elisee Reclus. Er bittet die Menschen, die Welt etwas sch\u00f6ner und (jetzt Achtung!) menschlicher zu gestalten, indem sie auf Tierausbeutung verzichten. Dasselbe k\u00f6nnte mensch auch von Magnus Schwantjes Perspektive sagen: Er zeigt Parallelen zwischen Tier- und Menschenmord auf, die beide doch auf das Eine hinauslaufen \u2013 auf die furchtbare Verrohung und Unbewohnbarkeit der Welt. Der einzige Beitrag im Buch, der eindeutig eine Pro-Tierrechte-Position einnimmt, ist der von der holl\u00e4ndischen Juristin und Feministin Clara Wichmann. Die einzige vertretene hier Juristin nimmt es auch ernst und pl\u00e4diert daf\u00fcr, den Tieren mittels Gesetz und Staatsgewalt das Recht auf Unversehrtheit und Eigentum anzuerkennen. So weit so gut, aber sp\u00e4testens dann, wenn die Rede von \u201e\u00f6konomisch vom Menschen abh\u00e4ngigen Tieren\u201c ist, oder dann, wenn Wichmann fordert, die entlaufenen oder nicht registrierten Hunde nur nach einem Gerichtsprozess zu t\u00f6ten, merkt mensch, dass das wohl eine verkehrte Perspektive ist. Ja, au\u00dfer Anmerkungen am Rande, dass Frauen, Kinder und Tiere in der patriarchalen Gesellschaft unterdr\u00fcckt werden, ist von der angek\u00fcndigten feministischen Tradition nicht viel zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Der wirklich interessante Artikel wurde bis zum Ende aufgehoben, als ob es Absicht war. Willi Eichler vom Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) polemisiert gegen einen Opponenten, der gegen die vegetarische Lebensweise argumentiert, f\u00fchrt aber das einzig fassbare, weil radikal subjektivistische, Argument: ausgebeutete Proletarier haben ein prinzipielles Problem mit der Ausbeutung, verzichten also auf die Ausbeutung der Tiere. Den Tieren sieht mensch n\u00e4mlich an, dass es auch nicht gerade genie\u00dfen, ausgebeutet zu werden. Den Pflanzen eben nicht. Deswegen: Vegetarismus. Ein wenig merkw\u00fcrdig, dass gerade von einem Vertreter linkssozialistischer Organisation mit autorit\u00e4ren Tendenzen, die sp\u00e4ter zum Teil in der SPD aufgegangen ist, eine so sch\u00f6n formulierte Polemik mit Bezug auf Kant (der philosophische Gegner der Tierrechte) kommt, aber sei es so. Wenn die im Buch zu Wort kommenden anarchistischen Herren ihre gutmenschlichen Positionen nur mit eigenen Erfahrungen, aber nicht philosophisch belegen k\u00f6nnen, ist es sehr wohl ein Problem. Aber es reicht, um zu zeigen, dass die Vers\u00f6hnung zwischen Mensch und Natur vom Menschen ausgehen soll. Was nicht geht &#8211; dem Staat immer mehr in der Rechtsform verschl\u00fcsselte Aspekte des Lebens auszuliefern, und auf ihn dann als auf einen P\u00e4dagogen zu vertrauen, der uns mit seinem Gewaltapparat die Grausamkeit schon austreiben wird. (Und &#8211; mit Verlaub &#8211; so verh\u00e4lt es sich auch mit Menschenrechten). Den Bock zum G\u00e4rtner machen, war das etwa die \u201eanarchistische\u201c Idee hinter dem Buch, die dank der einzelnen Beitr\u00e4ge doch nicht aufgegangen ist? Sch\u00f6n, dass es nicht geklappt hat und daraus ist ein wunderbar widerspr\u00fcchliches Buch geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, feministische, pazifistische und linkssozialistische Traditionen Verlag Graswurzelrevolution, 2010 192 Seiten, 14,90 Euro ISBN 978-3-939045-13-7 Der anarcho-pazifistische Verlag hat uns 2010 ein seltsames Buch vorgelegt. 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