{"id":1761,"date":"2018-07-29T16:37:29","date_gmt":"2018-07-29T14:37:29","guid":{"rendered":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1761"},"modified":"2018-07-31T09:17:08","modified_gmt":"2018-07-31T07:17:08","slug":"am-ende-muss-die-liebe-obsiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1761","title":{"rendered":"Am Ende muss die Liebe obsiegen"},"content":{"rendered":"<p>Es muss ein Staatsakt sein \u2013 nicht minder als die Milit\u00e4rparade am Roten Platz am 9. Mai in Moskau. Es ist ein Staatsakt, davon h\u00e4ngt einiges auf dem internationalen Parkett ab, auch wenn die Angelegenheit rein symbolischer Natur zu sein scheint. Das orthodoxe Christentum ist wegen seiner Symphonie-Lehre und aus byzantinischer Tradition regionaler Verwaltung stark mit den jeweiligen Staatlichkeiten und nationalen Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchlen verwoben. So weit, so gut. Oder schlecht, whatever. Nun, zerfallen die Staaten, m\u00fcssen \u2013 rein theoretisch zumindest \u2013 sich auch die Kirchen verwaltungstechnisch trennen.<\/p>\n<p>Das 1030. Jubil\u00e4um der Christianisierung von Rus\u2018 ist daher sowohl in der Ukraine als auch in der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration, wie gesagt, ein Staatsakt, dem eine ganz pragmatische Bedeutung zukommt. Obwohl es f\u00fcr die Ukraine erst mal bedeuten w\u00fcrde, dass eine offen staatsfeindliche Infrastruktur wie die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats aus dem Land verschwindet, ist es f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten Petro Poroschnko der letzte Strohhalm, mit dem er seine Haut retten kann, nachdem er die demokratischen Hoffnungen von 2014er Maidan so kolossal entt\u00e4uscht hat. F\u00fcr Russland wird es indes brenzlig: wird die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats autokephal, schafft sie ein Teil der OUK-MP und der jetzigen Ukrainischen Autokephalen Kirche (kanonisch nicht anerkannt) zu integrieren, wird sie zur gr\u00f6\u00dften orthodoxen Nationalkirche. Eine schwerwiegende Kr\u00e4nkung f\u00fcr die konservative M\u00f6chte-gern-Weltmacht, <a href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/434501-russian-orthodox-christian-church\/\">die \u201eletzte Bastion des wahrhaftigen christlichen Glaubens\u201c<\/a>! Die <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/vor-wm-eroeffnung-russland-erhoeht-rentenalter-und-steuern\/22687636.html?ticket=ST-1278086-u1kDfiKIHPHaO1iAxY11-ap1\">Anhebung des Rentenalters<\/a>, vorm Erreichen dessen die Mehrheit der arbeitenden Bev\u00f6lkerung eh abkratzen wird, <a href=\"https:\/\/meduza.io\/en\/feature\/2018\/07\/20\/video-leaks-showing-russian-prison-guards-torturing-an-inmate-in-yaroslavl\">systematische Folter<\/a> in russischen Gef\u00e4ngnissen, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/russlands-aids-epidemie-ist-ausser-kontrolle-ld.1322720\">AIDS-Epidemie<\/a> \u2013 alles muss verblassen vor dem Glanz der Herrschaft!<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/hooktube.com\/watch?v=S2Upre0IYmc\">https:\/\/hooktube.com\/watch?v=S2Upre0IYmc<\/a><\/strong><\/p>\n<p>(Die g\u00f6ttliche Lithurgie in Moskau)<\/p>\n<p>Der \u201eErste unter den Gleichen\u201c, der \u00d6kumenische Patriarch von Konstantinopel <a href=\"https:\/\/www.unian.info\/politics\/10205103-ecumenical-patriarch-bartholomew-will-not-leave-his-ukrainian-sons-unprotected-and-abandoned-representative.html\">Bartholom\u00e4us stellt sich auf die Seite der Ukraine<\/a>; der <a href=\"https:\/\/orthodoxie.com\/en\/the-pope-and-patriarch-theodore-ii-of-alexandria-arrived-in-moscow\/\">Vorsteher der Alexandrinischen Kirche (\u00c4gypten) Theodor II.<\/a> feiert mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill in Moskau und bezeichnet RussInnen und UkrainerInnen als ein Volk. Wer wird gewinnen? Ist es uns nicht bums? W\u00e4hrend wir M\u00fctterchen Russland vom ganzen Herzen eine weitere Dem\u00fctigung w\u00fcnschen, ist uns bewusst, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche aus dem gleichen Holz geschnitten ist, und hoffen, dass diese reaktion\u00e4re, mysogine, nationalistisch-staatstragende pseudo-christliche Buffonade zusammenkracht. Dann m\u00fcssen sich auch <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/russia-connections-to-the-alt-right-2016-11?r=US&amp;IR=T\">Richard Spencer<\/a> und <a href=\"https:\/\/alexandermarkovics.at\/2017\/09\/20\/orthodoxie-die-religion-der-deutschen\/\">Patrick Poppel<\/a> vom Suworow-Institut nach anderen Sponsoren umschauen. Wer wei\u00df, vielleicht doch <a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1725\">der Suffi-Islam der Kadyria-Schule<\/a>, hmmm?<\/p>\n<p>Wie auch immer, am Ende muss die Liebe obsiegen. Denn \u201edas orthodoxe Christentum ist Bartliebe\u201c, wie Alexander Dugin sagt. Da k\u00f6nnen sich M\u00e4nner wundersch\u00f6ne Komplimente machen, ohne sich gleich schwul vorzukommen. Und das ist das Wichtigste. Die Liebe.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/hooktube.com\/watch?v=nhtu4fjoFpw\">https:\/\/hooktube.com\/watch?v=nhtu4fjoFpw<\/a><\/strong><\/p>\n<p>(Dugin \u00fcber die Bartliebe)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p>\u201eDer Vers\u00f6hnungsgedanke hat etwas, was man von einem theologischen Begriff am wenigsten erwarten mag: die ins Kosmische projizierte Struktur erf\u00fcllter menschlicher Vernunft. Vern\u00fcnftig denken hei\u00dft Begriffe, Urteile, Schl\u00fcsse stimmig, ohne jeden Schnitzer an- und ineinander f\u00fcgen. Die Vermeidung des Widerspruchs ist das Grundgesetz des Intellekts und gilt nicht nur nach innen, sondern auch nach au\u00dfen: f\u00fcr sein Verh\u00e4ltnis zur physischen Welt. (\u2026) Die \u00dcbereinstimmung von Begriff und Sache ist nie die volle, aber der \u201aTrieb\u2018 der Vernunft, ihre innere Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit, die sie zur Vermeidung des Widerspruchs antreibt, w\u00e4re erst befriedigt bei voller \u00dcbereinstimmung mit der Gesamtheit der Welt, in der sie sich befindet. Trieb zur Vermeidung des Widerspruchs hei\u00dft weitaus mehr als Drang zu korrekten logischen Operationen, n\u00e4mlich Sehsucht nach Heilung des \u201aRisses\u2018, der tats\u00e4chlich in der Welt ist, seit es Geist gibt und macht, dass seine abstrakten Schemata mit den konkreten Dingen nicht zur Deckung gelangen, dass er mit den physischen Trieben, denen er aufsitzt, nicht in Einklang kommt und mit dem Organismus, dem er einwohnt, nicht zur integralen, unzerst\u00f6rbaren Einheit verschmilzt, weshalb Verfall, Krankheit, Tod, Erfahrungen sind, mit denen er nicht aufh\u00f6ren kann zu hadern, und wenn er sich tausendmal sagt, sie seien \u201aganz nat\u00fcrlich\u2018.<\/p>\n<p>Dieses Hadern aber verr\u00e4t, dass in ihm selbst das Verlangen nach Abschaffung von Elend und Tod steckt. Er dr\u00fcckt gedanklich aus, was das \u201aSeufzen der Kreatur\u2018 enbegrifflich und doch unmissverst\u00e4ndlich sagt: Es will aufh\u00f6ren. \u201aWeh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit\u2018, und dies Verlangen, in Logik \u00fcbersetzt, hei\u00dft: Jeglicher Widerspruch soll aufh\u00f6ren. In den seltenen Augenblicken der Lust, der selbstvergessenen Hingabe an eine Person, Sache, Vorstellung blitzt etwas von jener Vers\u00f6hnung von Geist und Natur auf, die auf Dauer gestellt, das w\u00e4re, was Theologie ewige Seligkeit nennt.<\/p>\n<p>Zur Selbstaufkl\u00e4rung des menschlichen Geistes geh\u00f6rt die Entdeckung, dass ihm selbst ein unheilbarer theologischer Hang innewohnt: Er kann das Verlangen nach Vers\u00f6hnung ignorieren, aber er wird es nicht los. Noch in seinen einfachsten logischen Verrichtungen geht es um. Er kann nicht anders als ergr\u00fcnden, erkl\u00e4ren, interpretieren, d.h. in die Vielfalt Einheit, ins Disparate Zusammenhang, Ordnung, Sinn bringen. Sein Tun will, dass die Welt <i>heil<\/i> ist. (\u2026)<\/p>\n<p>Die Idee der Vers\u00f6hnung ist eine Art Bethlehemsstern der Vernunft. Sie l\u00e4sst sich nicht ergreifen, aber sie sagt, wo es hingehen soll und ist auf dem Weg dahin von einer Orientierungskraft, die sich vor allem da bemerkbar macht, wo sie zu leuchten aufh\u00f6rt. Dort n\u00e4mlich beginnt sogleich jene Oberfl\u00e4chlichkeit, die keinen zwischenmenschlichen Austausch mehr auf seinen ungenannten Untergrund und Hinterhalt mehr aussieht, jede Wechselseitigkeit schon als Fairness und Gerechtigkeit nimmt, jeden Kompromiss als vers\u00f6hnungsakt, jede demokratische Verkehrsform als gewaltfrei, als ob Gewalt erst bei Faust- und Waffengebrauch beg\u00e4nne und nicht schon in dem universalen Tauschzwang der modernen Gesellschaft stecke, als ob Demokratie schon das an sich Gute w\u00e4re und nicht ebenso die fortgeschrittenste Verwaltungsform des Weltelends sein k\u00f6nnte. Kein Wunder, dass der gesellschaftstheoretische Diskurs unserer Tage, dessen \u201amethodischer Atheismus\u2018 nichts H\u00f6heres kennt als Kategorien des Markts und der Demokratie, an der Verbreitung der Verwissenschaftlichung jenes Zwielichts arbeitet, das der Tausch ausstrahlt und das Paulus immerhin ein wenig zu verscheuchen anfing, als er den Marktbegriff <i>katallage <\/i>zu einem theologischen vertiefte.<\/p>\n<p>Bei alledem ist es, als g\u00e4be es zwischen Atheismus und Theismus eine geheime Verschw\u00f6rung. So sehr sie einander entgegen sind, so einm\u00fctig sehen sie nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder man glaubt an h\u00f6here Wesen oder nicht, ist religi\u00f6s oder ist es nicht. Das ist das Welstbild, an dem sich beide gemeinsam festhalten, und viel irritierender als die Position der Gegenseite ist beiden der Gedanke, dies Weltbild selbst k\u00f6nnte nicht stimmen. Dass Religion selbst ihre zentralen Begriffe ruiniert, w\u00e4hrend die Areligi\u00f6sen viel mehr von deren Scherben unverdaut mitschleppen als sie merken und beide gerade das nicht tun, worauf es ank\u00e4me, n\u00e4mlich den geschundenen Geist darin zu retten: Wer das sagt, geht beiden Seiten auf den Nerv; er mischt sich in ihre inneren Angelegenheiten, die, wie es sch\u00f6n hei\u00dft, &#8216;jeder mit sich selbst ausmachen soll&#8217;: ob er glaubt oder nicht. Aber sich hier einzumischen ist h\u00f6chste Zeit. &lt;noch nie hatte das dualistische Weltbild, das die Menschen in religi\u00f6s und nichtreligi\u00f6s einteilt, wie wenn es um Raucher und Nichtraucher ginge, so wenig mit der Wirklichkeit zu tun wie heute. Sein Sturz ist \u00fcberf\u00e4llig&#8221;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Christoph T\u00fcrcke, &#8220;Religionswende. Eine Dogmatik in Bruchst\u00fccken&#8221;. L\u00fcneburg, 1995<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss ein Staatsakt sein \u2013 nicht minder als die Milit\u00e4rparade am Roten Platz am 9. Mai in Moskau. 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