{"id":1712,"date":"2017-11-13T23:03:56","date_gmt":"2017-11-13T22:03:56","guid":{"rendered":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1712"},"modified":"2017-11-13T23:49:02","modified_gmt":"2017-11-13T22:49:02","slug":"isf-staatskapitalismus-das-trauma-der-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1712","title":{"rendered":"ISF: Staatskapitalismus \u2013 das Trauma der Revolution"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-family: Nimbus Roman No9 L,serif\">[<\/span><span style=\"font-family: Nimbus Roman No9 L,serif\"><span lang=\"de-DE\">An dieser stelle dokumentieren wir einen alten Text des ISF aus Freiburg, der in gedruckter Form kaum mehr erh\u00e4ltlich ist. Es schmei\u00dfen sich alle z.Z. wie verr\u00fcckt an das Thema \u201eOktoberrevolution\u201c und dieser Text ist ein guter Beitrag dazu. &#8211; <\/span><\/span><span style=\"font-family: Nimbus Roman No9 L,serif\"><span lang=\"de-DE\">liberadio<\/span><\/span><span style=\"font-family: Nimbus Roman No9 L,serif\">]<\/span><\/em><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong><em>Initiative Sozialistisches Forum<\/em><\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">l.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Was die franz\u00f6sische Revolution f\u00fcr das B\u00fcrgertum, das ist die russische f\u00fcr die Linke: Ideal und Schreckbild zugleich. F\u00fcr die einen ist sie der verwirklichte Traum von einer erfolgreichen sozialistischen Eroberung der Macht, f\u00fcr die anderen zeigt sich in ihr der praktisch vollzogene Verlust des Willens zur Emanzipation. Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit: Das revolution\u00e4re Ru\u00dfland proklamierte gegen diese abstrakten Menschenrechte der Besitzb\u00fcrger die praktischen Rechte der Produzenten: Land, Brot, Arbeit, Frieden. Und wollte auf diesem Wege die unerf\u00fcllt gebliebenen Versprechen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft erst noch wirklich einl\u00f6sen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wie jede blo\u00df politische Revolution erlag auch die russische der fatalen Dialektik der Macht. Schon der Jakobinismus war gen\u00f6tigt, die Humanit\u00e4t der Parole von ,Libert\u00e9, Egalit\u00e9, Fraternit\u00e9\u2019 in den Zynismus von Infanterie, Kavallerie und Artillerie zu \u00fcbersetzen. Dies nicht aus purer B\u00f6swilligkeit: In Politik transformiert und als Staatlichkeit auf den Begriff gebracht, naturalisiert nicht nur das humanistische Ideal von einer nat\u00fcrlich gegebenen Gleichheit den konkreten Menschen zwangsl\u00e4ufig zum blo\u00dfen Material und Rohstoff f\u00fcr Herrschaft \u2013 jedes abstrakte Ideal ist die W\u00e4hrung f\u00fcr das, was in der M\u00fcnze konkreter Repression in Umlauf gebracht wird. Und so haben weder die franz\u00f6sische, noch die russische Revolution das Individuum befreit: Sie haben die Menschen vielmehr in Staatsb\u00fcrger umgeformt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">In der auf die modernen ,Gro\u00dfen Revolutionen\u2019 folgenden terroristischen Gleichschaltung offenbart sich die gesellschaftliche Wahrheit jeder Utopie von allgemeiner Gleichheit (egal, ob nun die auf dem Markt, die vor dem Gesetz, oder eine vor der Natur gemeint sein soll): Allgemeine Gleichheit kann immer nur gelten ,ohne Ansehen der Person\u2019. Und wie das Ideal allgemeiner Gleichheit sich nur in Form von Gleich-Schaltung politisch verwirklichen (und staatlich garantieren) l\u00e4\u00dft, so kann aus der praktischen Realisierung der Forderung nach allgemeinen Freiheitsrechten nicht die Freiheit des einzelnen Menschen resultieren. Schon im Schicksal der Forderung nach Gewerbefreiheit zeigt sich, da\u00df mit ihr nicht das gemeint gewesen sein kann, was sich die Massenbasis der Revolution unter ihr vorstellen mu\u00dfte: Die Revolution brachte eben nicht die Freiheit vom Zwang zum Gewerbe. Vielmehr ist durch die b\u00fcrgerlichen Revolutionen hindurch die kapitalistische Warenwirtschaft zum gesellschaftlich organisierten Schicksal geworden. Was als Freiheit vom Gewerbe eingeklagt wurde, erwies sich sehr schnell als der in der Folge der b\u00fcrgerlichen Revolutionen institutionalisierte Zwang, \u00fcberhaupt ein Gewerbe, und gleichg\u00fcltig welches, aus\u00fcben zu m\u00fcssen. Gesellschaftlich dechiffriert liest sich die Erkl\u00e4rung der Menschenrechte als die gewaltsam garantierte Verpflichtung zur kapitalistischen Produktion.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Revolution war liquidiert, als die Revolution\u00e4re an die Macht kamen. Wie Robespierre und St. Just in Frankreich, so erging es Lenin und Trotzki in Ru\u00dfland. Die Revolution gegen den Staat transformierte sich in eine blo\u00dfe Regierungs\u00fcbernahme; angetreten, Souver\u00e4nit\u00e4t zu zerst\u00f6ren, konnten die Bolschewiki sich nur behaupten, indem sie Souver\u00e4nit\u00e4t intensivierten. Unter dem historischen Zwang, die Einheit der staatlichen Gewalt erhalten, oder aber die eroberte Macht an die Wei\u00dfen abgeben zu m\u00fcssen, organisierte die Sowjetmacht nicht die Befreiung von der Arbeit, sondern den Arbeitszwang. Das sozialistische Ideal der gesellschaftlichen Gleichheit aller vor dem naturgegebenen Zwang, sein Leben reproduzieren zu m\u00fcssen, erwies sich, zur Politik erhoben, als die Naturalisierung des Menschen zum lebendigen Beh\u00e4lter von Arbeitskraft. \u201eWer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen\u201c \u2013 die sozialistische Kritik am Lotterleben und M\u00fc\u00dfiggang, am erpre\u00dften Zinseszinsleben der parasit\u00e4ren Kapitalisten erwies sich im Gefolge der russischen Revolution als Fortsetzung des Kapitalismus mit anderen Mitteln.<!--more--><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">2.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">An der Oktoberrevolution fasziniert das Paradox, da\u00df der Leninismus die politische Revolution im Widerspruch zu seiner Theorie hat erfolgreich durchf\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 die soziale Revolution aber gerade deshalb verlieren und unterdr\u00fccken mu\u00dfte, weil er auf diesem Feld seine theoretischen Vorgaben ad\u00e4quat in die Praxis hat umsetzen k\u00f6nnen. Nicht nur weil der Leninismus sich vor den Aprilthesen Lenins ganz orthodox-kautskyanisch eine sozialistische Revolution in einem kapitalistisch unterentwickelten Land wie Ru\u00dfland gar nicht vorstellen konnte \u2013 gewinnen konnten die Bolschewiki die politische Macht nur, weil sie diese in ihrem konkreten Handeln als ein Instrument begriffen, das jedem beliebigen Interesse dienstbar zu machen ist. F\u00fcr die Bolschewiki wie f\u00fcr jeden anderen B\u00fcrger handelt politisch erfolgreich der, der mit dem geringstm\u00f6glichen Aufwand an eingesetzten Mitteln ein H\u00f6chstma\u00df an Ertrag realisiert. Die M\u00f6glichkeit aber, \u00fcberhaupt in diesem Sinne souver\u00e4n handeln zu k\u00f6nnen, widerspricht eklatant der leninistischen Vorstellung von Bewu\u00dftsein, die dieses anders denn als mechanistischen Reflex auf gesellschaftlich (und physiologisch) gegebene Situationen gar nicht denken kann. Der Begriff der Souver\u00e4nit\u00e4t kommt, sei es als ein psychologischer, im Individuum verankerter, oder als ein gesellschaftlicher, von der Verkehrsform der Menschen untereinander erzeugter, im Theoriengeb\u00e4ude des Marxismus-Leninismus nicht vor. Indem die Leninisten in Ru\u00dfland zur Eroberung der politischen Macht antraten, taten sie etwas, was sie von ihrer Theorie her gar nicht h\u00e4tten tun d\u00fcrfen. (Bis mindestens zum April 1917 war es auch f\u00fcr alle bolschewistischen Sozialdemokraten noch eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, da\u00df die Rolle des Geburtshelfers der kommunistischen Gesellschaft nur in den weiter entwickelten kapitalistischen Staaten des Westens sinnvoll auszuf\u00fcllen war.)<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Was theoretisch als siegreiche List der Vernunft erscheinen k\u00f6nnte, erweist sich historisch als Bankrotterkl\u00e4rung. Schon in der von ihnen gew\u00e4hlten Form des Aufstandes (im filmreifen Sturm aufs Winterpalais erst recht) erlagen die Bolschewiki der b\u00fcrgerlichen Ideologie, da\u00df, wer das Sagen hat, auch den Gebrauch und die Verwendung der Macht zu bestimmen vermag. Die Formel der Macht wurde als Multiplikation des Willens zur Macht mit den zu ihrer Eroberung n\u00f6tigen Gewaltmitteln kalkuliert \u2013 wie auch der Sozialismus als einfache Addition von Sowjetmacht plus Stromerzeugung berechnet wurde. Der Versuch, die Menschen von ihrer Bestimmung, Charaktermasken des Kapitals werden zu m\u00fcssen, zu befreien, m\u00fcndete mit der Institutionalisierung der Sowjetmacht ein in ihre Formierung zu Handlangern sich verb\u00fcrokratisierender Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Diktatur des Proletariats wurde zu einer Diktatur der Partei \u00fcber das Proletariat \u2013 und zerst\u00f6rte so die sozialen Gehalte der Revolution. Die Partei gibt vor, den Staat als das Exekutivb\u00fcro der arbeitenden Klassen zu organisieren \u2013 und je besser ihr dies gelingt, umso mehr organisiert sie darin gleichzeitig die Diktatur der abstrakten Arbeit \u00fcber die empirischen Produzenten. Der Arbeiter gilt auch ,dr\u00fcben\u2019 nur als die leibliche Verk\u00f6rperung von Arbeit, einer Arbeit, die in ihrer Abstraktion von jeder qualitativ bestimmten T\u00e4tigkeit zu etwas anderem als dem, Quelle von Kapital und Profit zu sein, gar nicht dienen kann. Das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis bez\u00fcglich dieser Grundlage kapitalistischer Produktion f\u00fchrte zur Kapitulation vor den Gesetzen kapitalistischer Vergesellschaftung: in der \u00d6konomie wie in der Politik. Die praktisch-politische Probe auf die These, die Macht lie\u00dfe sich zu ihrer eigenen Abschaffung mi\u00dfbrauchen, f\u00fchrte zu nichts anderem als zu ihrer Potenzierung. Der Souver\u00e4n l\u00e4\u00dft sich nicht ungestraft zum blo\u00dfen Notar oder Sekret\u00e4r erniedrigen. Ebenso wie die These, kapitalistische Vergesellschaftung f\u00fchre durch eigene Logik zu ihrem Gegenteil, also zum Kommunismus, praktisch gewendet, nicht zum Kommunismus, sondern in die Barbarei eines sich aus sich selbst reproduzierenden Systems f\u00fchrt, genauso resultiert aus einer theoretischen Erniedrigung des Souver\u00e4ns dessen praktische Inkarnation zum neuen Gott: und sei es als ,Die Partei\u2019. In der Tat: Die Oktoberrevolution war Geburtshilfe \u2013 die Frage ist nur, f\u00fcr wen und f\u00fcr was.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">3.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Gesellschaftstheorie des Marxismus-Leninismus ist juristisch \u2013 nicht kritisch. Die Enteignung des Kapitalisten soll zur Liquidation des Kapitalismus f\u00fchren. Die Besitz\u00fcbertragung an den Staat als dem Gesamtproletarier soll den Charakter der Produktion fundamental \u00e4ndern. Aber das Enteignungsdekret befiehlt nur die Ausweitung der Fabrik auf die Gesamtgesellschaft. Die Revolution gegen die Kapitalisten ist eine Revolution f\u00fcrs Kapital. Revolution im marxistisch-leninistischen Sinne hat nie mehr bedeutet als eine Revolution f\u00fcr die Entfaltung des durch die b\u00fcrgerlichegoistischen Interessen blo\u00df verdeckten wahren Wesen des Staates als dem nat\u00fcrlichen Repr\u00e4sentanten einer vom Prinzip her als vern\u00fcnftig angesehenen Planung. Und Revolution ist auch den Leninisten heute nichts weiter als ein Aufstand gegen den Markt als dem schlechten Schein und f\u00fcr die Fabrik als dem guten Wesen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das Wesen des Staates ist, wie das der Fabrik, die rational-abstrakte Verplanung des empirisch Konkreten f\u00fcr etwas abstrakt Allgemeines. Nur weil die bourgeoisen Interessen den Plan-Staat zu ihrem Vorteil monopolisieren, ihn zum Exekutivausschu\u00df ihrer Herrschaft verfremden und gegen die objektiven sozialen Bed\u00fcrfnisse okkupiert halten, ergibt sich dem Leninisten die Notwendigkeit zur Revolution. Was der Bolschewismus unter \u00d6konomie versteht, zeigt Lenins Wort vom Kapitalisten als einem f\u00fcr den Fortgang der Produktion eigentlich \u00fcberfl\u00fcssigen Couponabschneider. Die \u00d6konomie ist den Leninisten nicht mehr als der nicht weiter hintergehbare Ort der Aneignung von Natur. Ihrem Wesen nach sei \u00d6konomie Arbeit und daher Formung der Natur f\u00fcr die Befriedigung von Bed\u00fcrfnissen. Im Kapitalismus werde das Wesen von der Oberfl\u00e4che noch verdeckt. Solange noch der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung bestehe, w\u00fcrden die G\u00fcter zwar als Gebrauchswerte hergestellt, auf dem Markt jedoch als Waren, als Tauschwerte gehandelt. Verantwortlich daf\u00fcr, da\u00df das Produkt sich zur Ware verfremde, sei also nicht die Arbeit selbst, sondern der Rechtstitel des Kapitalisten auf die Ergebnisse der Produktion.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der Begriff von Macht als einem Ding, das man erwerben und besitzen kann wie jede andere Ware auch, ist der politische Reflex der \u00f6konomischen Verdinglichung, ist Reflex auf die Wahrheit, da\u00df die Dynamik des Kapitals nicht auf eine ,entfremdete\u2019 Beziehung der Menschen untereinander zu reduzieren ist, sondern als die Bewegungsform einer Sache mit eigener Geltung und Geschichte begriffen werden mu\u00df. Verdinglichung erzeugt sich nicht in der Entgleisung einiger ansonsten selbstbewu\u00dft arbeitender Subjekte, sondern systematisch im Tauschverkehr, also im Gebrauch des Geldes als dem konkret-empirischen Ausdruck abstrakter Vergesellschaftung durch den Wert. In der im Geld erscheinenden Widerspr\u00fcchlichkeit \u2013 einerseits blo\u00dfes Mittel f\u00fcr einen au\u00dfer ihm existierenden Zweck (einem autonom formulierten Bed\u00fcrfnis), andererseits und gleichzeitig aber auch sich selbst alleiniger Zweck (in seiner Bestimmung als Ort der Verwertung des Werts) zu sein \u2013 zeigt sich das Wesen kapitalistischer Vergesellschaftung: Vergesellschaftung findet statt, indem sie sich negiert. Jedes Subjekt entscheidet frei, also souver\u00e4n \u00fcber seine Eins\u00e4tze in Politik, \u00d6konomie und Kultur \u2013 heraus aber kommt nicht das Chaos divergierender Interessen, sondern die Einheit der Gesellschaft als einer kapitalistischen. Der Zusammenhalt der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, ihre Synthesis zum begrifflich \u00fcberhaupt erst fa\u00dfbaren Ganzen verdankt sich einer Verkehrung: Der Verkehrung individueller, je konkret nur zu bestimmender Gebrauchswerte in eine allumfassende, abstrakte Einheitlichkeit.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Nur weil sie schon in der Fabrik als Waren produziert worden sind (von Produzenten, die ihre empirische Konkretheit als Ware zu verkaufen und damit auch gezwungen sind, von sich selbst zu abstrahieren), k\u00f6nnen die kapitalistisch erzeugten G\u00fcter auch als Waren \u00fcberhaupt erst getauscht werden. Wert bildet sich nicht erst auf dem Markt \u2013 die ,Kontrolle\u2019 und auch die ,Abschaffung\u2019 der Marktgesetze kann am kapitalistischen Charakter der Produktion kein Jota \u00e4ndern. Der Markt ist lediglich ein m\u00f6glicher Ort f\u00fcr die Realisation des Werts unter anderen \u2013 der staatlich gesteuerte Plan ist solch ein anderer, m\u00f6glicher Ort. Hinter dem Warencharakter einer Sache also lauert nicht ihr wirklicher Gebrauchswert, sondern immer nur die Suche nach dem optimalen Ort der Verwertung des in der Produktion erzeugten Werts. Dies ist und bleibt Grund und Zweck aller kapitalistischen Produktionsweisen \u2013 und nicht die Brauchbarkeit einer Sache f\u00fcr irgend jemanden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">4.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das Einzelkapital subsumiert sich die Arbeitskraft des Arbeiters unmittelbar \u2013 je niedriger dessen Lohn, umso gr\u00f6\u00dfer der Gewinn f\u00fcr den Kapitalisten. Gegen die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen dieses Handelns ist das Einzelkapital bekanntlich blind. Um die durch das dauernde Changieren zwischen der Republik des Marktes und der Despotie der Fabrik resultierende Krisenhaftigkeit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, mu\u00df \u2013 neben den sonstigen ,Gemeinschaftsaufgaben\u2019: Polizei, Milit\u00e4r, Recht etc. \u2013 auch die Arbeitskraft gesamtgesellschaftlich verwaltet werden, d.h. an der Lohnarbeit mu\u00df auch noch das Moment ihrer formellen Freiheit \u2013 das ist die Freiheit des Arbeiters, seine Arbeitskraft verkaufen oder verhungern zu m\u00fcssen \u2013 beseitigt werden. Durchgesetzt werden mu\u00df dies, wie sich historisch gezeigt hat, weniger gegen den massiven Widerstand der organisierten Arbeiterklasse als vielmehr gegen den Widerstand der einzelnen Kapitalisten. Obwohl die innere Konkurrenz gegen den Willen der Einzelkapitale politisch ausgeschaltet wird, bringt sich das Kapital, durch den Staat hindurch, auf diese Weise erst auf seinen Begriff: Es wird zum alles durchdringenden Subjekt der gesellschaftlichen Reproduktion. Mit der durch den Staat vermittelten totalen Subsumtion der Arbeitskraft transformiert sich die kapitalistische \u00d6konomie der Sachen in die der Menschen. Das Ergebnis der Oktoberrevolution ist, da\u00df sich mit der Sowjetunion diese menschen\u00f6konomische Form des Kapitalismus erstmals realisieren konnte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Staatskapitalismus, wie er in der Sowjetunion funktioniert, bedeutet, da\u00df die als Fabrik organisierte Gesellschaft Konkurrenz nur als \u00e4u\u00dferliches Schicksal bzw. als Weltmarkt kennt. Im Innern herrscht die \u00d6konomie des politischen Gebrauchswerts. Es ist eine stoffliche \u00d6konomie, eine \u00d6konomie der Versorgung, der Zuteilung, der Bewirtschaftung und Rationierung nach Ma\u00dfgabe dessen, was das politische Zentrum bedarf. Es ist zugleich eine \u00d6konomie des strukturellen Mangels, eine im Kern statische, auf einfache Reproduktion bedachte Wirtschaft, die die Imperative der Weltmarktkonkurrenz vermittelt \u00fcber die Souver\u00e4nit\u00e4tsn\u00f6te ihrer politischen Vorst\u00e4nde erf\u00e4hrt. Dieser Staatskapitalismus hat, abseits aller nicht zu \u00fcbersehenden Gegens\u00e4tze, schlie\u00dflich wahrgemacht, wovon die vielf\u00e4ltigen sozial- und planstaatlichen Politiken des Westens immer getr\u00e4umt haben: Die Verwandlung der Gesamtgesellschaft in ein einheitlich agierendes Nationalkapital. Der Bolschewismus hat damit am b\u00fcrgerlichen Staat nicht nur dessen Bestimmung, ideeller Gesamtkapitalist zu sein, zur Geltung gebracht, sondern dar\u00fcberhinaus eine weitere seiner Bestimmungen erstmals realisiert: Die, da\u00df der Staat auch ideeller Gesamtproletarier werden mu\u00df, wenn es dem Kapitalismus gelingen soll, die Arbeitskraft als Humankapital gesamtgesellschaftlich bewirtschaften zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das \u00f6konomische Modell des nominalsozialistischen Staatskapitalismus findet sich in der deutschen Kriegswirtschaft von 1914-18. Die Sozialdemokraten aller Couleur waren fasziniert von der Kraft des damaligen Deutschen Reiches, ,Bedarfswirtschaft\u2019 treiben zu k\u00f6nnen. Sie waren fasziniert von der sich hier ausweisenden F\u00e4higkeit der Politik, den Primat \u00fcber die \u00d6konomie zu behaupten und gegen die Irrationalit\u00e4t des Marktes die Rationalit\u00e4t des Plans durchsetzen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr Lenin war Sozialismus die Fortf\u00fchrung dieses staatskapitalistischen Monopols: <em><strong>\u201eDer Sozialismus ist nichts anderes als das staatskapitalistische Monopol, das zum Nutzen des ganzen Volkes angewandt wird und insofern aufgeh\u00f6rt hat, kapitalistisches Monopol zu sein.\u201c<\/strong><\/em> In \u201eStaat und Revolution\u201c f\u00fchrt Lenin 1917 aus:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\u201e<i><b>Alle B\u00fcrger werden zu Angestellten und Arbeitern eines das ganze Volk umfassenden Syndikats. Alles handelt sich darum, da\u00df sie gleicherma\u00dfen arbeiten, das Ma\u00df der Arbeit richtig beachten und den gleichen Lohn bekommen. Die ganze Gesellschaft wird ein Kontor und eine Fabrik mit gleicher Arbeit, und gleicher Bezahlung sein.\u201c<\/b><\/i><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Macht soll verschwinden, indem sie auf die Gesellschaft zerst\u00e4ubt wird. Zugleich aber ist vom ,Ma\u00df der Arbeit\u2019 und vom daraus abzuleitenden gleichen, also gerechten Lohn die Rede. Damit ist unmittelbar schon gesetzt, da\u00df es, weil der Markt als Regulativ ausf\u00e4llt, die Aufgabe einer gesonderten Instanz zu sein hat, das Ma\u00df zu definieren, \u00fcber das die eine Arbeit mit einer anderen verglichen werden kann. Dieses Ma\u00df kann nicht von den Arbeitenden selber festgesetzt werden; wie jede abstrakte Gerechtigkeit sich nur durch ein allgemeines ,Drittes\u2019 (das Recht, den Richter, die Moral) hindurch konkretisieren kann, so erfordert die staatskapitalistische Bestimmung des gerechten Ma\u00dfes der Arbeit ,Kompetenz\u2019, ,sachliche Neutralit\u00e4t\u2019, also: B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die B\u00fcrokratie ersetzt nicht nur den Markt: Sie definiert offensichtlich den gerechten Lohn auch gem\u00e4\u00df derselben Kriterien, nach denen im kapitalistischen Westen der Markt das ,Ma\u00df der Arbeit\u2019 bestimmt. Einerseits also herrscht im Verh\u00e4ltnis Lohn und Leistung das kapitalistische Prinzip des Tausches gleicher Werte und damit das Gesetz der Bezahlung nach Ma\u00dfgabe der zur Reproduktion der Arbeitskraft n\u00f6tigen Lebensmittel. Andererseits ist die marktf\u00f6rmige Ver\u00f6ffentlichung des Wertgesetzes politisch untersagt und die Arbeiter gelten als Mitglieder einer Anstalt, deren Existenzberechtigung sich in der Garantie der Subsistenz ihrer Insassen beweisen mu\u00df. Vor diesem Grundwiderspruch bewegt sich die gesellschaftliche Reproduktion der sowjetischen Gesellschaft seit ihrer Entstehung vor siebzig Jahren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">5.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Analyse der \u00d6konomie der Sowjetgesellschaft kl\u00e4rt hinreichend, da\u00df hier nicht der Kapitalismus ersch\u00fcttert wurde, sondern nur die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber den gesellschaftlichen Reichtum von einer Klasse (den Kapitalisten) auf ein abstrakt-reales Gebilde \u00fcbergegangen ist: die Partei. Da\u00df sich hier erf\u00fcllt hat, was von jeher der Wunschtraum aller Sozialdemokraten gewesen ist: die Organisierung der Gesellschaft nach dem Muster sozialdemokratischer Vereinsmeierei.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">So wie die Jakobiner die Ideale der Bourgeoisie nicht verraten haben, sondern sie nur konsequenter als ihre Mitb\u00fcrger verwirklichten, so stellt der Bolschewismus nicht die revolution\u00e4re \u00dcberwindung des sozialdemokratischen Reformismus dar, sondern dessen aktivistische linke Variante. Weder als Politiker und erst recht nicht als Philosoph hat Lenin den Marxismus auf das Niveau einer Kritik des Kapitals im imperialistischen Zeitalter gebracht, sondern lediglich die sozialdemokratische Ideologie der Vorkriegszeit konsequent zu Ende gedacht. Indem er sie wirklich ernst nahm und ihre Philosophie zum System erhob, wuchs er \u00fcber Kautsky und Bebel hinaus. Und so konnte er zum F\u00fchrer der ersten sozialdemokratischen Revolution in der Geschichte werden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wie die Sozialdemokratie in der Nachfolge von Engels modelt der Marxismus-Leninismus die bei Marx durchaus enthaltenen materialistischen Elemente einer fundamentalen Kritik b\u00fcrgerlicher Vergesellschaftung zu einer Wissenschaft um, die sich staatlich anwenden l\u00e4\u00dft. Im Unterschied zur Tradition b\u00fcrgerlicher Aufkl\u00e4rung ist das Ziel der gedanklichen Anstrengungen des Marxismus-Leninismus aber nicht, die Bedingung der M\u00f6glichkeit von Freiheit auszuloten \u2013 ihr Ziel ist die Ableitung des konkret-individuellen Denkens aus m\u00f6glichst einem einzigen allgemeinen Gesetz. Die Abweichung des Bewu\u00dftseins von seiner Bestimmung, objektive Wirklichkeit fotografisch abzubilden, kann dementsprechend nur als Krankheit und b\u00f6ser Wille verstanden werden \u2013 womit bei Lenin schon die ideologische Struktur der sp\u00e4teren stalinistischen Agentenparanoia vorweggenommen wird. (Wessen diese Paranoia f\u00e4hig ist, zeigte sich auf schauriganschauliche Art etwa in den Moskauer Prozessen, z.B. anhand der Selbstbezichtigungen Bucharins.) Das Prinzip des leninistischen, wissenschaftlichen Materialismus ist dasselbe wie das des wissenschaftlichen Denkens \u00fcberhaupt: Seine erkenntnistheoretisch \u00e4u\u00dferst problematischen Pr\u00e4missen werden praktisch gel\u00f6st (wie schon weiland Alexander mit dem gordischen Knoten verfuhr) \u2013 und man meint dann naiverweise, die Probleme ebenfalls vom Tisch zu haben.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Von der Erkenntnistheorie \u00fcber die Theorie der Entstehung von Klassenbewu\u00dftsein, von der Parteitheorie bis zur Organisationstheorie: Die erkenntnistheoretischen Dilemmata, in die sich der Leninismus verwickelte, waren auf der Basis der vulg\u00e4rmaterialistischen Ideologie des geistigen Vaters aller Bolschewiki (Plechanov) nicht zu l\u00f6sen. Sie konnten nur mit einem Sprung aus den sich im Kreise drehenden Zirkelschl\u00fcssen heraus ,gel\u00f6st\u2019, d.h., sie konnten nur praktisch \u00fcberwunden werden \u2013 wobei zu beachten ist, da\u00df der wissenschaftliche Materialismus in seinem Ableitungswahn unerkl\u00e4rliche historische oder systemtranszendierende Spr\u00fcnge gar nicht kennt: Dennalles Geschehen hat gef\u00e4lligst die Wirkung einer Ursache zu sein. Das Resultat dieser gegen die eigene Theorie erzwungenen Spr\u00fcnge war zwar, da\u00df durch sie der f\u00fcr jede Revolution notwendige Enthusiasmus, anders als von den Menschewiki, nicht behindert wurde; ein Enthusiasmus, der nur entstehen kann, wo nach reflexiver Konsistenz einfach nicht mehr gefragt, sondern, schlicht und einfach, nur noch gehandelt wird. Aber Resultat dieser Revolution war nicht das Verschwinden der urspr\u00fcnglichen Probleme \u2013 vor allem auch das heute immer noch zentrale Problem, die Fortexistenz kapitalistischer Barbarei, ist nicht beseitigt worden. Das Resultat des Handelns der Bolschewiki war ebenfalls nicht, trotz erfolgreich durchgef\u00fchrter Revolution \u2013 die im \u00fcbrigen einen solchen, vom Leninismus gar nicht erkl\u00e4rbaren Sprung darstellt \u2013 die Revolutionierung der kapitalistischen Reproduktionsverh\u00e4ltnisse: Das Resultat war die Konzentrierung und Intensivierung der Macht hin auf ein einheitliches Zentrum \u2013 wenn diese Macht sich auch, anders als im Zarismus, nicht auf eine merkantilistische, vorb\u00fcrgerliche, sondern auf eine kapitalistisch, planstaatlich verfa\u00dfte Effizienz ausrichtete.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der Bolschewismus begreift seine Probleme, wie die restliche Sozialdemokratie auch, immer nur als Probleme richtiger Vermittlung: Die Partei soll zwischen empirischem und notwendigem Bewu\u00dftsein ,vermitteln\u2019, an beidem als Br\u00fccke teilhaben und zugleich in ihrer Synthese aufheben. Diese Vulg\u00e4rdialektik kann das Problem der Entstehung von Klassenbewu\u00dftsein nur als Beantwortung der Organisationsfrage begreifen. Von unten kommende Empirie und von oben kommende Transzendenz sollen sich in der Partei vereinheitlichen. Es ist der demokratische Zentralismus, der sich hier als die Technik anbietet, den Pluralismus der Willensbildung von unten mit der notwendigen Einheit der Entscheidung von oben zu \u201avermitteln\u2019. Der Marxismus-Leninismus erhebt somit zur spezifisch sozialistischen Form von Politik, was sich, wenn auch viel effizienter, in der Gestalt des Parlamentarismus l\u00e4ngst vorfindet: Die \u00dcbersetzung der eigens\u00fcchtigen Interessen des Privatmannes in die gemeinn\u00fctzige Orientierung des Staatsb\u00fcrgers. Aber wie dem westlichen Parlamentarismus bleibt auch seiner \u00f6stlichen Variante das Geheimnis dieser \u00dcbersetzung verschlossen. Und so bleibt nur \u2013 auch wenn dies dem marxistisch-leninistischen Materialismus widerspricht, denn dieser m\u00fc\u00dfte hier eine subjektiv nicht beeinflu\u00dfbare Gesetzlichkeit am Werke sehen \u2013 Vermittlung als Resultat von Machtk\u00e4mpfen unter Fraktionen bzw. Parteif\u00fchrern, als Konkurrenz unter an sich gleichberechtigten Theorien oder als die Verifikation des darwinistischen Grundsatzes zu begreifen, da\u00df schlie\u00dflich doch nur der St\u00e4rkere siegt \u2013 und nicht, wie der Geschichtsdeterminismus unterstellt, das kommunistische Paradies zwangsl\u00e4ufiges Resultat der Menschheitsgeschichte ist. Es ist dieser, in jedem extremen Objektivismus immer schon mit angelegte extreme Subjektivismus, in dem sich die politischen Individuen auch im real existierenden Sozialismus als die Charaktermasken des Souver\u00e4ns zu bew\u00e4hren haben. Lenins ber\u00fchmtes ,Testament\u2019, in dem er vor der Bef\u00f6rderung Stalins zum Generalsekret\u00e4r warnte, ist nicht nur ein Dokument seiner prophetischen F\u00e4higkeiten. Es dokumentiert dar\u00fcber hinaus, da\u00df es auch Lenin um nichts anderes ging als um die Beantwortung der Frage, ob bestimmte Individuen integer genug sind, ihnen die Aus\u00fcbung des objektiven Zwangscharakter der Souver\u00e4nit\u00e4t auch anvertrauen zu d\u00fcrfen. Moralisiert und zum Willensverh\u00e4ltnis zurechtgestutzt, wird Politik wie im b\u00fcrgerlichen Zustand erst zum Konsens-, und dann zum Gewaltproblem. Die Form Politik dagegen ist den Bolschewiki nie ein Problem gewesen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">6.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die einzige kommunistische M\u00f6glichkeit der Vermittlung von \u00d6konomie und Politik, die einzige M\u00f6glichkeit also, zu einer Synthese kommen zu k\u00f6nnen, die das empirische Klassenbewu\u00dftsein mit der naturgem\u00e4\u00df nur abstrakt gegebenen Notwendigkeit vermittelt, die aktuell existierenden Formen von Vergesellschaftung \u00fcberwinden zu m\u00fcssen, ist die Sprengung ihres Vermittelt-Seins. Der Dualismus von Staat und Gesellschaft kann nicht durch die Ekstase der Politik aufgehoben werden, sondern einzig durch eine neue Form der gesellschaftlichen Synthese, die die Wertform als die real gegebene Vermittlung aller Dualismen aufsprengt und gleichzeitig in der Lage ist, eine neue, eine nicht auf Ausbeutung und Verdinglichung beruhende Vergesellschaftung zu garantieren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Es versteht sich, da\u00df der Bolschewismus mit den bisher praktizierten Formen solcher Revolutionierung der gegebenen gesellschaftlichen Verkehrsformen nichts anfangen kann. Die Oktoberrevolution aber war, wie zum ersten Mal die Pariser Kommune, ein Ort, in dem sich die R\u00e4te als Selbstorganisation der Produzenten herausbildeten, ein Ort also f\u00fcr die Verwirklichung einer gesellschaftlichen Verkehrsform, in der der Gegensatz von Organisation und Spontaneit\u00e4t, von Theorie und Praxis, von M\u00f6glichkeit und Notwendigkeit in einer neuen Synthesis aufgehoben wurde. Die R\u00e4te traten auch in der Oktoberrevolution als die \u00dcberwindung der Leninschen Zirkel auf \u2013 als Sabotage der Gegens\u00e4tze, die der Bolschewismus nur formell auszugleichen bestrebt war. In ihrem Verhalten zu den R\u00e4ten manifestierte sich das von vornherein blo\u00df instrumentelle Verh\u00e4ltnis der Bolschewiki gegen\u00fcber der sozialen Revolution.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Man mag die Frage, ob Trotzki ein anderes Verh\u00e4ltnis zu den R\u00e4ten hatte als Lenin, dieser ein wiederum anderes als Stalin, etc. pp., wie auch die Frage, ob die Liquidierung der R\u00e4te durch die Bolschewiki (einschlie\u00dflich Radek und Trotzki) ein zwar moralisch verwerflicher, aber politisch unausweichlicher Schritt, oder aber die notwendige Konsequenz aus einer falschen politischen Theorie war, weiterhin kontrovers diskutieren \u2013 wenn dies in dem Bewu\u00dftsein geschieht, da\u00df diese Kontroverse den Rahmen der gegebenen Souver\u00e4nit\u00e4t schon von der Voraussetzung her nicht sprengen kann. So wichtig es ist, die Entscheidungssituationen und gegebenen Handlungsspielr\u00e4ume \u2013 die nicht nur von der politisch-milit\u00e4rischen Situation, sondern ebensogut auch von dem ideologischen Sozialdemokratismus der Bolschewiki begrenzt waren \u2013 zu rekonstruieren: Die Besch\u00e4ftigung mit der Oktoberrevolution darf in der flei\u00dfigen Aneinanderreihung von allerlei Ereignissen nicht aufgehen. An ihr w\u00e4re vielmehr zu lernen, da\u00df, wer A sagt, eben auch B zu wollen hat, da\u00df, wer den Leninismus f\u00fcr eine revolution\u00e4re Theorie h\u00e4lt (und nicht f\u00fcr die konsequentere Variante einer sozialdemokratischen Politik in einer gegebenen revolution\u00e4ren Situation) gegen den Stalinismus (au\u00dfer moralischen Unverbindlichkeiten) keine Argumente vorzubringen hat. Die Frage allerdings, ob es immer so kommen mu\u00df, da\u00df die Revolution\u00e4re eines nicht allzu fernen Tages ihre eigene Revolution zu Grabe zu tragen haben, ist eine Frage, die in die pers\u00f6nliche Verantwortung jedes einzelnen f\u00e4llt, der von Revolution auch heute noch redet. An der Oktoberrevolution kann und mu\u00df diskutiert werden, ob es Situationen geben kann, in denen sich Momente der Freiheit zeigen, Momente also, die sich nicht auf gegebene Umst\u00e4nde reduzieren lassen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Notwendig ist auf jeden Fall der Bruch mit dem Marxismus-Leninismus, ein Bruch, der nicht blo\u00df auf einem Wechsel in den Moden oder auf schlichtem Vergessen beruhen darf, sondern durch eine Kritik herbeizuf\u00fchren ist, die trotz der aktuellen Unm\u00f6glichkeit der Revolution ihrer Notwendigkeit nicht abschw\u00f6rt. Hinzu kommen mu\u00df der Bruch mit allen Vorstellungen im Denken der sozialen Opposition, als sei die Planwirtschaft die Grundlage kommunistischer Produktionsweise \u2013 wie es f\u00fcr die meisten heutigen Anarchisten noch einen Bruch mit den althergebrachten Inhalten ihres Denkens erfordern d\u00fcrfte, die Vorstellung aufzugeben, als sei der Kommunismus nichts weiter als freie Marktwirtschaft ohne Staat. Aufzugeben w\u00e4re endlich die Phrase der Einheit von Theorie und Praxis \u2013 denn in ihr lebt blo\u00df die maostalinistische Vergangenheit der heutigen linken Intelligenz fort, eine Vergangenheit, die sich bruchlos in das Expertentum der Gr\u00fcnen Partei hat \u00fcbersetzen lassen. Die Phrase von der durch die Theorie angeleiteten Praxis lebt, heute wie damals, vom verblendeten Gedanken, es lie\u00dfe sich ein wahrer Begriff einer an sich negativen Sache formulieren. Dar\u00fcber verkommt der Begriff zur blo\u00dfen Widerspiegelung der Sache selbst und die Praxis wird, ob sie es will oder nicht, zum Schwur aufs Kapital. Dieser Linken ist es seit 68 nie um etwas anderes gegangen als um die Aufrechterhaltung ihrer durch die gegebene gesellschaftliche Trennung von geistiger und k\u00f6rperlicher Arbeit garantierten Privilegien. Dagegen bleibt die Oktoberrevolution unsere Angelegenheit: als unerledigter, in den R\u00e4ten sich ausdr\u00fckkender Vorschein einer Einheit des Vielen ohne Zwang.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">7.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Oktoberrevolution bleibt unsere Angelegenheit um so mehr, als hier im Westen der russische Staatskapitalismus immer wieder dazu herhalten mu\u00df, die These zu belegen, die b\u00fcrgerliche Gesellschaft sei zwar zugegebenerma\u00dfen eine ziemlich schlechte, aber doch, wie sich historisch vor allem am Stalinismus zeige, die Beste aller realisierbaren Gesellschaftsformen \u2013 denn der Mensch sei von Natur aus schwach und bestechlich und brauche nun einmal den Souver\u00e4n, der ihm sagt, wo er lang zu gehen hat. Und der demokratische Parlamentarismus sei die Staatsform, in der den Individuen die weitestgehenden Souver\u00e4nit\u00e4tsrechte zugestanden w\u00fcrden. Mehr sei schon aus anthropologischen Gr\u00fcnden unm\u00f6glich.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Gegen\u00fcberstellung \u2013 Demokratie hier, Totalitarismus dort \u2013 beweist dagegen nur erneut, wie wenig der B\u00fcrger auch noch nach der Erfahrung des Faschismus imstande ist, zu begreifen, da\u00df der immergleiche soziale Inhalt seiner Herrschaft verschiedene Formen erzeugt \u2013 neben der demokratischen die bonapartistische, die faschistische und eben auch die staatskapitalistische. Der westliche B\u00fcrger klagt am Sowjetsystem an, was, wie der Faschismus, eine logische M\u00f6glichkeit der Gestaltung seiner sozialen Beziehungen unter anderen ist. An der Sowjetunion hat er auszusetzen, da\u00df die Greuel der urspr\u00fcnglichen Akkumulation, die terroristische Ein\u00fcbung der Arbeitsmoral, die Disziplinierungen des Denkens und F\u00fchlens der Individuen, die Vertreibung der Bauern, der Entzug ihrer Lebensgrundlagen und ihre gleichzeitige Zusammenpferchung zum Industrieproletariat dort im zivilisierten 20. Jahrhundert und als bewu\u00dftes politisches Programm durchgef\u00fchrt wurde. Auszusetzen hat er, was geschah, um ein Nationalkapital zu erzeugen, das mit dem seinen konkurrieren kann, und was mit Methoden geschah, die den B\u00fcrgern hier zumindest aus ihrer eigenen Geschichte her gel\u00e4ufig sein sollten. Und nicht nur historisch: Im restlichen Dreiviertel der Welt werden diese Methoden auch heute noch anschaulich angewandt und sind von keinem anderem als den B\u00fcrgern hier im Westen zu verantworten. Es ist nicht nur unredlich, sondern schlicht Heuchelei, wenn dieser B\u00fcrger sich f\u00fcr unschuldig erkl\u00e4rt, weil sich bei uns die soziale Synthesis spontan als stummer Zwang der Verh\u00e4ltnisse Geltung verschafft \u2013 w\u00e4hrend im Staatskapitalismus es der ausdr\u00fccklichen Anordnung bedarf, um die Einheitlichkeit der Gesellschaft zu reproduzieren und damit, anders als im Westen, auch die wirklich wichtigen politischen Entscheidungen \u2013 und damit die Schuldzuweisungen \u2013 personifizierbar bleiben.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">8.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die nun siebzigj\u00e4hrige Debatte in der Sowjetunion um die angemessenen materiellen Stimuli f\u00fcr individuell erbrachte Leistungen zeigt, worin das Dilemma der staatskapitalistischen \u00d6konomie liegt: Der die Marktmechanismen ersetzende Anreiz f\u00fcr eine qualitativ und quantitativ optimale Warenproduktion ist noch nicht gefunden. Dies zeigt sich nicht nur in der auch im Osten so oft beklagten Unf\u00e4higkeit der \u00d6konomie zu technologischer Innovation auf anderen Gebieten als dem milit\u00e4rischem: Jede Produktion lebt von der informellen Kooperation der Produzenten, lebt davon, da\u00df diese Produzenten mehr wissen, als sie zur Verrichtung ihrer Arbeit unmittelbar wissen m\u00fcssen. Die immer umfassender und detaillierter werdenden Planvorgaben wollen sich dieses Wissens bem\u00e4chtigen, es f\u00fcr die Produktion unmittelbar nutzen und ihm auf diese Weise seine f\u00fcr die B\u00fcrokratien gef\u00e4hrliche Dynamik nehmen. Was auf dem kapitalistischen Markt automatisch geschieht \u2013 insbesondere die Definition dessen, was als Gebrauchswert zu gelten hat \u2013 das bedarf im Osten eines Kommandos. Aber je konkreter diese Kommandos werden, je mehr bed\u00fcrfen sie genau des nicht reglementierbaren Wissens, das sie sich eigentlich gef\u00fcgig machen wollten: Denn, w\u00fcrden alle Anordnungen wortgetreu befolgt, der Betrieb w\u00e4re sofort lahmgelegt. Die planwirtschaftlichen Kommandos reproduzieren den Teufel, der im Detail steckt. Und so wird man noch eine Zeitlang weiter \u00fcber Autos mit Panzerplattenkarosserie, K\u00fchlschr\u00e4nke im Familiengrabformat und Klos aus Chromstahl spotten k\u00f6nnen \u2013 dies nicht nur hier, sondern vor allem im Osten selbst. Als (von vornherein aussichtslose) Strategie, diese Mi\u00dfwirtschaft in den Griff zu bekommen, wird den B\u00fcrokraten auch k\u00fcnftig nichts anderes einfallen als weiter in jedem Betrieb einen Helden der Arbeit zu k\u00fcren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Im Osten noch mehr als im Westen mu\u00df, was der Mechanismus der \u00d6konomie aus sich selbst heraus nicht zu leisten vermag, durch die au\u00dfer\u00f6konomische politische Gewalt ausgeglichen werden. Die Verwaltung geht daher periodisch von der n\u00fcchternen, durch die Sache gebotenen Anordnung zur Zwangsma\u00dfnahme \u00fcber. Als herrschende Kaste rekrutiert sie sich im Osten vor allem durch den Nachweis des angehenden B\u00fcrokraten, da\u00df er in seinem Bereich erfolgreich an der Subsumtion der sozialen Beziehungen gearbeitet hat. Diese B\u00fcrokratie bet\u00e4tigt sich im st\u00e4ndigen Ausbau des Staatsapparates als ihres kollektiven Hebels zur Sicherung ihrer Macht. Die Dialektik dieses Staates hat Stalin 1930 so zusammengefa\u00dft: <i><b>\u201eH\u00f6chste Entwicklung der Staatsmacht zur Vorbereitung der Bedingungen f\u00fcr das Absterben der Staatsmacht.\u201c<\/b><\/i> Der Staatskapitalismus ist bestimmt durch die Politisierung aller sozialen Beziehungen und durch die Aufsaugung der Gesellschaft durch die B\u00fcrokratie \u2013 es erfordert nicht viel prophetische Gabe, vorauszusehen, da\u00df wir auf den Zeitpunkt, an dem der von Stalin prognostizierte Umschlag des Staates in seine eigene Destruktion noch lange werden warten d\u00fcrfen. Mit dem ber\u00fchmten ,Umschlag von Quantit\u00e4t in Qualit\u00e4t\u2019 war es noch nie weit her; weder in der Philosophie des dialektischen Materialismus noch in seiner Politik.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zu diesem Staatskapitalismus gibt es, so scheint es, seit Gorbatschow eine Alternative. Worin diese Alternative besteht, hat er im Januar 1987 ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><i><b>\u201eDie Vorurteile gegen\u00fcber der Ware-Geld-Beziehungen und der Wirkung des Wertgesetzes, die oftmals auch dem Sozialismus als wesensfremd hingestellt wurden, f\u00fchrten zu willk\u00fcrlichen Methoden in der Wirtschaft, zur Untersch\u00e4tzung der wirtschaftlichen Rechnungsf\u00fchrung, zu \u201aGleichmacherei\u2019 in der Entlohnung. Sie verursachten subjektivistisches Herangehen in der Preisbildung, St\u00f6rungen der Geldzirkulation sowie Vernachl\u00e4ssigung der Regelung von Angebot und Nachfrage.\u201c<\/b><\/i><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der Versuch des Staatskapitalismus, sich selbst auf einen keynesianistischen Planstaat zu reduzieren und einzig durch den Gebrauch von Geld und Recht das zur Reproduktion der Macht erforderliche \u00f6konomische Resultat zu erwirtschaften, d\u00fcrfte seine Grenze freilich darin finden, da\u00df esunter der Herrschaft des losgelassenen Wertgesetzes kein Abonnement bestimmter Personen oder Parteien auf die Macht geben kann. Kann es wirklich, siebzig Jahre nach der bewaffneten Revolution f\u00fcr den Staatskapitalismus, in der Sowjetunion eine Bewegung hin zum b\u00fcrgerlichen Parlamentarismus geben? Und wenn, was w\u00e4re damit f\u00fcr die Menschen dort gewonnen? Und was bedeutete dies f\u00fcr das Ziel der Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">***<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Statt Sp\u00e4tkapitalismus Postmoderne: Indem sie der Frage nach einer Gesellschaft im kommunistischen Jenseits des Kapitals den Laufpa\u00df gab, hat sich auch das, was so um das Jahr 1980 herum von der ehemals Neuen Linken noch \u00fcbrig geblieben war, von der Geschichte verabschiedet. Weil ihr der Name nicht mehr pa\u00dfte, der zu sehr nach Archipel Gulag roch, hat sie zugleich die Sache selbst mit fallengelassen. Wie verquer auch immer die jahrelang fanatisch gef\u00fchrte Diskussion um den ,Charakter der Sowjetunion\u2019 war \u2013 in der Frage, ob in der Sowjetunion der Sozialismus real existiert, ob die Sowjetunion als \u00dcbergangsgesellschaft, als b\u00fcrokratisch deformierter Arbeiterstaat oder als sozialimperialistisches System aufzufassen sei, zeigte sich doch immer auch die Einsicht in die Notwendigkeit einer anderen Gesellschaft als der, in der das kapitalistisch immer Gleiche ewig wiederkehrt. An der Kritik der Sowjetunion wurde der unbedingte Dissens mit dem ,freien Westen\u2019 unmittelbar deutlich gemacht. Im Nachweis des Charakters des Marxismus-Leninismus als einer Herrschafts- und Legitimationswissenschaft fand das Bed\u00fcrfnis nach revolution\u00e4rer Kritik am Kapital seinen Ausdruck. Seitdem an der Sowjetunion nur noch die Menschenrechte interessieren, wurde auch im Westen der Friede mit dem Staat geschlossen, und seit Gorbatschows neuen R\u00fcstungsprogrammen entwickeln weite Teile der ehemaligen Friedensbewegung ein geradezu libidin\u00f6ses Verh\u00e4ltnis zum sowjetischen Staat.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Neue Linke hat die B\u00fcrgerweisheit wahrgemacht, da\u00df, wer mit zwanzig nicht Kommunist ist, kein Herz hat, wer es aber mit drei\u00dfig Jahren immer noch ist, keinen Verstand besitzt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Nach der Wendung von der revolution\u00e4ren zur Alternativbewegung wu\u00dfte sie der antikommunistischen Agitation mit dem falschen Beispiel Sowjetunion nichts mehr entgegenzusetzen. Wer zuvor an der konkreten Utopie Ernst Blochs und an der notorischen Hofferei aus blinder Zuversicht sich nicht satth\u00f6ren konnte, der nahm pl\u00f6tzlich Abschied, als man ihm vom gleichen Autor den Satz <strong><i>\u201eUbi Lenin, ibi Jerusalem\u201c<\/i><\/strong> unter die Nase rieb. Wer mit Marx auf keinen gr\u00fcnen Zweig kam, der avancierte durch Marx-T\u00f6terei: \u201eK\u00f6chin und Menschenfresser\u201c. Der erschwindelte Beweis, Marx sei schuld am Gulag, diente nur dazu, die K\u00f6chin bis zum St. Nimmerleinstag von der Leitung der allgemeinen Angelegenheit auszuschlie\u00dfen. Die Postmoderne, das ist das aufgeregte Einverst\u00e4ndnis damit, wie der Sp\u00e4tkapitalismus tagt\u00e4glich aufs Neue die M\u00f6glichkeit der Freiheit untergr\u00e4bt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><i>Oktober 1987<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[An dieser stelle dokumentieren wir einen alten Text des ISF aus Freiburg, der in gedruckter Form kaum mehr erh\u00e4ltlich ist. 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