{"id":1357,"date":"2014-04-02T01:47:10","date_gmt":"2014-04-01T23:47:10","guid":{"rendered":"http:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1357"},"modified":"2024-06-29T22:51:51","modified_gmt":"2024-06-29T20:51:51","slug":"von-falscher-dekonstruktion-und-postmoderner-unvernunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1357","title":{"rendered":"Von falscher Dekonstruktion und postmoderner Unvernunft"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Einige Anmerkungen zu \u201ePostmoderne-Veganismus-Anarchismus\u201c von Bernd-Udo Rinas. <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/fda-ifa.org\/gai-dao-nr-40-april-2014\/\">In der April-Ausgabe der GaiDao erschienen.<\/a><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><i>Nords\u00e4chsischer Bund der Satano-Kommunist*innen \/ Leipzig<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?attachment_id=3346\" rel=\"attachment wp-att-3346\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-3346\" src=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2014\/04\/our-present-image-1947-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2014\/04\/our-present-image-1947-228x300.jpg 228w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2014\/04\/our-present-image-1947-778x1024.jpg 778w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2014\/04\/our-present-image-1947-768x1011.jpg 768w, https:\/\/liberadio.noblogs.org\/files\/2014\/04\/our-present-image-1947.jpg 925w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/a>Dieser Beitrag ist keine direkte Antwort auf die Vortragsank\u00fcndigung von Bernd-Udo Rinas, die in der 6. Sonderausgabe der GaiDao \u201eZeit f\u00fcr Plan A\u201c abgedruckt wurde. Es macht nicht viel Sinn auf eine Ank\u00fcndigung zu antworten. Sagen wir mal, dieser Beitrag wurde dadurch \u201einspiriert\u201c. So weit wir wissen, fand der Vortrag \u201ePostmoderne-Veganismus-Anarchismus\u201c und die Diskussion um seine Thesen in Witten w\u00e4hrend der Kampagne der AFRR nicht statt, dennoch ist es m\u00f6glich sich mit ihnen auseinander zu setzen: so weit wir beurteilen k\u00f6nnen, lassen sich die Thesen, etwas ausf\u00fchrlicher dargestellt, im Buch \u201eAnarchismus in der Postmoderne\u201c (2005) finden. Der Autor w\u00fcnschte sich eine \u201eanarchistische\u201c Auseinandersetzung mit dem Begriff Postmoderne und mit der veganen Lebensweise. Diese sollte unserer Meinung nach tats\u00e4chlich stattfinden, die hoffentlich weiter f\u00fchren wird als die, die 2009 in der Graswurzelrevolution unter dem Titel \u201eAnti-Speziezismus? Schmeckt mir nicht!\u201c stattfand. (1) Denn zum Einen bringt der Autor die drei oben genannten Begriffe (2) zusammen auf eine Weise, und stellt dazu Thesen auf, die uns h\u00f6chst umstritten scheinen. Zum Anderen scheint es uns sehr besorgniserregend, dass solche Beitr\u00e4ge in der Gai Dao unkommentiert oder unwidersprochen erscheinen und sich die postmoderne Konfusion in der anarchistischen Szene breitmacht. (3)<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Wir vernahmen allerdings kritische Stimmen, die mit den von Rinas aufgestellten Thesen nicht zufrieden waren. Den meisten ging es jedoch um die Verkn\u00fcpfung von Anarchismus und Veganismus, die von Rinas als unabdingbar dargestellt wird: \u201eMensch muss Veganer_in geworden sein, um wirklich anarchistisch zu sein!\u201c (4) Die Behauptung scheint uns sogar berechtigt, diskutabel w\u00e4re sie auf jeden Fall. Problematischer finden wir einerseits die postmoderne (postmodernistische?) Fundierung des Veganismus und andererseits seine wiederum postmodern fundierte Verbindung mit edm Anarchismus. Doch &#8211; der Reihe nach. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Rinas stellt ein Veralten des (\u201eklassischen\u201c) Anarchismus und ein Aufkommen einer jugendlichen Subkultur fest, die in der a priori angenommenen und nicht weiter erkl\u00e4rten Postmoderne eine vegane Lebensweise pflegt. So will Rinas \u2013 ein ehrenhaftes Vorhaben \u2013 den Anarchismus am Leben erhalten und pl\u00e4diert daf\u00fcr, diesen mit der veganen Subkultur zu verm\u00e4hlen. Das geht nicht ohne Weiteres, denn der \u201eklassische\u201c Anarchismus ist anthropozentrisch &#8211; setzt den Menschen als Ma\u00df aller Dinge, modern und den Idealen der Aufkl\u00e4rung verpflichtet, was in der Postmoderne freilich eine Unversch\u00e4mtheit sein soll. Demzufolge ist der Anarchismus heutzutage nicht nur unpopul\u00e4r, ohne \u201eAnschluss an die Basis\u201c, sondern auch angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen komplett hilflos. Was den Autor zu einer durchaus richtigen Feststellung f\u00fchrt, dass der identit\u00e4r, d.h. auch ideologisch gewordene Anarchismus tats\u00e4chlich zu einem \u201ehistorischen Produkt\u201c geworden ist. Nun, stellt sich in der These 7 der Vortragsank\u00fcndigung heraus, dass ein anderer, richtiger Anarchismus schon l\u00e4ngst existiert: die vegane Bewegung, die viele althergebrachten Begriffe des Anarchismus wie Freiheit, Individualit\u00e4t, Solidarit\u00e4t, Herrschaft, gegenseitige Hilfe usw. in Frage stellt, anders auslegt und auslebt. Soweit die Thesen, die von Rinas zu Diskussion gestellt wurden. Doch sowohl in der Vortragsank\u00fcndigung als auch im Buchbeitrag hantiert der Autor mit Begriffen und Annahmen, die nicht ohne Weiteres plausibel sind, zieht Schl\u00fcsse, die nicht einleuchtend sind. Machen wir ihm aus seiner Besch\u00e4ftigung mit der postmodernen Theorien keine Rechtfertigung \u2013 denn ein Postmoderner w\u00e4re vielleicht ja auch nicht verpflichtet logisch zu argumentieren, das w\u00e4re sonst aufkl\u00e4rerisch und folglich repressiv \u2013 sondern wenden uns einigen seiner Thesen zu. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><b>Welche (Post-)Moderne?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Worum es, noch mal, Rinas geht ist, \u201edem Anarchismus (\u2026) eine Chance geben, als (alte) Theorie auch in der Postmoderne eine Bedeutung zu behalten\u201c. (5) Es ist diese diffuse Postmoderne, die pl\u00f6tzlich da ist, mit der wir uns abfinden m\u00fcssen. Es ist die mit Verweis auf Bauman diagnostizierte \u201eAufl\u00f6sung der Objektivit\u00e4t\u201c, die als positiv empfundene Abwesenheit von Wahrheit und Bedeutung in der Welt. Die lineare Modernisierung, der Fortschrittsglaube der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, die Zuversicht, dass es nur noch besser wird, ist passe. \u201eKurzum: die moderne Gesellschaft ist gescheitert und hat der Postmoderne Platz gemacht, die sich nun anstrengen muss, nicht mehr angestrengt hinter den Zielen der Moderne hinter her zu laufen um Ordnung und Eindeutigkeit herzustellen\u201c. (6) Wie wenig hat Zygmunt Bauman die Kritische Theorie, die verzweifelte Verteidigung der Vernunft und der Aufkl\u00e4rung verstanden, auf deren begrifflichen Knochen er soziologisches Fleisch bilden wollte, (7) wenn mensch mit ihm so leichsinnig-postmodern und beil\u00e4ufig nicht nur die Kapitulation der Vernunft (8) in der Welt ausruft, sondern auch die unbedingte Anpassung daran fordert. Das einzige Mittel, das Umschlagen der Aufkl\u00e4rung in Gr\u00e4ueltaten der Moderne zu begreifen, d.h. auch sie ggf. abzuwenden, sie zu beheben, ist der Verstand, ist die menschliche Vernunft, ist immer noch die Aufkl\u00e4rung. (9) Wie unendlich weiter als solche \u201eKritiker der Moderne\u201c war der nicht mehr als aktuell geltende Landauer, als er schrieb: \u201eWahrheit aber ist ein durchaus negatives Wort, die Negation an sich&#8230; Alles ist anders: das ist die Formel all unserer Wahrheit\u201c, (10) auch wenn das tats\u00e4chlich zum wenigen Brauchbaren aus seinem Werk geh\u00f6rt! <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Doch was ist diese Postmoderne eigentlich, wann setzt sie an? Und viel mehr: gegen welche Moderne und warum will sie sich absetzten? Au\u00dfer der oben zitierten Ausf\u00fchrungen finden wir bei Rinas nichts. Nach Wolfgang Welsch ist der Postmodernismus \u201ein Wahrheit weder irrational (wenn schon, w\u00e4re er als hyper-rational zu bezeichnen) noch huldigt er einem &#8216;anything goes&#8217;, sondern beachtet die Unterschiede des Gutgehens, Danebengehens und Zugrundegehens sehr genau. Auch ist er kein Agent von Beliebigkeit, sondern sch\u00e4tzt spezifische und benennt allgemeine Verbindlichkeiten, und er pl\u00e4diert nicht f\u00fcr Orientierungslosigkeit, sondern tritt f\u00fcr pr\u00e4zise Ma\u00dfgaben ein. (\u2026) Die Postmoderne hat tiefere Wurzeln und eine l\u00e4ngere Herkunft, und sie arbeitet an gravierenderen Problemen als denen des Tages. (\u2026) Zudem muss man sich (\u2026) im klaren sein, dass Postmoderne und Postmodernismus keineswegs eine Erfindung von Kunstheoretikern, K\u00fcnstlern und Philosophen sind. Vielmehr ist unsere Realit\u00e4t und Lebenswelt &#8216;postmodern&#8217; geworden. (\u2026) Real ist eine Gesamtsituation der Simultaniet\u00e4t und Interpenetration differenter Konzepte und Anspr\u00fcche entstanden. Auf deren Grundforderungen und Probleme sucht der postmoderne Pluralismus zu antworten\u201c. (11) Demgem\u00e4\u00df ist die Postmoderne radikal pluralistisch und tritt f\u00fcr Mannigfaltigkeit von Wissensformen, Lebensentw\u00fcrfen und Handlungsmustern ein und ist somit per se anti-totalit\u00e4r und von konfliktorientierten Ethik gepr\u00e4gt. Wir erfahren allerdings auch, dass die Postmoderne keine \u201eTrans- oder Anti-Moderne\u201c ist: \u201eSie ist eigentlich radikal-modern, nicht post-modern. Und auch: sie geh\u00f6rt \u2013 als eine Transformationsform derselben \u2013 der Moderne zu. (\u2026) &#8216;Postmoderne&#8217; bezeichnet nur die Form, wie diese Moderne gegenw\u00e4rtig einzul\u00f6sen ist\u201c. (12)<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">So zitiert Rinas unter anderem auch den Soziologen Ulrich Beck, demnach die Postmoderne schlicht ein Gef\u00fchl bezeichnet, dass das bisher Dagewesene nicht mehr zu gelten scheint, w\u00e4hrend das Neue (noch) nicht gefasst werden kann. \u201eVergangenheit plus &#8216;post&#8217; gleich wortreiche, aber begriffstutzige Gegenwart\u201c. (13) Allen Bem\u00fchungen zum Trotz, sieht es leider nicht so aus, \u201edass die Postmoderne grunds\u00e4tzlich als Hort der Kritik der bisherigen klassischen Gesellschaftsanalyse\/Gesellschaftstheorie (\u2026) zu verstehen ist\u201c, nur dass sie eine anti-aufkl\u00e4rerische Infragestellung f\u00fcr grundlagentheoretische Begrifflichkeiten bedeutet\u201c. Sollte die so genannte Postmoderne auch nach Welsch nur ein kurzes Zweifeln der Moderne an sich bedeuten, nur um so selbstvergessener und ohne zu hadern dieselbe kapitalistische und \u00f6kologische Katastrophe weiter zu betreiben \u2013 wenn mensch die Worte Zygmunt Baumans von der \u201eschwindenden Universalit\u00e4t\u201c, (14) also von der abwesenden Wahrheit ernst nimmt, demzufolge die Postmoderne einfach ein Arrangement mit der Unsicherheit, mit dem katastrophalen Zustand der Welt und der Verzicht auf eine kategorische Kritik daran w\u00e4re \u2013 wie kann sich eine Gesellschaftskritik, die radikal sein will, darauf positiv beziehen? <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Freilich geh\u00f6rt zum Verstehen der \u201ePostmodernit\u00e4t\u201c \u00fcberhaupt erst irgendeine Bestimmung der Moderne, gegen die sich die Postmoderne abgrenzen will. Und zugegebenerma\u00dfen ist der Begriff auch diffus und sehr umstritten. Was ist das, wann f\u00e4ngt sie an? Mit der Aufkl\u00e4rung, mit dem Aufkommen der kartesianischen Philosophie? Mit der Herausbildung der uns gel\u00e4ufigen Form der Staatlichkeit, des Manufakturen- und Fabrikregimes? Mit der noch im \u201eManifest der kommunistischen Partei\u201c (1848) angedeuteten Globalisierung des Marktes? Libert\u00e4rer \u201eMarxianer\u201c Helmut Thielen beschreibt Moderne ganz allgemein als \u201eein totales System von Herrschaftsstrukturen\u201c, zu denen er die Verf\u00fcgung \u00fcber das menschliche Arbeitsverm\u00f6gen und Produktionsmittel (technische Mittel und Naturwissenschaften), die Machtapparate des Staates und die \u201eSelbstbeherrschung des menschlichen Individuums\u201c z\u00e4hlt. \u201eZum der Tendenz nach totalit\u00e4ren System werden diese vier Strukturen der Herrschaft durch drei Eigenschaften: formelle Rationalit\u00e4t, strukturelle \u00c4hnlichkeit und funktionelle Verflechtung\u201c. (15) Da die Soziologen ja auch zugeben, dass es aus der Sicht der technologisch-produktiven Effizienz keinen Bruch zwischen der Moderne und der Postmoderne gibt, (16) k\u00f6nnten wir uns auch der Diagnose von Thielen anschlie\u00dfen: \u201eIn den neunziger Jahren wurde versucht, mit ideologischen Formeln, toten steinernen Worten wie &#8216;Postmoderne&#8217; oder &#8216;Globalisierung&#8217;, das notwendige kritische Wissen zu ersetzen, \u00fcber die Krise der Moderne, die neuen Eigenschaften eines schon l\u00e4ngst mundialisierten Kapitalismus und die Spuren und Elemente einer Gesellschaft jenseits der Ultramoderne und des kapitalistischen Weltsystems\u201c. (17)<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Es handle sich also immer noch um die Epoche einer chronisch krisenhaften kapitalistischen Vergesellschaftung, einer an sich selbst irre werdenden Moderne, in der das fehlgeschlagene Projekt der Aufkl\u00e4rung in den Mythos, verwissenschaftlichte Sprachmagie und Geschichtsvergessenheit umschl\u00e4gt. Die \u201eVerabschiedung der Meta-Erz\u00e4hlungen, gerade auch der Meta-Erz\u00e4hlung der Neuzeit \u2013 Mathesis universalis \u2013 und ihrer Nachfolgeformen\u201c (18) wird nachdr\u00fccklich gefordert. Diese Kapitulation der Vernunft als Pluralismus getarnt, ist jetzt n\u00e4mlich nicht nur \u201edominant und obligat\u201c, sondern auch noch total. Es wird postuliert, \u201edass die postmoderne Pluralit\u00e4t radikaler ist als jede vorherige, so radikal n\u00e4mlich, dass sie nicht mehr durch Gegenmotive aufgefangen oder \u00fcberboten werden kann, sondern jetzt konsequenterweise zur Grundverfassung werden muss\u201c. (19) Nur fehlt diesmal jenes ungl\u00fcckliche Bewusstsein der Niederlage und des Umschlagens der Zivilisation in die Barbarei, an die sich z.B. noch die Kritische Theorie klammerte. Dazu die von euphorischem Mitmachertum strotzende Eigendiagnose: \u201eDie Ver\u00e4nderungen von der industriellen Produktions- zur postindustriellen Dienstleistungs- und postmodernen Aktivit\u00e4ts-Gesellschaft, die \u00f6konomische Umstellung von Globalkonzepten auf Strategien der Diversifizierung, die Strukturver\u00e4nderungen der Kommunikation infolge der neuen Technologien, das neue wissenschaftliche Interesse an nicht-deterministischen Prozessen, an Strukturen der Selbstorganisation, an Chaos und fraktaler Dimension, die philosophische Verabschiedung des rigorosen Rationalismus und Szientismus und der \u00dcbergang zu einer Vielfalt konkurrierender Paradigmen&#8230; Die Beispiele w\u00e4ren vom \u00f6kologischen Bewusstsein \u00fcber neuere Feminismen und manche Regionalismen bis zur Wiederaneignung esoterischer Traditionen und zur Anerkennung alternativer Praktiken in der Medizin unschwer zu erweitern\u201c. (20)<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Diese sich \u201eanti-totalit\u00e4r\u201c gebende totale Vergesellschaftung samt ihres enthusiastischen Bewusstseins wurde 1967 unseres Erachtens treffend von Guy Debord als \u201eGesellschaft des Spektakels\u201c beschrieben. \u201eDie Sprache des Spektakels besteht aus Zeichen der herrschenden Produktion, die zugleich der letzte Zweck dieser Produktion sind. (&#8230;) Das Spektakel stellt sich als eine ungeheure, unbestreitbare und unerreichbare Positivit\u00e4t dar. Es sagt nichts mehr als: &#8216;Was erscheint, das ist gut; und was gut ist, das erscheint&#8217;. Die durch das Spektakel prinzipiell geforderte Haltung ist diese passive Hinnahme, die es schon durch seine Art, unwiderlegbar zu erscheinen, durch sein Monopol des Scheins, faktisch erwirkt hat. (\u2026) Die Gesellschaft, die auf der modernen Industrie beruht, ist nicht zuf\u00e4llig oder oberfl\u00e4chlich spektakul\u00e4r, sie ist zutiefst spektakularistisch. Im Spektakel, dem Bild der herrschenden Wirtschaft, ist das Endziel nichts, die Entwicklung alles. Das Spektakel will es zu nichts anderem bringen als zu sich selbst.\u201c (21) Vor dem Hintergrund der industriellen Produktion von Waren und ihres Austauschs auf dem Weltmarkt erscheint die hochgelobte postmoderne Vermittlung von Ganzheit und Differenz (22) wohl nicht wie die von Adorno ersehnte \u201eVerwirklichung des Allgemeinen in der Vers\u00f6hnung der Differenzen\u201c, ein Zustand, \u201ein dem man ohne Angst verschieden sein kann\u201c (23), sondern als als ein grausamer gesellschaftlicher Zwang, der sich erst durch den Ausschluss aller durch alle mittels Staatsgewalt im Warentausch zusammensetzt. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Es scheint uns, diese Postmoderne oder dieser Postmodernismus, von denen hier so viel die Rede war, ist nicht anderes als das sture, nichts begreifen wollende Selbstbewusstsein einer tiefen und ausweglosen Krise des Kapitalismus. Denn eine sachliche Analyse der gesellschaftlichen Triebkr\u00e4fte findet mensch bei Wolfgang Welsch nur nebenbei, im kurzen Referieren von soziologischen Feststellungen; bei Rinas sucht mensch danach bezeichnenderweise vergeblich. (24) Ohne dieses Wissen \u00fcber die Moderne ist auch ihre Aufhebung bzw. \u00dcberwindung nicht m\u00f6glich, aber erst \u201e&#8230;(das) w\u00e4re ein wirklicher Fortschritt, n\u00e4mlich \u00fcber die repressive Moderne hinaus. Er konstituierte eine Postmoderne, die diesen Namen verdiente, n\u00e4mlich substanziiert, mit Inhalt gef\u00fcllt, und nicht mehr, wie bis heute, eine Leerformel, die vorgibt, etwas Neues zu sein wie im M\u00e4rchen von des Kaisers neuen Kleidern\u201c. (25)<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><b>Was f\u00fcr (Post-)Anarchismus?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif\"><span style=\"font-size: medium\">Aus diese Weise will mensch also dem ollen Anarchismus \u201eeine Chance\u201c geben, den Zug nicht zu verpassen und sich auch endlich der triumphierenden Postmoderne anzubiedern. Es ist unseres Erachtens tats\u00e4chlich ein \u201eModernisierungsbedarf\u201c (wohl aber kein Postmodernisierungsbedarf) da. Dass \u201eder\u201c Anarchismus nicht viel von Wirtschaft und folglich nicht viel von seinem Erzfeind Staat versteht, dass er vielerorts zu einer idetit\u00e4ren, sprich ideologischen Jugendsubkultur erstarrt, die das linke Elend mir ihren pseudo-praktischen Ritualen nur noch reproduziert, dass er wahrscheinlich wirklich historisch \u00fcberholt ist (aber nicht weil zu wenig Day, Kastner oder May gelesen werden) \u2013 das w\u00e4ren u.A. die Ansatzpunkte; und nicht die Aufgabe des Anthropozentrismus samt Einf\u00fchrung von Veganimsus und Tierrechten, wollte mensch den Anarchismus tats\u00e4chlich \u201eretten\u201c. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif\"><span style=\"font-size: medium\">Es ist uns, zugegeben, nicht bekannt, wie eng der Veganismus \u201emit postmodern Tendenzen verbunden\u201c ist. Wir sind aber der Meinung, dass er sich auch nicht unbedingt postmodern \u2013 in diesem Falle nicht-anthropozentrisch \u2013 fundieren lie\u00dfe. Andererseits ist uns ebenfalls nicht bekannt, warum der menschenzentrierte Anarchismus \u201ekeine Grundlage f\u00fcr vegan lebende Menschen sein\u201c (26) kann. Warum also \u00fcberhaupt diese Verbindung zwischen Anarchismus und Veganismus, die auf Biegen und Brechen zustande kommen muss? Sind Mitleid und der Wunsch, die Welt und sich selbst zum Besseren zu ver\u00e4ndern, nicht ausreichend? (27) Wiederum wird es wahrscheinlich nicht ein mal vegan lebenden Menschen selbst einfallen, zu behaupten, der Veganismus w\u00e4re genuin anarchistisch: dieser ist auch f\u00fcr moralisierende Appelle an die Staatsmacht und \u201e\u00f6ko-faschistische\u201c Tendenzen anf\u00e4llig. Die Aufgabe des anthropozentrischen Weltbildes aber muss vermutlich selbst f\u00fcr Rinas nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer umweltbewusst und tierlieb verbr\u00e4mten Misanthropie f\u00fchren. Dass Veganer*innen \u201eebenso wie Anarchist*innen, eine herrschaftsfreie Gesellschaft\u201c (28) wollen, ist nicht ohne Weiteres ersichtlich.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,serif\"><span style=\"font-size: medium\">Anstatt sich zu \u00fcberlegen, wie mensch inmitten unserer geistigen und sehr materiellen Katastrophe die letzten Reste der revolution\u00e4ren Vernunft retten k\u00f6nnte, sorgt sich Rinas um die fehlende \u201eCorporate Identity\u201c (29) des Anarchismus in der Postmoderne und schl\u00e4gt vor, die Leute, jene vermisste soziale Basis des Anarchismus, dort abzuholen, wo sie stehen. \u201eDie Aufgabe lautet also, sich dieser Zielgruppe zu stellen, in diesem Fall der jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich als Vegan\/erInnen bezeichnen. (\u2026) w\u00fcrde dies, zumindest den Jugendlichen, die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, in der Postmoderne anarchistisch leben zu k\u00f6nnen\u201c. (30) Sollte das Interesse an solcher Verbindung sich alleine daraus erkl\u00e4ren, den Anarchismus den Veganer*innen anzupassen, fragt sich: warum? Das eigentliche Ziel besteht offensichtlich in der Anpassung des Anarchismus an die Postmoderne, andere Gr\u00fcnde ergeben aus Rinas Texten nicht. Die Veganer*innen k\u00f6nnen das nur besser hinbekommen, weil die angeblich sowohl postmodern als auch anarchistisch sind. Mal von einer fragw\u00fcrdigen tierrechtlichen\/dekonstruktivistischen\/heteronormativit\u00e4tskritischen Praxis abgesehen, auf die wir noch zu sprechen kommen, sind wir gezwungen anzumerken, dass diese \u201esoziale Basis\u201c eine sehr merkw\u00fcrdige w\u00e4re. Demzufolge w\u00e4ren (junge) Menschen, denen es haupts\u00e4chlich um die Verbindung Anarchismus-Veganismus geht, in einer sehr beneidenswerten gesellschaftlichen Situation: es juckt sie die Ausbeutung eigener oder \u00fcberhaupt menschlicher Arbeitskraft, die Entfremdung, Verdinglichung und Zurichtung des eigenen oder \u00fcberhaupt menschlichen Lebens nicht; sie verkaufen ihre Arbeitskraft nicht, um f\u00fcr den kargen Lohn die unn\u00fctzigen Produkte zu erwerben, die sie selber davor produziert haben. Stattdessen besitzen sie wahrscheinlich alle Tattoo- und Piercingsalons, in denen sie sich gegenseitig schm\u00fccken. Diese ironische Verzerrung wird nat\u00fcrlich so nicht stimmen, jedoch den Anarchismus einer jugendlichen Mittelschichtssubkultur unterzustellen, der aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess der Gesellschaft die Ausbeutung (noch) erspart bleibt, ist mehr als fragw\u00fcrdig. Es ist allerdings so, dass der Anarchismus nach dem 2. Weltkrieg, zumindest in Europa, eh eine Subkultur und Szene ist. Mensch kann freilich dem Ganzen noch eine Subkultur beimischen, es wird dadurch nicht besser.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Nun zu den \u201eneuen\u201c Impulsen, unter denen als wichtigster die dekonstruktivistische Praxis fungiert. \u201eDekonstruktion versucht, das &#8216;Mitgesagte&#8217;, das &#8216;Nichtgesagte&#8217; herauszufiltern, also alles, was nicht behauptet und ausgelassen wurde, aber eben doch mitgedacht wurde\u201c. (31) Es ist in der Tat nichts Falsches daran, den ollen Anarchismus seines b\u00fcrgerlich-revolution\u00e4ren Ursprungs bewusst zu machen: seines Fortschrittsglaubens, seines Positivismus, der Teilung zwischen der \u201eGesellschaft\u201c und dem \u201eStaat\u201c, an denen er immer noch festh\u00e4lt. Doch postmodern anti-anthropologisch gewendet artet diese notwendige Hinterfragung in eine Begriffsjonglage aus, die die Begriffe so weit verfl\u00fcssigt, dass damit gar nichts mehr ausgedruckt werden kann. (32) Das demonstriert Rinas anhand des oft in anarchistischen Kreisen benutzten Begriffs der Solidarit\u00e4t. Unter der Berufung auf Richard J.F. Days Analysen der neueren sozialen Bewegungen in Nordamerika, postuliert Rinas eine Erweiterung der Solidarit\u00e4t auf Tiere. Doch bei Day, trotz all seiner Sympathien f\u00fcr Poststrukturalismus und \u201eDerridean ethics\u201c, geht es die ganze Zeit um solidarisches Zusammenk\u00e4mpfen unterschiedlicher Ein-Punkt-Bewegungen, die wenigstens zum Teil dieselben Unterdr\u00fcckungserfahungen gemeinsam durchmachen. In seinen Beispielen verbinden sich antirassistische, antisexistische, LGBT- und Klassenk\u00e4mpfe. \u201eGroundless solidarity arises from a precarious &#8216;unity in diversity&#8217; of its own, a complex set of (partially) shared experiences of what it means to live under neoliberal hegemony, what it means to fight it \u2013 and to create alternatives to it. It provides a basis for linking the coming communities, for creating relationships that do not divide us into disparate, defenseless subjects begging to be integrated by the dominant order\u201c. (33) Doch geht es bei Day immer noch um Herrschaftserfahrungen, die Menschen machen, die wiederum einander in ihren jeweiligen K\u00e4mpfen unterst\u00fctzen. Das stellt uns vor solch komplizierte wie ausgelutschte Begriffe wie Herrschaft und gegenseitige Hilfe \u2013 denen wir nicht beikommen werden, ohne uns mal mit dem menschenzentrierten Weltbild auseinander zu setzten. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Es w\u00fcrde den Gedanken von \u201egroundless solidarity\u201c und \u201einfinite resposibility\u201c etwas ganz entscheidendes fehlen, w\u00e4ren sie genau so auf, wie das Antispeziezist*innen sagen w\u00fcrden, \u201enicht-menschliche Tiere\u201c \u00fcbertragen werden. Mal davon abgesehen, dass es unseren menschlichen Blicken nicht zug\u00e4nglich ist, dass Tiere au\u00dfer, dass sie ausgebeutet werden und leiden k\u00f6nnen, auch noch K\u00e4mpfe f\u00fchren, mit denen mensch sich als menschliches Tier solidarisieren k\u00f6nnte \u2013 es w\u00fcrde uns sehr freuen, wenn wir in unseren Alltagsk\u00e4mpfen mehr Solidarit\u00e4t von Tieren erfahren w\u00fcrden. Doch im Ernst: der Begriff Herrschaft ist zwar nicht der Natur entnommen, sondern stammt sehr wohl aus der menschlichen Gesellschaft, ist es trotzdem m\u00f6glich von der Naturbeherrschung zu sprechen. Im Sinne der Kritischen Theorie verr\u00e4t der Mensch jedoch bei der Beherrschung der Natur immer auch das naturhafte in sich selbst. Von daher wollen wir der Forderung nach dem Abschaffen des tierischen Leidens nicht widersprechen: in ihm deutet sich an, wie grausam die Gesellschaft zu ihren einzelnen Mitgliedern sein kann. Es stellt sich nur die Frage: durch wen und wie soll das Leiden abgeschafft werden. Was sagt also dazu der neue, nicht-anthropozentrische Anarchismus, der \u201edas noch vorherrschende Menschen- und Weltbild (ersch\u00fcttert), indem eine radikal neue Bezugsebene mit der Natur erstellt wird\u201c?<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Rinas jedenfalls sagt dazu nicht viel, au\u00dfer dass auch Menschen nicht hinbekommen, unter einander \u201efreie Vereinbarungen\u201c zu etablieren, was als Folge haben soll, dass \u201edas Menschenbild (des \u201eklassischen\u201c, aufkl\u00e4rerischen Anarchismus \u2013 A.d.V.) nicht mehr als der zentrale Unterscheidungsgrund zu anderen Gesellschaftsentw\u00fcrfen gelten kann\u201c. (34) Wir bef\u00fcrchten aber, dass alle \u201eGesellschaftsentw\u00fcrfe\u201c eh Entw\u00fcrfe von menschlichen Gesellschaften sein werden, so wie der Bienen- oder Ameisenstaat eben kein Staat ist. <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Doch was steckt dahinter, wenn z.B. behauptet wird, \u201e&#8230;den Anthropozentrismus als eine Grundlage innerhalb von Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen zu sehen, ohne dass dadurch &#8216;der Mensch an sich&#8217; abqualifiziert werden muss\u201c? (35) Anders gefragt: was ist eigentlich ein emanzipatorisches Projekt, dem der leibliche Mensch in seiner Materialit\u00e4t nicht zum Ma\u00df aller Dinge wird? In den von Rinas zitierten flachen \u00d6konomievortsellungen der Zeitschrift VOICE wird es bereits angedeutet: typisch f\u00fcr alle Zins- und Zinseszinskritiker*innen ist das Wunschbild einer einfachen und gerechten Geld- und Waren\u00f6konomie, wo das nach dem Vorbild der Kreisl\u00e4ufe in der Natur \u201egleichm\u00e4\u00dfig zirkulierende Geld\u201c (36) die menschliche Gesellschaft von unn\u00f6tigen Abstraktionen bereinigt. Als gar nicht so postmoderne Spiegelbild dieser Verblendung dienten der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft seit ihrer Entstehung romantisierte Vorstellungen von Tier und Natur: <span style=\"font-family: Times New Roman,serif\"><span style=\"font-size: medium\">\u201e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif\"><span style=\"font-size: medium\">Je deutlicher sich das gesellschaftliche Zwangsverh\u00e4ltnis dem archaischen Kampf aller gegen alle anglich, umso st\u00e4rker sehnten sich die Menschen nach dem Original zur\u00fcck. (\u2026) Die vegane Tierrechtsszene ist dabei nur der Lautsprecher des allgemeinen Bed\u00fcrfnisses, im Namen der im Tier verk\u00f6rperten Natur gegen die verderbte und dekadente Zivilisation anzugehen&#8230;\u201c. (37) Was unseres Erachtens dem Tierschutz und dem Veganismus nicht zwangsl\u00e4ufig Abbruch tut. Allerdings stellt die Kritik am m\u00e4nnlichen, rassistischen, bis zur Grausamkeit verrationalisierten Subjekt der Aufkl\u00e4rung nicht die Rolle, die alleine der menschlichen Vernunft zukommt, in Frage. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">So schrieben Adorno und Horkheimer in \u201eMensch und Tier\u201c, jenem ber\u00fchmten Anhang zur \u201eDialektik der Aufkl\u00e4rung\u201c, der jeder und jedem Veganer*in bekannt sein d\u00fcrfte: \u201eDie Welt des Tieres ist begriffslos. (\u2026) Die Dauer des Tieres, vom befreienden Gedanken nicht unterbrochen, ist tr\u00fcbe und depressiv. Um dem bohrend leeren Dasein zu entgehen, ist ein Widerstand notwendig, dessen R\u00fcckgrat die Sprache ist\u201c. In der auf postmoderne Weise vom widerst\u00e4ndigen Denken befreiten Gesellschaft jedoch, \u201ein der die Menschen nach Verlust der Reflexion wieder zu den kl\u00fcgsten Tieren wurden\u201c (38), kommt es auf allein die Sprachbegabung nicht mehr an. Die postmodern-vegane Redeweise von \u201emenschlichen und nicht-menschlichen Tieren\u201c verr\u00e4t, was der Mensch dem Menschen in der Postmoderne sein soll \u2013 durchaus in der Tradition des b\u00fcrgerlichen Denkens: ein Wolf. (39) <\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Gegen\u00fcber \u201eder k\u00fcnstlich angedrehten Magie regressiver Naturfr\u00f6mmigkeit in der &#8216;Postmoderne&#8217;\u201c (40), in der die Natur mit \u201e(d)er herrschenden Praxis und ihren unentrinnbaren Alternativen\u201c (41) zusammenf\u00e4llt, gilt es f\u00fcr alle sich als emanzipatorisch verstehende Menschen, die Worte von Max Horkheimer hochzuhalten: \u201eDer einzige Weg, der Natur beizustehen, liegt darin, ihr scheinbares Gegenteil zu entfesseln, das unabh\u00e4ngige Denken\u201c. (42) Die Postmoderne ist das Gegenteil davon.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><b>Schlusswort<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Wir hoffen, somit dem Wunsch des Autors nach einer Auseinandersetzung entsprochen zu haben. Immerhin sind die Fragen, die er aufwirft, tats\u00e4chlich sehr wichtig und sollten weiter diskutiert werden. Damit es jedoch nicht in zu einer Stellvertreter-Debatte verkommt, w\u00fcrden wir es sehr begr\u00fc\u00dfen, wenn sich auch die nicht-menschlichen Tiere an der Diskussion beteiligen.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\">Fu\u00dfnoten:<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">1) GWR Nr. 340\/2009, <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/www.graswurzel.net\/340\/tierrechte.shtml\">http:\/\/www.graswurzel.net\/340\/tierrechte.shtml<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">2) Wir wollen sie bitte nicht als \u201eDiskurse\u201c bezeichnen.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">3) Obwohl die Szene f\u00fcr die uns\u00e4gliche Beliebigkeit doch sehr anf\u00e4llig zu sein scheint, Hauptsache sie ist gut genug verakademisiert und vermiest nicht die Pseudo-Aktivit\u00e4t der Szene. So spottete noch Mustapha Khayati 1966 in \u201eElend im studentischen Milieu\u201c: \u201eWas die verschiedenen &#8216;anarchistischen&#8217; Gr\u00fcppchen betrifft, die in dieser Benennung zusammen gefangen bleiben, besitzen sie nichts anderes als diese auf ein blo\u00dfes Etikett reduzierte Ideologie. Die unglaubliche &#8216;Monde Libertaire&#8217;, offensichtlich von Studenten verfasst, erreicht den fantastischen Grad an Konfusion und Dummheit. Diese Leute dulden tats\u00e4chlich alles, da sie sich untereinander dulden\u201c. <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/www.bildungskritik.de\/Texte\/ElendStudenten\/elendstudenten.htm\">http:\/\/www.bildungskritik.de\/Texte\/ElendStudenten\/elendstudenten.htm<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">4) So steht das im Internetauftritt zum j\u00fcngsten Buch des Autors \u201eVeganismus. Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?\u201c (2012): <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/veganarchistisch.de\/\">http:\/\/veganarchistisch.de\/<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">5) Rinas, Udo-Bernd: Postmoderne-Veganismus-Anarchismus, in: Gai Dao, Sonderausgabe Nr. 6, 2013, S. 18<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">6) Rinas, Udo-Bernd: Postmoderne-Veganismus-Anarchismus. Andeutungen zu einem nicht-anthropozentrischen, postmodernen und dekonstruktivistischen Anarchismus; in: Anarchismus in der Postmoderne, Hrsg. J\u00fcrgen M\u00fcmken, Frankfurt a.M., 2005, S. 137<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">7) Vgl. Bauman, Zygmunt: Dialektik der Ordnung: die Moderne und der Holocaust, 1994<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">8) Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft (1967). Zum Verst\u00e4ndnis, woher diese komische Vernunft kommt und warum sie in der Tat gleichzeitig an- und abwesend ist, empfehlen sich Kapitel 5 \u2013 7 aus dem Buch. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">9) Aber ist es nicht vermessen, von Menschen, die sich von Berufswegen mit dem postmodernistischen Kauderwelsch auskennen, zu verlangen, dass sie auch die sprachlich durchaus anstrengende \u201eDialektik der Aufkl\u00e4rung\u201c (Adorno\/Horkheimer) verstehen? Strengt sich die Postmoderne nicht geradezu an, unangestrengt zu wirken?<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">10) Landauer, Gustav: Skepsis und Mystik. Versuche im Anschluss an Mauthners Sprachkritik, Hrsg. Siegbert Wolf, Lich, 2011, S. 83f<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">11) Welsch, Wolfgang: Unsere postmoderne Moderne, Weinheim, 1991, S. 3f<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">12) Welsch, S. 4ff<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">13) Rinas, 2005, S. 141<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">14) Bauman, Zygmunt: Postmoderne Ethik, 1995, S. 62ff<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">15) Thielen, Helmut: Die W\u00fcste lebt. Jenseits von Kapital und Staat, 2001, S. 122f<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">16) Vgl. dazu Welsch, 1991, S. 26ff<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">17) Thielen, 2001, S. 302<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">18) Welsch, S. 79. Beachte mensch dazu noch, das Rinas neben Libearlismus, Sozialismus, Marxismus auch noch Kapitalismus f\u00fcr eine \u201eGro\u00dftheorie\u201c, sprich eine Meta-Erz\u00e4hlung h\u00e4lt. GaiDao, Sonderausgabe Nr. 6, 2013, S. 18<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">19) Welsch, S. 82<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">20) Ebd., S. 11<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">21) Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels\u201c, Thesen 7, 12, 13, 1996; S. 15ff<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">22) Welsch, S. 60ff<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">23) Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, 2003, S. 116<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">24) Es sei denn ein merkw\u00fcrdiges Pl\u00e4doyer aus einem veganen Blatt f\u00fcr einen fairen Tauschhandel und \u201edie Ausschaltung von Zins und Zinseszins\u201c, die \u201eh\u00f6chst wirkungsvolle Mittel der Herrschenden\u201c seien, also eine an der Oberfl\u00e4che kratzende Kritik der Zirkulationssp\u00e4re im Sinne P.J. Proudhons samt ihrer tendenziell antisemitischen Konnotation. Eine faszinierende Verblendung, die aller Ernstes f\u00fcr emanzipatorisch gehalten wird. Vgl. Rinas, 2005, S. 138 <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">25) Thielen, Helmut: Befreiung im 21. Jahrhundert, 2007, S. 84<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">26) Rinas, 2013, S. 18<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">27) Die Verwirrtheit des Ansatzes spiegelt sich zuweilen auf eine wunderbare Weise in solchen Publikationen wie \u201eDas Schlachten beenden!\u201c (GWR Verlag, 2010). So deutet die Einleitung z.B. einen Tierrechtsdiskurs an, w\u00e4hrend sich die Autoren aus dem ollen \u201eklassischen\u201c Anarchismus f\u00fcr einen ethischen Umgang mit Tieren und Natur aussprechen, ohne (na ja, nicht alle) der Verf\u00fchrung zu erliegen, durch die Hintert\u00fcr des Rechts in die befreite und vers\u00f6hnte Natur wieder den Staat einf\u00fchren zu wollen. Siehe dazu die Buchbesprechung in der GaiDao Nr. 2, 2011: <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/fda-ifa.org\/?attachment_id=718\">http:\/\/fda-ifa.org\/?attachment_id=718<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">28) Rinas, 2013, S. 20<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">29) Rinas, 2005, S. 136<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">30) Ebd. S. 138<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">31) Rinas, 2013, S. 19<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">32) Oder zu einer sehr modernistisch-b\u00fcrgerlichen Selbst\u00fcberh\u00f6hung wird, wo sie mittels performativer Sprachmagie, Travestie und Parodie, wie z.B. Judith Butler empfiehlt, die Natur, den K\u00f6rper nach eigenem Belieben neu zu schaffen meint. Vgl. dazu \u201eWarum ich nicht queer bin\u201c von Antje Schrupp in GWR 348, April 2010: \u201eUnd es leuchtete mir auch absolut ein, jedenfalls auf einer theoretischen Ebene. Allerdings fand ich es nicht wirklich alltagsrelevant. Zum Beispiel \u00e4nderte diese theoretische Erkenntnis ja nichts an der Tatsache, dass ich schwanger werden konnte, die M\u00e4nner, mit denen ich Sex hatte, aber nicht. So what\u201c. <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/www.graswurzel.net\/348\/queer.shtml\">http:\/\/www.graswurzel.net\/348\/queer.shtml<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">33) Day, Richard J.F.: Gramsci is Dead. Anarchist Currents in the Newest Social Movements, 2005, S. 202<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">34) Rinas, 2005, S. 150<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">35) Rinas, 2005, S. 152<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">36) <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/www.inwo.de\/perspektiven\/\">http:\/\/www.inwo.de\/perspektiven\/<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">37) Gerber, Jan: All you can eat, Jungle World Nr. 39, 2008. <a style=\"color: #00ff00\" href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2008\/39\/23856.html\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2008\/39\/23856.html<\/a> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">38) Horkheimer, Max und Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufkl\u00e4rung. Philosophische Fragmente, 2012, S. 270<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">39) Oder mit Zygmunt Bauman gesprochen \u2013 moderne Industriegesellschaften zerfallen in \u201eNeo-St\u00e4mme\u201c, die postmodern mythologisierte Barbarei kehrt auf dem h\u00f6chsten technologischen Niveau ein. Vgl. Bauman: Postmoderne Ethik, 1995, S. 211ff<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">40) Thielen, 2007, S. 88<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">41) Horkheimer \/ Adorno, 2012, S. 271<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #00ff00\"><em><span style=\"font-size: small\">42) Horkheimer, Max: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, GS Bd. 6, 1991, S. 135<\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Anmerkungen zu \u201ePostmoderne-Veganismus-Anarchismus\u201c von Bernd-Udo Rinas. In der April-Ausgabe der GaiDao erschienen. Nords\u00e4chsischer Bund der Satano-Kommunist*innen \/ Leipzig Dieser Beitrag ist keine direkte Antwort auf die Vortragsank\u00fcndigung von Bernd-Udo Rinas, die in der 6. 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