{"id":1328,"date":"2014-02-10T03:58:22","date_gmt":"2014-02-10T02:58:22","guid":{"rendered":"http:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1328"},"modified":"2018-11-04T00:06:31","modified_gmt":"2018-11-03T23:06:31","slug":"vom-kaukasischen-emirat-und-zum-slawischen-wahhabiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1328","title":{"rendered":"Vom Kaukasischen Emirat zum slawischen Wahhabiten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em>Einige Gedanken anl\u00e4sslich der Terroranschl\u00e4ge in Wolgograd<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>von Seepferd<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erneut wird Russland von Terroranschl\u00e4gen ersch\u00fcttert. Die Rede ist von den Selbstmordanschl\u00e4gen im S\u00fcden des Landes, in Wolgograd. Man spricht bereits vom dritten Anschlag: der erste ereignete sich am 21. Oktober 2013 und nahm 6 Menschen das Leben, viele wurden verletzt. Der zweite war am 29 November \u2013 eine gewaltige Explosion im Wolgograder Bahnhof, der dritte \u2013 bereits am n\u00e4chsten Tag, am 30. November, eine Bombe geht hoch in einem O-bus. Viele sterben, noch mehr werden verletzt. Die Stadt verwandelt sich in eine trauernde Hochsicherheitsburg, die Sylvester-Offizi\u00f6sit\u00e4ten werden abgesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So spektakul\u00e4r die Bilder, so hasserf\u00fcllt die Kommentare, so gewohnt ist inzwischen das Ganze. Es scheint manchmal, niemand hat etwas Wichtiges dazu zu sagen. (1) Klar, wollte man Reden voller Pathos schwingen, sollte man sich es lieber verkneifen. Der nicht-existente kritische Journalismus, die zertrampelte \u201eZivilgesellschaft\u201c, die \u201eprogressiven Kr\u00e4fte\u201c, alle wirken sehr zur\u00fcckhaltend. Warum? Wohl nicht nur aus Piet\u00e4t, Mitleid oder Trauer. Es ist einfach schon alles gesagt worden, vor vielen Jahren. Es hat seit der 1. Tschetschenischen Kampagne 1994 nicht aufgeh\u00f6rt zu krachen , das sind mittlerweile 20 Jahre. Dennoch werden manche Dinge sichtbarer, etwas ist seitdem auch anders geworden, einiges wird sich noch \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es stimmt allerdings nicht ganz, mit dem \u201eS\u00fcden der Republik\u201c. Und warum werden eigentlich so gerne nur Terroranschl\u00e4ge auf dem \u201erussischen\u201c Boden aufgez\u00e4hlt? Pl\u00f6tzlich erinnert man sich: tats\u00e4chlich, im August 2004 explodierten zwei Passagierflugzeuge in der Luft \u00fcber Tula und Rostow-na-Donu, M\u00e4rz 2010 sprengen sich zwei Attent\u00e4terinnen in der Moskauer U-Bahn, Januar 2011 sprengte sich ein Terrorist im Moskauer Flughafen Domodedowo \u2013 um nur die bekanntesten Anschl\u00e4ge zu nennen. Es waren in diesen 20 Jahren um einiges mehr. Es kommt darauf an, an was man sich erinnern m\u00f6chte und wo der \u201erussische\u201c Boden beginnt. Nimmt man doch dazu den t\u00e4glichen Ausnahmezustand in Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien, all die bewaffneten \u00dcbergriffe, Entf\u00fchrungen usw., was in den polizeilichen Statistik als organisierte Kriminalit\u00e4t und Banditismus, und eben nicht als Terrorismus gef\u00fchrt wird, ver\u00e4ndert sich das Bild komplett.<!--more--><br \/>\nDer Nordkaukasus, offensichtlich ein Gebiet, das f\u00fcr den russischen Staat von immenser geopolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist. Davon abgesehen, dass dort die Pipelines liegen, durch die \u00d6l und Gas vom Kaspischen zum Schwarzen Meer transportiert wird, ist diese Region ein Schauplatz eines \u00fcber 200 Jahre w\u00e4hrenden Kolonialkrieges. Das M\u00f6chte-gern-immer-noch-Imperium verbei\u00dft sich seitdem in Nordkaukasus, der unter den Zaren Alexander I. und Nikolai I. kolonisiert wurde. W\u00fcrde dieses haupts\u00e4chlich von Muslimen bewohnte Gebiet vom Russland abfallen, m\u00fcsste sich Russland um andere kolonisierten, nicht-christlichen, nicht slawisch besiedelten Gebiete ernsthafte Sorgen machen. Denn was ist Russland eigentlich sonst, als ein einziges kolonisiertes Gebiet, das jede Zeit platzen k\u00f6nnte? Nur die Kolonien sind nicht irgendwo \u00fcber dem Meer, sondern sind \u201eangeschlossen\u201c, sind Teil der Metropole selbst. Daher auch die schizophrene Wahrnehmung der Region in der letzten Jahren: in den kaukasischen Republiken hat es nie aufgeh\u00f6rt zu knallen &#8211; man wei\u00df es aus Nachrichten, es geh\u00f6rt fast schon zum Hintergrundrauschen \u2013 und zwar aus dem Grund, dass dieser Boden mit aller Gewalt auch \u201erussisch\u201c sein soll. Und dennoch werden sie von etwa einem Drittel der Bev\u00f6lkerung eben als \u201enicht Russland\u201c wahrgenommen. (2)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Daher auch eine sehr merkw\u00fcrdige Tendenz \u2013 merkw\u00fcrdig angesichts des immer noch weit verbreiteten, aus der Sowjetzeit \u00fcberlieferten Antisemitismus und Antizionismus in der russischen Gesellschaft \u2013 sich wom\u00f6glich Erfahrungen zu bedienen, die der Staat Israel mit seinen Terroristen gemacht hat. Zu den Vorschl\u00e4gen, eine dichte Mauer um die unzivilisierte Region zu errichten, die seit jeher ert\u00f6nen, kommt auch das Interesse an der Arbeit eines psychologischen Notdienstes hinzu, welcher Opfer von Terroranschl\u00e4gen und ihre Familienangeh\u00f6rige betreut. (3)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Parallele ist au\u00dferdem insofern von Interesse, als der Charakter des Krieges sich vor einigen Jahren radikal ge\u00e4ndert hat. Dies hier ist zwar nicht die Stelle, um die Genese dieses Krieges, also der 1. und der 2. Tschetschenischen Kampagne und den \u201epolizeilichen Ma\u00dfnahmen\u201c, die eine Fortsetzung des Krieges darstellen, dennoch sind ein paar Worte dar\u00fcber n\u00f6tig. Konnte man z.B. Dschochar Dudajew, dem ersten Pr\u00e4sidenten der international nicht anerkannten Tschetschenischen Republik Itschkeria (TRI), dem ehemaligen General der sowjetischen Armee, der im Afghanistan-Krieg k\u00e4mpfte, nach dem missgl\u00fcckten Moskauer Putsch 1991 die Lage nutzen wollte und sich an die Spitze der nationalistischen tschetschenischen Bewegung stellte, keine besonders ausgepr\u00e4gte Gl\u00e4ubigkeit unterstellen (4); sein wohl wichtigster Warlord, Schamil Bassajew, kam erst nach der 1. Tschetschenischen Kampagne mit Wahhabismus in Ber\u00fchrung, doch sein erster offener Brief an Putin l\u00e4sst vermuten, dass er sich durchaus nationalistisch, wenn nicht mit einem unabh\u00e4ngigen Staat, dann auch mit einem Autonomiestatus zufrieden gegeben h\u00e4tte. Wie auch immer, die letzten, sich halbwegs noch staatsm\u00e4nnisch gebenden \u201ePolitiker\u201c und \u201eGener\u00e4le\u201c der TRI sind nun beseitigt. Anfang bis Mitte 2000er beseitigte man allerdings auch solche Abgesandte aus Saudi Arabien und Jordanien, wie al-Chattab, Abu l-Walid oder al-Dscharach, die Mitte 90er auftauchten, Geld, Connections und im afghanischen Krieg geschulte Kader mitbrachten. 2006-2007 verliert das Projekt der tschetschenischen Staatsgr\u00fcndung seinen letzten Anschein der Sekularit\u00e4t. Doku Umarow l\u00f6st die de facto l\u00e4ngst abgeschaffte TRI auf und erkl\u00e4rt sich zum Emir des Kaukasischen Emirats. Die polizeilich-vasallischen Funktionen \u00fcbernahm der Clan von Achmat Kadyrow (5), die islamistischen Gotteskrieger, die nebenbei gerne gegen den traditionellen milden Suffismus k\u00e4mpfen (6), werden aus der Republik in die gesamte Region hinaus gedr\u00e4ngt. Juli 2013 ruft Umarow seine Anh\u00e4nger, die \u201esatanische\u201c (7) Olympiade in Sotschi \u201emit allen Methoden, die Allah zul\u00e4sst\u201c zu verhindern. (8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor diesem Hintergrund ist die alte Leier, von wegen \u201edie \u00e4u\u00dferen Feinde Russlands\u201c z\u00f6gen an den Dr\u00e4hten, erweisen sich als gro\u00dfrussisch-paranoider Unfug. (9) Eine andere alte gute Verschw\u00f6rungstheorie, der FSB inszeniere die Anschl\u00e4ge aus politischem Kalk\u00fcl oder als Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme, sind freilich nicht ohne Grund in der Welt: hat sich doch der Geheimdienst 1999 mindestens ein mal, in Rjasan, dabei erwischen lassen. (10) Doch w\u00e4re so was heute erstens nicht n\u00f6tig und zweitens sind die Tschekisten nicht so hirnlos, dass sie dabei selbst drauf gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In diesem Paranoia-Storm gibt es allerdings mehr erw\u00e4hnenswerte Konstruktionen. Die Anschl\u00e4ge w\u00e4ren eine Art Vergeltung f\u00fcr die Syrien-Politik des Kremls. Moskau h\u00e4lt bekannterma\u00dfen zu Assad und die Verhinderung der UNO-Resolutionen und milit\u00e4rischer Intervention wird im Lande als diplomatische St\u00e4rke angesehen. (11) Die Verbindung zwischen dem Kaukasischen Emirat und einflussreichen Gruppen im Nahen Osten und in den Staaten des Persischen Golfs l\u00e4sst sich zwar nicht leugnen, m\u00fcndet in diesem Kontext allerdings in das Gerede vom \u201eislamischen Projekt, das und von au\u00dfen aufgezwungen wird\u201c (12). Man muss es aber nicht mehr \u201evon au\u00dfen aufzwingen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hier hat sich das russische Au\u00dfenministerium zu etwas Ungew\u00f6hnlichem rei\u00dfen lassen. Am 30.12. 2013 verurteilte es im harschen Ton \u2013 und gegen die traditionell gepflegte Freundschaft zu Hamas \u2013 Anschl\u00e4ge in Wolgograd, in den USA, in Syrien, im Irak, Libyen, Afghanistan und Nigeria, die \u201enach einheitlichen Muster organisiert und von denselben Personen inspiriert sind\u201c. (13)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So \u00e4u\u00dferlich ist diese Islam-Sorte Russland nicht. Ich k\u00f6nnte zwar auf einen \u201e\u00f6ffentlichen Intellektuellen\u201c, einen bedeutenden Eurasisten, Mitglied des Islamischen Kommittes Russlands und des Popular Arab and Islamic Congress, einen Mitbegr\u00fcnder der \u201eLinken Front\u201c (sic!), der gerne den globalen Djihadismus f\u00fcr den zeitgem\u00e4\u00dfen Leninismus erkl\u00e4rt, n\u00e4mlich auf Geydar Dzhemal verweisen. Doch die Anschl\u00e4ge von Wolgograd f\u00fchrten einen neuen Akteur-Typus auf die B\u00fchne: den so genannten \u201eslawischen Wahhabit\u201c, der wom\u00f6glich von der \u201erussischen Seele\u201c etwas offenbart, was Damen und Herren Eurasisten nicht gerne gesehen h\u00e4tten. Dmitry Sokolow, der mutma\u00dflich hinter dem Anschlag am 21.10.13 stand, und Pawel Petschjonkin, f\u00fcr die Explosion im Bahnhof am 29.12.13 verantwortlich, \u00fcberfordern gerade die russl\u00e4ndische \u00d6ffentlichkeit. Es w\u00e4re sicherlich immens wichtig, dieses Ph\u00e4nomen psychologisch zu sezieren, w\u00fcrde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es w\u00e4re die Aufgabe der russl\u00e4ndischen Linken, die kein clowneskes Anh\u00e4ngsel der Gesellschaft mehr sein will. Dennoch scheint mir, dass nach \u00fcber 20 Jahren chauvinistisch-patriotischer Erziehung, nach der aggressiven Klerikalisierung des Bildungswesens und des Kulturbetriebes, nach gesetzlich verordneter Homophobie und patriarchalem Familienbild, nach katastrophischer Verb\u00fcrgerlichung und Individualisierung der Gesellschaft, traditionellem Antiliberalismus und Antiamerikanismus das irre gewordene Subjekt sich auf die Suche nach Halt und Geborgenheit begibt und sie in Hass auf das \u201eAndere\u201c, Mord und Tod findet. \u201eDer Islam als seelische Zuflucht der deformierten \u00dcberfl\u00fcssigen: Nur so ist zu erkl\u00e4ren, warum gerade in Zeiten der Krise diese Religion im Westen wie im Orient einen Zulauf hat wie keine andere\u201c. (14) Der \u201erussische Islamist\u201c w\u00e4re demzufolge das komplement\u00e4res Gegenst\u00fcck zum brutal mordenden und \u201ef\u00fcr die wei\u00dfe Rasse\u201c in die H\u00f6lle des Gef\u00e4ngnis-Systems absteigenden russischen Neonazi; genau wie dieser ist er das authentische Kind der Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die h\u00e4mischen Rufe von rechts, dass Petschjonkin kein Russe, also kein Slawe, sondern Marijer oder Tatare war, werden nichts daran \u00e4ndern \u2013 ein \u201eRussl\u00e4nder\u201c war er allemal. Insofern auch kein Machwerk b\u00f6ser, dunkler M\u00e4chte, die das ansonsten perfekte Land in den Abgrund sto\u00dfen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Schauen wir uns an, was passiert. Seit Jahren zeichnen sich zwei grundlegende Tendenzen in der russischen Gesellschaft ab: die zunehmende Unsicherheit infolge der wirtschaftlichen Rezession und eine Fremdenfeindlichkeit, die sich in allen Schichten breit macht. Nach dem kurzen, durch hohe \u00d6lpreise auf dem Weltmarkt bedingten Aufbl\u00fchen der Wirtschaft stellt sich das Gef\u00fchl ein, dass diese oft mit der Epoche Breschnews verglichene Stabilit\u00e4t nun zu Ende ist. Oktober 2013, bereits nach den Ausschreitungen in Birjulewo (15), unterst\u00fctzten 66% der Bev\u00f6lkerung die Parole \u201eRussland den Russen\u201c, 70-80% k\u00f6nnen durchaus als xenophob bezeichnet werden. Immer mehr Menschen glauben, dass man den Aufenthalt von KaukasierInnen, ChinesInnen und ZigeunerInnen in Russland einschr\u00e4nken m\u00fcsste. Der Chef des Lewada-Zentrums, Lew Gudkow, erkl\u00e4rt es mit der verdr\u00e4ngten Aggression: Unm\u00f6glichkeit, den erw\u00fcnschten Lebensstandart zu erreichen, das Ausgeliefertsein der Willk\u00fcr der Beh\u00f6rden, Mangel an Perspektiven \u2013 der Zorn wendet sich gegen die Gastarbeiter. Die staatlichen Institutionen verlieren allm\u00e4hlich ihre Legitimit\u00e4t, was Gudkow zum Schluss bringt, dass es ggf. sehr leicht zu einer unkontrollierbaren Gewaltwelle kommen kann. (16) Was nicht zuletzt f\u00fcr den Hass auf KaukasierInnen konstitutiv ist, ist allerdings der sichere, aber verdr\u00e4ngte Wissen darum, dass der Krieg im Kaukasus nicht gerecht ist. Das Lewada-Zentrum spricht davon, dass die Gesellschaft dissoziiert und innerlich zerf\u00e4llt. (17)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist bezeichnend, dass die Linke dazu nichts Vern\u00fcnftiges zu sagen hat. Wenigstens da hat die verfemte Linke die Gelegenheit zu beweisen, dass sie ebenfalls ein echtes Kind ihres Landes ist. So \u00e4u\u00dfern sich rabkor.ru und sensus novus, beide rosa-rote Analyse- und Nachrichtenportale, dazu gar nicht. Die Konf\u00f6deration revolution\u00e4rer Anarcho-Syndikalisten, die den Aufst\u00e4nden des \u201eArabischen Fr\u00fchlings\u201c Islamismus und Gegenrevolution immer leidenschaftlich nachwies, bekommt nicht ein mal ein laues \u201earbeitende Menschen als Kanonenfutter f\u00fcr Kapitalisten blabla\u201c raus. Ihre nicht weniger unappetitliche Abspaltung, die MPST, sch\u00fcrt wenigstens die Verschw\u00f6rungstheorien und wei\u00df an die Geschehenisse in Rjazan 1999 zu erinnern. (18) Die autorit\u00e4reren GenossInnen schweigen ebenfalls. Die umtriebig-aktivistische Autonome Aktion entbl\u00f6dete sich nicht einer pubert\u00e4ren Diskussion \u00fcber Sinn und Unsinn des revolution\u00e4ren Terrors und wie der Islamismus die revolution\u00e4re Gewalt diskreditiert. (19) Wer allerdings noch Worte findet, zeigt sich mitten in der vorherrschenden begriffslosen Hysterie wenigstens als sprachlich begabt, so z.B. die trotzkistische (CWI) Russl\u00e4ndische Sozialistische Bewegung: \u201eDas Regime Putin kam an die Macht unter der Parole der &#8216;Wahrung territorialer Integrit\u00e4t Russlands&#8217;. Aber nach Jahren voller blutiger Ereignisse sind wir in der Situation, wo voolladij\u00a0\u00a0 \u00a0n der &#8216;Einheit&#8217; des Nordkaukasus mit dem restlichen Russland, au\u00dfer der territorialen, keine Rede sein kann. (\u2026) Faktisch, das Resultat zweier Jahrzehnte des &#8216;Kampfes gegen Separatismus&#8217; ist die Zunahme der Stimmungen im Zentralrussland f\u00fcr die Abtrennung nordkaukasischer Republiken (\u2026). Diese Tendenzen machen der Regierung offensichtlich so viele Sorgen, dass diese hielt es f\u00fcr n\u00f6tig, ein Gesetz zu verabschieden, welches die Strafe f\u00fcr separatistische Propaganda versch\u00e4rft\u201c. Was als eine treffliche Feststellung anf\u00e4ngt, muss traditionsbewusst in einem Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker enden. (20)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die radikal pro-separatistischen Positionen, wie einst von der Assoziation der anarchistischen Bewegungen (ADA) vertreten \u2013 alles, was das Imperium zersetzt, m\u00fcsse unterst\u00fctzt werden; der immer w\u00e4hrende koloniale Krieg m\u00fcsse zum B\u00fcrgerkrieg gemacht werden, aus seiner sozialen Komponente w\u00fcrde sich alsdann die Revolution entwickeln (21) \u2013 vertritt niemand mehr. Die Zeit, wo man sich so etwas \u00fcberhaupt noch h\u00e4tte denken k\u00f6nnen, ist vorbei. Das damals naiv erhoffte revolution\u00e4re Subjekt ist dabei, selbst den Gedanken an Menschlichkeit abzuschaffen. Was aber seitdem immer noch da ist: eine m\u00fcde, zertrampelte Gesellschaft und ein Staat, der nicht mehr anders kann als sich eifrig zu delegitimieren und auf seinen Zerfall hin zu arbeiten. Daher steht die schmerzhafte Frage immer noch im Raum: wann ist es so weit und was passiert dann?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">14.01.2014, f\u00fcr <a href=\"http:\/\/dasgrossethier.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>das Grosse Thier<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anmerkungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1) Stanislaw Apetjan registrierte anl\u00e4sslich des \u201eersten\u201c Anschlags in Wolgograd, dass die russische \u00d6ffentlichkeit weit k\u00fchler darauf reagierte als z.B. auf den Anschlag in Boston: <a href=\"http:\/\/vz.ru\/opinions\/2013\/10\/21\/655931.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/vz.ru\/opinions\/2013\/10\/21\/655931.html<\/a><br \/>\n2) So der Chef des soziologischen Forschungszentrum Lewada Lew Gudkow in einem Interview \u00fcber Xenophobie und Pogromstimmungen: <a href=\"http:\/\/www.levada.ru\/25-10-2013\/glava-levada-tsentra-rossiya-nakhoditsya-v-predpogromnom-sostoyanii-vopros-lish-gde-rvane\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.levada.ru\/25-10-2013\/glava-levada-tsentra-rossiya-nakhoditsya-v-predpogromnom-sostoyanii-vopros-lish-gde-rvane<\/a><br \/>\n3) Alex Gerschanow im Radio Komsomolskaja Prawda: <a href=\"http:\/\/www.kp.ru\/online\/news\/1624341\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.kp.ru\/online\/news\/1624341\/<\/a><br \/>\n4) Sein Lebenswerk wurde bezeichnenderweise von anderen zentrifugierenden Provinzen des sowjetischen Imperiums gew\u00fcrdigt: so wurden Stra\u00dfen, Alleen u.\u00c4. in Riga, Vilnius, Warschau, Lwiw und Gora\u017ede nach ihm benannt.<br \/>\n5) Jetzt regiert sein Sohn, Ramzan, der f\u00fcr das Regime Putins bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2012 auch mal 99,7% der Stimmen organisieren konnte. Im verw\u00fcsteten und um ein drittel der Bev\u00f6lkerung gelichteten Tschetschenien!<br \/>\n6) So werden z.B. in Dagestan systematisch sufistische Scheichs ermordet: im Oktober 2011, August 2013, August 2013, um nur einige zu nennen. <a href=\"http:\/\/lenta.ru\/news\/2013\/08\/04\/killed\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/lenta.ru\/news\/2013\/08\/04\/killed\/<\/a><br \/>\n7) Als g\u00e4be es nicht weit vern\u00fcnftigere Gr\u00fcnde, diese Olympiade als \u201esatanisch\u201c zu bezeichnen.<br \/>\n8) <a href=\"http:\/\/www.chaskor.ru\/news\/doku_umarov_prizval_boevikov_sorvat_olimpiadu_v_sochi_32726\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.chaskor.ru\/news\/doku_umarov_prizval_boevikov_sorvat_olimpiadu_v_sochi_32726 <\/a><br \/>\n9) Gerne besch\u00e4ftigt man sich mit dem Kampf gegen den alten Erz-Feind Amerika und seine alles Gute zersetzenden Werte, ist man doch (fast offiziell) der letzte Verteidiger der eurasischen Kultur gegen den atlantischen Modernismus. Politiloge Sergej Markow dazu: \u201eAll diese Anschl\u00e4ge sind sowohl die Vorbereitung zu den Terroranschl\u00e4gen auf die Olympiade, als auch ein Versuch, eine Absage verschiedener L\u00e4nder der Teilnahme an olympischen Spielen in Sotschi zu provozieren. So landeten McCain, unsere Terroristen und radikale Opposition im selben Lager. Das ist kein Zufall, was sie eint ist die Russophobie\u201c. L\u00e4sst man Herrn McCain aus, wird hier unter Anderem pro-westlicher Liberalismus f\u00fcr russophob erkl\u00e4rt. <a href=\"http:\/\/actualcomment.ru\/theme\/2854\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/actualcomment.ru\/theme\/2854<\/a> Der hier bereits zitierte Experte, S. Apetjan kommt zu spannenden Schl\u00fcssen: \u201eAch ja, in autorit\u00e4ren Staaten mit Einparteien-Systemen ist die Anzahl der Terroranschl\u00e4ge wesentlich geringer als in Demokratien (das ist, f\u00fcr alle F\u00e4lle, aus der j\u00fcngsten Studie des American Journal of Political Science). Na, lasst uns installieren?\u201c\u00a0 <a href=\"http:\/\/actualcomment.ru\/daycomment\/1129\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/actualcomment.ru\/daycomment\/1129\/<\/a> Auch hier ist der Wunsch der Vater des Gedanken.<br \/>\n10) Zumindest die darauf folgende Anschlagserie in Moskau, Wolgodonsk und Bujnaksk diente als Anlass zur 2. Tschetschischen Kampagne. Vgl. \u201eBlowing Up Russia\u201c (2007), einer der Autoren ist \u00fcbrigens Alexander Litvinenko, darf ich erinnern?<br \/>\n11) Neben der routinierten Hetze gegen Liberale und die \u201ekreative Klasse\u201c, wird die saudische Spur vermutet. \u201e&#8230;die Sicherheit der Olympiade in Sotschi h\u00e4ngt von der Position Russlands in der syrischen Frage. Wie bekannt ist, haben wir Syrien abgetrotzt\u201c. <a href=\"http:\/\/www.vz.ru\/columns\/2013\/12\/30\/666601.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.vz.ru\/columns\/2013\/12\/30\/666601.html<\/a><br \/>\n12) So der \u201eMilit\u00e4rexperte\u201c M. Schurygin:<a href=\"http:\/\/actualcomment.ru\/theme\/2854\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> http:\/\/actualcomment.ru\/theme\/2854 <\/a><br \/>\n13) <a href=\"http:\/\/www.mid.ru\/brp_4.nsf\/newsline\/C4417D6FEFDC741344257C51004A36AB\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.mid.ru\/brp_4.nsf\/newsline\/C4417D6FEFDC741344257C51004A36AB<\/a><br \/>\n14) Natascha Wilting: \u201eDie Lust an der Unlust oder warum der Islam so attraktiv ist\u201c, in: Mit Freud, Renate G\u00f6llner und Ljiljana Radonic (Hg.), Freiburg, 2007<br \/>\n15) Ich verweise gerne an Ute Weinman, \u201eMit F\u00fc\u00dfen gtreten\u201c, in: Jungle World Nr. 43, 24.10.13; oder <a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/post\/2013\/10\/25\/mit-fusen-getreten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/utka.noblogs.org\/post\/2013\/10\/25\/mit-fusen-getreten\/ <\/a><br \/>\n16)\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.levada.ru\/02-12-2013\/intervyu-na-porokhovoi-bochke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.levada.ru\/02-12-2013\/intervyu-na-porokhovoi-bochke<\/a><br \/>\n17)\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.levada.ru\/12-11-2013\/svoi-chuzhie-i-raspad\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.levada.ru\/12-11-2013\/svoi-chuzhie-i-raspad<\/a><br \/>\n18) <a href=\"http:\/\/mpst.org\/socialnye-problemy\/rossiyskie-vlasti-i-borba-s-terrorizmom\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/mpst.org\/socialnye-problemy\/rossiyskie-vlasti-i-borba-s-terrorizmom\/<\/a><br \/>\n19) <a href=\"http:\/\/avtonom.org\/freenews\/o-terrorizme-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/avtonom.org\/freenews\/o-terrorizme-0<\/a><br \/>\n20) <a href=\"http:\/\/anticapitalist.ru\/analiz\/diskucsii\/myi_vse_%E2%80%93_zalozhniki_kolonialnyix_kompleksov_vlasti.html#.Us7n6vHztTM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/anticapitalist.ru\/analiz\/diskucsii\/myi_vse_%E2%80%93_zalozhniki_kolonialnyix_kompleksov_vlasti.html#.Us7n6vHztTM<\/a><br \/>\n21) Siehe dazu z.B. Pjotr Rauschs \u201eDen Krieg wollen nur die Politiker\u201c: <a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=593\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=593<\/a> und Herbert Maridzes \u201eAnarchismus und die nationale Frage\u201c: <a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1317\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1317 <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Gedanken anl\u00e4sslich der Terroranschl\u00e4ge in Wolgograd von Seepferd Erneut wird Russland von Terroranschl\u00e4gen ersch\u00fcttert. Die Rede ist von den Selbstmordanschl\u00e4gen im S\u00fcden des Landes, in Wolgograd. Man spricht bereits vom dritten Anschlag: der erste ereignete sich am 21. Oktober &hellip; <a href=\"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/?p=1328\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1968,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[75,50,63,18,69,27,78],"class_list":["post-1328","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-text","tag-islam","tag-russia","tag-saudi-arabia","tag-state","tag-syria","tag-war","tag-left"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1328","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1968"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1328"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2085,"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1328\/revisions\/2085"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/liberadio.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}